„Wir haben leider keine Glaskugel besessen“

Uwe Ginsberg zieht eine positive Saisonbilanz beim FC Borussia Dröschede.
Uwe Ginsberg zieht eine positive Saisonbilanz beim FC Borussia Dröschede.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Saisonabschluss beim FC Borussia Dröschede. Zum Finale der Spielzeit 2014/15 scheiterten sowohl die Frauen als auch die Herren am Sprung in die Westfalenliga. Am Tag danach sprachen wir mit dem Vorsitzenden Uwe Ginsberg.

Frage: Wie ist die Stimmungslage nach den beiden verpassten Aufstiegen?

Ginsberg: Nach außen hin sieht das natürlich aus wie der worst case. Aber wenn man auf den Saisonauftakt bei den Herren schaut, kann man schon sagen, dass es eine tolle Geschichte war, überhaupt so weit gekommen zu sein. Das haben wohl auch die meisten Spieler so gesehen. Wir haben dann auch anschließend auf der Emst harmonisch wie schon lange nicht mehr den Abschluss gefeiert. Das war richtig urig, wozu unsere Frauenmannschaft wesentlich beigetragen hat.

Mit welcher Erwartungshaltung waren Sie in den finalen Spieltag gegangen?

Für unsere Frauen hatte ich mir schon etwas ausgerechnet. Schließlich konnte es die Mannschaft aus eigener Kraft schaffen. Die Chance der Herren lag für mich nur bei zwanzig Prozent. Wie man aber wieder gesehen hat, ist Fußball nicht berechenbar. Letztlich waren unsere Herren viel näher dran.

Wäre Borussia Dröschede denn überhaupt in der Lage, gleich zwei Westfalenligateams zu stemmen?

Da bin ich ganz sicher. Die Spieler bei den Herren wären ja auch in der höheren Liga die gleichen gewesen. Da hätte sich am Budget nichts geändert. Und unsere Frauen sind ohnehin sehr genügsam.

Ist es für Sie nicht seltsam, wie der Start bei den Herren so misslingen konnte, wenn Sie die Vorstellungen der Mannschaft in der Rückrunde gesehen haben?

Viele Spieler haben zu Saisonbeginn gefehlt. Urlaube, Verletzungen, Sperren haben uns zu schaffen gemacht. Das war alles sehr unglücklich. Dass sich das im Winter in diese Richtung entwickeln würde, war nicht abzusehen. Warum es so gekommen ist, darüber gibt es viele Meinungen, und ich glaube, dass es sich jeder so dreht, wie er es braucht.

Hätten Sie den Wechsel von einem der beiden Trainer auch vorgenommen, wenn die Entscheidung nicht in der Winterpause, sondern vielleicht erst im April gefallen wäre?

Wahrscheinlich nicht. Hätten wir das im Winter gewusst, hätte es keinen Grund gegeben. Wir wollten uns zeitig entscheiden und haben leider keine Glaskugel besessen.

Jetzt wurde die Mannschaft zusammengehalten und man hat sich von Ramazan Ceylan getrennt. Dafür kommt Andreas Friedberg. Was versprechen Sie sich von dieser Entscheidung?

Eine neue Führungsperson führt häufig zu neuen Reizpunkten und neuer Motivation. Vielleicht gibt es auch eine andere Ansprache.

Welche Ziele hat man sich für die kommende Saison gesteckt?

Keine Frage, unsere Frauenmannschaft will es jetzt wissen. Entsprechend ist das Team auch verstärkt worden. Unsere Herren sehe ich unter den ersten Drei. Hier zu sagen, dass wir aufsteigen wollen, ist vermessen, denn auch die Konkurrenz schläft nicht. Es gibt absolut keine Garantie, dass es so weiterläuft wie zuletzt.

Die positive Bilanz der Aushängeschilder wird durch den Abstieg der Reserve aus der Kreisliga A getrübt. Wie geht es hier weiter?

Für uns ist dieser Abstieg eine Katastrophe. Denn ausgerechnet jetzt haben wir viele A-Jugendliche, die die Geduld aufbringen wollen, sich erst einmal über die Reserve für höhere Aufgaben zu empfehlen. Wir peilen den Wiederaufstieg aus der B-Liga an, und wir haben bereits gute Gespräche geführt.

Wie beurteilen Sie die Geschehnisse in der Abstiegsfrage?

Zunächst einmal bin ich sehr enttäuscht über das Verhalten von Olympos Menden und MSV Iserlohn. Beide Vereine betreiben keine Jugendarbeit. Leid tut es mir für Sümmern, denen man die Chance auf den Ligaverbleib genommen hat. Das ist aber auch ein Affront gegen den Kreisvorstand.

Hat der aus Ihrer Sicht eine glückliche Figur abgegeben?

Im Vorfeld ganz sicher nicht. Horst Reimann, der sicher eine unglückliche Aussage getätigt hat, ist auch nur ein Mensch. Und Menschen machen Fehler.

Könnte der Abstieg der Reserve über den angepeilten Aufstieg der A-Jugend in die Landesliga aufgefangen werden?

Unser Ziel ist es, auf gutem Niveau Talente zu fördern. Die Reserve bleibt aber ein wichtiger Baustein im Konzept, weil nicht alle A-Jugendlichen sofort den Sprung in die erste Mannschaft schaffen.

Zum Abschluss ein Blick auf das Umfeld. Trotz attraktiver und erfolgreicher Spielweise sind die Zuschauerzahlen auf der Emst überschaubar geblieben. Wo kann man hier ansetzen?

Es geht ganz sicher nur durch Attraktivität und Erfolge. Aber in Iserlohn gibt es auch viele zugkräftige Alternativsportarten. Ich sehe gerade im Fußball ein Generationsproblem. Und wenn man sieht, dass die in unserer Liga mega erfolgreichen Olper auch nicht mehr Zuschauer hatten als wir, dann weiß man, dass es ein verbreitetes Problem ist.