Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Fußball

Willi Vieler bot sogar einen „Rentenvertrag“ an

26.07.2012 | 17:31 Uhr
Willi Vieler bot sogar einen „Rentenvertrag“ an
Hans Schmöle (li.) im Kreis seiner C-Jugend-Mannschaft.

Hemer. Unsere Serie über die Derbyzeit von TuS und Oestrich liest er mit sehr großer Aufmerksamkeit, denn Hans Schmöle hat auch etliche Kapitel dieser Geschichte geschrieben, ganz besonders als Trainer. Seine Karriere an der Seitenlinie hat der Hemeraner nun mit der abgelaufenen Saison beendet. Erfolgreich. Als C-Jugend-Coach gewann er mit der SG Hemer die Meisterschaft in der Kreisliga 2.

„Wir haben lediglich die beiden ersten Spiele verloren“, unterstreicht Schmöle den Erfolg des Teams, in dessen Reihen nicht nur die in das FLVW-Fußball-Mädchen-Internat gewechselte Carolin Turck spielte, sondern auch sein 14-jähriger Enkel Paul. „Er sagt zu mir Opa, die anderen Herr Schmöle, es wird nicht geduzt“, kommentiert der 69-Jährige die Hierarchie und streicht seinen sportlichen Ehrgeiz heraus. „Das war für die Jungs anstrengend, weil ich viel verlange.“ Und das sei auch bei seinen anderen Trainerstationen so gewesen. „Ich habe das immer mit Arbeit verglichen. Wenn es schon Geld gab, dann sollten die Spieler auch dafür arbeiten.“ Das ging sogar so weit, dass er als neuer Trainer des BSV Menden eine Kiste Bier, die die Spieler in die Kabine geschleust hatten, durch das Fenster hinauswarf. Auch das Rauchen unterband der Trainer. „Die Frauen und Freundinnen der Spieler haben sich gefreut, denn ihre Männer waren danach dünner und fitter“, schmunzelt Schmöle im Rückblick auf seine lange, erfolgreiche Trainerkarriere, die ihn zu etlichen Stationen in hiesigen Gefilden führte.

Schmöle ist einer der ganz wenigen heimischen Trainer, der sich „Fußballlehrer“ nennen darf. Sein Staatsexamen schloss er 1977 an der Sporthochschule Köln erfolgreich ab. Es befähigt ihn sogar zur Trainertätigkeit in der Fußball-Bundesliga. Nicht schlecht für einen, der sich selbst als „Kraut- und Wiesenfußballer“ bezeichnet.

In die Eliteliga ging es für den Architekten zwar nicht, aber auf lokaler Ebene engagierten ihn u. a. die Branchenführer. Mit dem TuS Iserlohn verpasst er in der damals dritten Liga die Teilnahme an der deutschen Amateurmeisterschaft nur knapp, Spieler wie Kicki Kneuper, Rolf Unnerstall, Manni Stimmer, Achim de Vries oder Erwin Günther hörten auf sein Kommando. Den SV Hüsten trainierte er vier Jahre lang in der Oberliga, zuvor coachte der bei Hemer 08 groß gewordene Kicker „Cosmos“ Hemer. Und mit den Sportfreunden Oestrich verpasste er durch eine knappe Niederlage gegen den TuS vor rund 3000 Zuschauern nur knapp den Oberliga-Aufstieg. „Oestrichs Vorsitzender Willi Vieler wollte mir damals einen Rentenvertrag geben. Aber Oestrich und Hemer waren Vereine, die den Spagat zwischen Gemütlichkeit und Leistungssport versuchten.“ Das war nicht sein Ding. VfK Iserlohn, SSV Kalthof und BSV Lendringsen, den er zweimal vor dem Abstieg rettete, sowie der BSV Menden waren weitere Stationen. Häufig als Feuerwehrmann. „Denn meistens wurden im November Posten frei.“ Im Seniorenbereich war der BSV Menden seine letzte Station, den er von der Bezirksliga in die Verbandsliga führte.

Danach widmete sich Schmöle sportlich zunächst dem Laufen und absolvierte u. a. zwölf Marathons. Und vor vier Jahren übernahm er die A- und D-Jugend der SG Hemer, den ältesten Nachwuchs führte er in die Bezirksliga-Aufstiegsrunde. „Das war etwas ganz Neues für mich“, und dem Fußballinteresse seiner Enkel geschuldet. Und nun der Ausstieg? Wirklich? „Wer will denn einen fast Siebzigjährigen noch verpflichten?“, antwortet er mit einer Gegenfrage. „Ich kann mir das nicht vorstellen.“ Zumal Schmöle als Hemeraner Vizebürgermeister stark beansprucht wird und als Trainer häufig vertreten werden müsste. „Man fehlt einfach zu viel. Entweder macht man eine Sache ganz oder lässt die Finger davon“, begründet er seinen Entschluss, der aber natürlich nicht den Abschied vom Fußball bedeutet.

Von Michael Topp


Kommentare
Aus dem Ressort
„Als graue Maus konstant nach oben arbeiten“
Eishockey
Es war zunächst nur ein Fax, das am 26. April 1994 über die Gründung des Iserlohner Eishockeyclubs informierte: „Gestern Abend um 19.30 Uhr wurde der Iserlohner EC e.V. aus der Taufe gehoben.“ - Also an diesem Freitag vor 20 Jahren. Die Geburt des Vereines, der die gesündeste Phase im Iserlohner...
Akuter Spielermangel zwang Eving-Lindenhorst zum Rückzug
Fußball
Der TuS Eving-Lindenhorst hat seine Mannschaft mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb der Fußball-Landesliga Westfalen 3 zurückgezogen. Die Entscheidung zu diesem Schritt traf der Vorstand des Tabellenletzten während einer Krisensitzung am Mittwochabend.
HTV-Ehrgeiz ungebrochen
Handball
Saisonendspurt bei den Landesliga-Handballern des HTV Sundwig/Westig. Zum Ende der Osterpause gastiert am heutigen Freitag der Soester TV II im vorletzten Heimspiel im Grohe Forum.
Vier Spiele: Mammut-Programm wartet auf die ERGI-Damen
Rollhockey
Die Damen der ERG Iserlohn stehen vor einem stressigen Wochenende: Vier Partien stehen für sie binnen 41 Stunden auf dem Programm. Los geht es heute Abend mit einem Nachholspiel in der neuen Hemberghalle: Um 20.45 Uhr wird gegen den SC Bison Calenberg der elfte Spieltag komplettiert. Am Samstag...
Handball als beherrschendes Thema
Handball
Sie bevorzugt die leisen Töne, hält sich gerne im Hintergrund und möchte ihre Rolle keinesfalls überbewertet wissen. Dennoch war Marion Klein eine zentrale Figur beim „Abenteuer A-Jugend-Bundesliga“ der Handballer des HTV Sundwig/Westig.
Umfrage
BVB und FCB im Finale - Wer holt in Berlin den Pokal?

BVB und FCB im Finale - Wer holt in Berlin den Pokal?

 
Fotos und Videos
Meisterfeier des Basketball-Regionalligisten NOMA Iserlohn
Bildgalerie
Fotostrecke
Fans feiern Roosters
Bildgalerie
Fotostrecke
Play-off-Aus der Roosters
Bildgalerie
Fotostrecke
Hamburg gleicht aus
Bildgalerie
Fotostrecke