1. FC Kleve zeigte sein bestes Saisonspiel

Die erste Jubeltraube bildeten die Klever Spieler nach 40 Sekunden.
Die erste Jubeltraube bildeten die Klever Spieler nach 40 Sekunden.
Foto: Evers, Gottfried

Kleve..  Knapp 500 Zuschauer in der Volksbank-Arena wollten sich den Saison-Schlussakkord des 1. FC Kleve nicht entgehen lassen. Zu Gast war Union Nettetal. Da Kleve am kommenden Sonntag spielfrei ist, war es für die Fußballer von Trainer Thomas von Kuczkowski die letzte Chance, ihre Ausgangssituation im Titelrennen mit dem 1. FC Mönchengladbach zu verbessern.

Die Gastgeber legten los, als gebe es kein Morgen mehr. Und fanden mit ihrer draufgängerischen Spielweise offenbar auch die Zuneigung der Glücksgöttin Fortuna, so dass ihnen bereits nach 40 Sekunden der Führungstreffer gelang. Der 1. FCK verdiente sich dieses Tor, weil es so oder ähnlich bestimmt im Training hundertfach einstudiert worden war. Freistoß Fabio Forster aus halbrechter Position, mit links in den Strafraum gezirkelt, Kopfball in diesem Fall von Niklas Klein-Wiele – und drin war das Ding. So etwas nennt man dann wohl einen Einstand nach Maß. Kleve ruhte sich auf diesem Treffer nicht aus, steckte in den teils hart geführten Zweikämpfen nicht zurück und machte dem Gegner unmissverständlich klar, dass man an diesem Nachmittag mehr wollte als nur irgendeinen schmutzigen Sieg. Tore wollte man schießen, um auch darüber den Druck auf den Aufstiegskonkurrenten zu erhöhen. Und natürlich auch, um ihrem Abwehrchef einen rauschenden Abschied zu bieten.

Doch zunächst musste Union Nettetal bearbeitet werden. Denn der mit vier Offensivkräften angetretende Gast berappelte sich nach dem Rückstand wieder und verlangte der Klever Abwehr einiges ab. In der fünften Minute strich ein Kopfball des Nettetaler Tore Mertens über den FC-Kasten. Zehn Minuten später war es ein Kopfball von Martin Stroetges, den Umut Akpinar von der Linie schlug. Akpinar, der in seinem letzten Meisterschaftsspiel für Kleve noch einmal die Kapitänsbinde trug, freute sich mit seinem Trainer und Keeper Raven Olschewski über das Verhindern des Ausgleichs. Da trugen seine Mannschaftskollegen im Eiltempo schon wieder den Ball über die linke Seite nach vorne. Mike Terfloth kurvte in den Strafraum, ließ mit einer Finte seinen Gegenspieler ins Leere laufen und nutzte die freie Schussbahn zum 2:0.

Kleve blieb danach bissig, hielt den Fuß weiter auf dem Gaspedal, musste sich punktuell aber immer wieder gefährlichen Angriffen des Gastes erwehren. „Die haben uns viel abverlangt. Besonders bei Standards“, sagte Akpinar. Und eine solche Situation führte fünf Minuten vor dem Seitenwechsel durch einen Kopfball von Mertens zum Anschlusstreffer.Als beide Mannschaften zur Pause in die Kabinen gingen, war Kleve Meister. Denn Konkurrent Mönchengladbach lag in heimischer Umgebung gegen Repelen 0:1 zurück.

Von daher verständlich, dass Kleve mit frischem Elan aus den Kabinen kam. Es schien so, als es könnten die Rot-Blauen gar nicht erwarten, dass der Schiedsrichterv wieder anpfiff. Eine weitere einstudierte Standardsituation führte in der 50. Minute zum Klever 3:1. Tim Haal preschte mit all seiner Dynamik in einen Eckball von Forster und wuchtete den Ball mit dem Kopf kompromisslos in die Maschen des Nettetaler Tores.

Spätestens jetzt war der größte Widerstand des Gastes gebrochen, die gefährlichen Aktionen im Klever Strafraum wurden weniger. Ein Kopfball von Mertens, ein Seitfallzieher von Moritz Steiner noch – der Rest aber gehörte dem 1. FC Kleve, bei dessen Spielern der Korken aus der Flasche gesprungen zu sein schien. Teilweise zeigten sie herzerfrischenden Fußball, der die Anhänger begeisterte. Nur Pascal Hühner, der zu diesem Zeitpunkt verletzungsbedingt schon draußen war, grämte sich. „Bei den Räumen, die Nettetal uns später überließ, wäre ich bestimmt auch noch ein paar Mal ganz gut zum Zuge gekommen“, sagte der Flügelflitzer.

Für ihn richteten das seine Mitspieler. Terfloth staubte nach einem Schuss von Klein-Wiele, den Nettetals Keeper nach vorne abprallen ließ, zum 4:1 ab (85.). In die nächste Aktion eine Minute später war dann erneut dieser fußballerische Feingeist Klein-Wiele eingebunden, der eine weite Hereingabe des eingewechselten Tobias Gorgs schulbuchmäßig mit der Brust stoppte, den Ball auf den Spann seines rechten Fußes heruntertropfen ließ und zum 5:1-Endstand traf.

Und dann wurde es emotional. Akpinar wurde mit der vorher geplanten Auswechslung in der 88. Minute ein Riesenabgang bereitet. Die Klever Anhänger erhoben sich von den Sitzen, applaudierten, alle Klever Spieler bildeten ein Spalier, durch das Akpinar die letzten Meter auf dem Grün zurücklegte. Der Himmel weinte – und Akpinar nicht viel weniger. „Puuh, ich hätte nicht gedacht, dass mich das so anfassen würde“, sagte Kleves Nummer zwei. Wenn es zur Relegation kommt, wird Akpinar noch einmal mithelfen. Aus der Meisterfeier wurde allerdings nichts, da Mönchengladbach noch den Ausgleich schaffte und nächste Woche in Nettetal mit zwei Toren gewinnen muss.

1. FC Kleve: Olschewski – Thurau, Haeger, Akpinar (88. Braun), Tekaat, Haal, Forster, Klein-Wiele, Terfloth, Hühner (33. maehouat), Wetzels (85. Gorgs).