Armani statt Arminia

Geldern..  Es ist fast genau ein Jahr her, als Laurenz Blindenbacher seinen Computer einschaltete und auf dem Bildschirm ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk entdeckte. „Der Scout einer Kölner Model-Agentur hatte zufällig bei Facebook Fotos von mir gesehen. Er lud mich zu einem Gespräch ein. Und dann bin ich einfach mal dahin gefahren“, erinnert sich der 21-jährige Kapellener.

Plötzlich ging alles ganz schnell. Silvester 2013 saß der talentierte Fußballer, der in den vergangenen Jahren für den B-Ligisten Arminia Kapellen-Hamb Tore wie am Fließband geschossen hat, bereits auf gepackten Koffern. Im Januar fand sich der junge Mann aus dem Gelderland – ausgestattet mit einem hübschen, verträumten Gesicht – in der Modemetropole Mailand wieder. Laufsteg statt Ascheplatz, Armani statt Arminia. Was wie ein modernes Märchen klingt, entspricht durchaus der Wirklichkeit. „Auf einmal steh ich da in einem teuren Anzug, Blitzlichter prasseln auf mich ein. Und dann sitzt da auch noch Giorgio Armani persönlich im Publikum und guckt sich den Jungen aus Kapellen an. Ich konnte das erst gar nicht glauben“, erzählt der sympathische Twen.

Ein halbes Jahr in Mailand

Fast ein halbes Jahr verbrachte Blindenbacher in Mailand, lebte dort in einer Wohngemeinschaft mit anderen Nachwuchs-Models aus aller Welt. Die Bodenhaftung hat der 21-Jährige, der zuvor in Geldern das Abitur gemacht und anschließend ein freiwilliges soziales Jahr in einer Jugendeinrichtung absolviert hatte, dennoch nie verloren. So stellte er ganz schnell fest, dass die schöne Glitzerwelt um kreativ geschneiderte Stoffe auch ihre Schattenseiten hat. Und nebenbei auch noch viel Ausdauer erfordert. „Ich hatte in Mailand häufig zehn bis 15 Castings an einem Tag. Du sitzt manchmal stundenlang wie in einem Wartezimmer. Wenn du reingerufen wirst und die Leute von den Mode-Magazinen und -Firmen sofort gelangweilt zur Seite schauen, dann hast du schon verloren. Das kann ganz schön ans Selbstvertrauen gehen“, erklärt Blindenbacher.

Doch wie es sich für einen gelernten Torjäger gehört, verbuchte der 21-Jährige auch als Model viele Volltreffer auf seinem Konto. Die Ergebnisse etlicher „Foto-Shootings“ sind in Hochglanz-Zeitschriften zu sehen, Laurenz Blindenbacher wirbt mit seinem Konterfei und seiner lässig-schlaksigen Figur für bekannte Labels wie Diesel, Armani oder Gucci. „Dolce & Gabbana“ gehört übrigens nicht zu seinem Repertoire: „Dafür muss man dicke Muskeln und ein südländisches Aussehen mitbringen.“

Und Laurenz Blindenbacher kommt nun einmal eher wie ein junger Landlord daher, der abends mit Prince Harry die britische Partyszene unsicher macht. Die nächste Gelegenheit dazu hätte er bereits im Januar. Denn der Kapellener wird mittlerweile von einer Hamburger Agentur betreut, die ihren jungen Schützling dann zur „Fashion Week“ nach London schickt.

An irgendwelchen Starrummel verschwendet er allerdings keinen Gedanken. „Ich freue mich einfach nur darüber, dass mir der Model-Job die Möglichkeit bietet, schon in jungen Jahren faszinierende Städte in ganz Europa kennenzulernen“, versichert der 21-Jährige, der in seiner Freizeit nach wie vor wie ein ganz normaler junger Mann wirkt. Zu dieser Bodenständigkeit hat sicherlich auch die Kapellener Asche ihren Teil beigetragen. Im März verbrachte Laurenz Blindenbacher einen dreiwöchigen „Heimaturlaub“ am Niederrhein und schoss sonntags sofort wieder Tore für die Arminia.

Rückendeckung durch die Familie

„Ich war froh, wieder im Kreis meiner Mannschaft zu sein. Die Jungs haben mich ganz normal aufgenommen. So etwas erdet“, erzählt Nesthäkchen Laurenz, der bei seinem Ausflug in die Modewelt außerdem von seinen Eltern Brigitte und Wolfgang sowie seinen drei älteren Geschwistern die nötige Rückendeckung erhält. Wobei der Junior selbst darauf achtet, sich eine sichere Existenz aufzubauen. Im nächsten Jahr konzentriert sich Laurenz Blindenbacher in Hamburg nicht nur auf seine Model-Karriere, sondern lässt sich in erster Linie an der Universität zum Sozialarbeiter ausbilden. Die Studentenbude finanziert er sich mit einem Job bei „Peek & Cloppenburg“ – als Verkäufer mit Hintergrundwissen in der Herrenabteilung.

Denn der 21-Jährige räumt auch mit der Illusion auf, dass sich als männliches Model viel Geld verbinden lässt. „Nur zwei Prozent schaffen es vielleicht, dauerhaft mit einer Marke verbunden zu werden und dann immer in der Werbung präsent zu sein“, erklärt Blindenbacher. Im Sommer wird der Torjäger, der am 25. November (1:2 in Twisteden) das vorerst letzte Spiel für seinen Heimatverein bestritten hat, eventuell mit seinen Jungs zur Mannschaftsfahrt aufbrechen. „Das hängt auch davon ab, wie viel Bier ich für den Artikel in der Zeitung ausgeben muss“, scherzt der junge Mann, der immer eine gute Figur abgibt – ob im Arminia-Trikot oder im Armani-Anzug.