„Wenn wir Sonntag verlieren, ist es vorbei“

Enver Sentürk glaubt zwar noch an den Klassenerhalt des VTS, groß ist die Hoffnung aber nicht mehr.
Enver Sentürk glaubt zwar noch an den Klassenerhalt des VTS, groß ist die Hoffnung aber nicht mehr.
Foto: IKZ

Iserlohn..  In der Fußball-Bezirksliga 6 bewegt sich der VTS Iserlohn im freien Fall in Richtung Kreisliga. Der Tabellenletzte hat in der Rückrunde erst einen Punkt verbucht, und der Abstand zum rettenden Ufer beträgt acht Runden vor Schluss elf Punkte. Über diese Situation sprachen wir mit dem sportlichen Leiter Enver Sentürk.

Frage: Den letzten Sieg gab es Anfang Oktober gegen Breckerfeld, den letzten Punkt Mitte März gegen den VfL Schwerte: Haben Sie überhaupt noch Hoffnung, dass sich der Abstieg verhindern lässt?

Sentürk: Die Hoffnung stirbt ja immer zuletzt. Die vielen Niederlagen der letzten Wochen passten überhaupt nicht zu den Leistungen der Mannschaft. Am Sonntag haben wir dem Tabellenführer bis kurz vor Schluss absolut Paroli geboten. Die Mannschaft lebt, es ist noch nicht alles vorbei. Aber wenn man unten steht, fehlt eben einfach das Glück.

Bei elf Punkten darf man ja praktisch kein Spiel mehr abgeben. Wie soll das funktionieren?

Wenn wir am Sonntag in Breckerfeld verlieren, ist es vorbei, dann können wir für die A-Liga planen. Da bin ich Realist.

Nach der Hinrunde stand die Mannschaft schon auf einem Abstiegsplatz, aber der Rückstand war überschaubar. Weshalb hat man in der Winterpause nicht mehr getan?

So schlecht waren die Voraussetzungen gar nicht. Die neuen Leute haben sich eigentlich ganz gut eingefügt, aber es kam Verletzungspech hinzu, und wir haben wirklich viele Punkte verschenkt. Im Grunde kann ich den Jungs gar keinen Vorwurf machen.

Vor der Saison wurde nach den letzten Serien im Abstiegskampf ein gesicherter Mittelfeldplatz angepeilt. Aber die Bilanz ist noch schlechter geworden. Welche Fehler hat der Verein gemacht?

Vielleicht hätten wir bessere Spieler holen müssen, aber das ließ unser Budget nicht zu. Ich bin aber gar nicht so unzufrieden mit den Jungs.

Mit Mehmet Cabuk ist bereits der vierte Trainer in dieser Saison in der Verantwortung, und es gab immer wieder Klagen über die mangelnde Einstellung der Spieler. Liegt da nicht das Problem?

Zu Beginn, als Erkan Kutlu Trainer war, gab es diese Probleme. Seinen Nachfolgern haben wir nicht vertraut, und das ist jetzt bei Cabuk anders. Er gibt wirklich alles, aber es passt trotzdem nicht. Vielleicht bleibt er sogar, wenn wir absteigen.

Welche Konsequenzen hätte ein Abstieg in die Kreisliga A?

Wir müssten einen Neustart machen und würden versuchen, gleich wieder hoch zu kommen. Der SSV Kalthof hat gezeigt, wie das geht.

Müssten Sie nicht befürchten, dass die Mannschaft dann total auseinander fällt?

Möglich ist das, alle Spieler können wir sicher nicht halten. Aber noch planen wir nicht für die A-Liga. Wir warten, bis die Entscheidung gefallen ist.

In der Vereinsführung sind Sie die einzige konstante Größe. Ist es nicht ein Kernproblem des Vereins, dass nicht kontinuierlich gearbeitet wird und zu wenige Leute bereit sind, Verantwortung zu übernehmen?

Außen mir sind schon noch drei, vier Leute dabei, die wirklich viel tun. Aber es fällt uns in der Tat schwer, jemanden für ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen, bei der man manches auch aus eigener Tasche bezahlen muss. Wenn der Erfolg da, sind viele zur Stelle. Aber wenn es nicht läuft, sitzen sie lieber im Café und spielen Karten.