Wolfs Glücksschuss zerstörte den Siegestraum

Die Roosters mussten sich München in der Overtime geschlagen geben.
Die Roosters mussten sich München in der Overtime geschlagen geben.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Es war ihm fast peinlich, als ihm seine Teamgefährten gratulierten. Sein eigener Jubel fiel eher dezent aus. Denn ausgerechnet Iserlohns langjähriges Eishockey-Idol Michael Wolf erzielte 24 Sekunden nach Beginn der Verlängerung das Siegtor für den EHC München.


Iserlohn Roosters – EHC RB München 2:3 n. V. (0:1, 1:1, 1:0). Das war die zugleich auffälligste Szene des Ex-Roosters-Kapitäns, der bei seinem Tor zudem Glück hatte. Denn der starke Mathias Lange im IEC-Kasten hatte nach der Parade des Distanzschusses die Orientierung verloren, als sich der senkrecht nach oben abgewehrte Puck hinter seinem Rücken ins Tor senkte. „Ich habe einfach mal draufgehalten und Glück gehabt“, kommentierte Wolf sein Siegtor. „Anfangs war es für mich ungewohnt, wieder einmal hier zu spielen, dann lief es besser.“

Nachdem zu Beginn in einer Schweigeminute des überraschend verstorbenen Martin „Opa“ Brinkmann aus der Zeitnehmerriege gedacht worden war, ging es sofort zur Sache. Die Bayern setzten Akzente, aber auch die Sauerländer kamen zu einigen guten Chancen. Doch München blieb stets gefährlich, und so musste Lange mehrfach seine Können aufbieten. Klasse war sein Reflex gegen Thomas Holzmann, ebenso seine Parade gegen den sehr auffälligen Ex-Rooster Danny Sparre. Aber Iserlohn jubelte zuerst, als ein Schuss von Marko Friedrich den starken Florian Hardy im EHC-Kasten überraschte. Doch der Videobeweis dokumentierte: kein Tor (13.)!

Danach gab es den nächsten Aufreger, als die schwachen Schiris ein Hybrid-Icing nicht erkannten und Petersen so die Torchance nahmen, statt dessen hatte im Gegenzug David Meckler das 0:1 auf dem Schläger, doch wieder war Lange zur Stelle. Es folgten weitere Aufreger mit maßgeblicher Beteiligung der Unparteiischen. Dem 0:1 des Tabellenzweiten war eine umstrittene Strafe gegen Kevin Lavallée vorausgegangen. Beim ersten Schuss war Lange die Sicht versperrt, Mads Christensen, ein weiterer ehemaliger Iserlohner, reagierte blitzschnell. Nur Sekunden später landete ein Schlagschuss von Sullivan im Gehäuse, doch die Schiris hatten unmittelbar zuvor das Spiel unterbrochen, denn Hardy hatte seinen Helm verloren.

Auch das 2:0 erzielte München mit einem Spieler mehr, und wieder war die Hinausstellung, diesmal gegen Colten Teubert, diskussionswürdig. Trocken hatte Sparre abgezogen. Nach 24 Minuten sah es nicht gut für den IEC aus, denn die Gäste erwiesen sich als harte Nuss. Aber die Hausherren zeigten Moral und setzten sofort nach, wurden aber durch weitere umstrittene Hinausstellungen gestoppt, u. a. eine Doppelstrafe gegen Mike York, Spieler des Monats Januar. „Und Ihr seid von Red Bull gekauft!“, machten viele Fans ihrem Unmut über die Benachteiligungen Luft. Doch wenig später konnten sie jubeln. Denn nach einem energischen Vorstoß von Chad Bassen markierte der mitgelaufene Kevin Lavallée der Anschlusstreffer (27.).

Aber es lief nicht wirklich rund bei den Heimischen. Sie kamen zwar zu einigen Möglichkeiten, es gab jedoch noch viel Luft nach oben, vor allem im Powerplay gegen allerdings auch konsequent arbeitende Gäste. Und wenn etwas durchkam, war Hardy zur Stelle. Keine Frage: Im Schlussdrittel musste das Pasanen-Team zulegen.

Aber der IEC tat sich weiter schwer und musste immer wieder bei den gefährlichen Gegenstößen des EHC auf der Hut sein. Doch der Ausgleich gelang. Durch energisches Nachsetzen hatte sich Raedeke die Scheibe erkämpft, vor dem Tor lauerte Ryan Button - 2:2! Zehn Minuten vor dem Ende war das Match wieder offen mit nun mächtig aufdrehenden Roosters, die mit veränderten Sturmreihen aus allen Lagen schossen, nach vorne gepeitscht durch die Fans in der erneut ausverkauften Eissporthalle. Vor dem EHC-Kasten spielten sich zum Teil turbulente Szenen ab. Die Riesenchance bot sich Teubert drei Minuten vor dem Ende, doch er vergab. Und als Dylan Wruck in der letzten Sekunde ganz knapp verzog, ging es in die Verlängerung - mit dem bekannten, schnellen Ende.