Von Hemer aus die große Fußballwelt erobern

Dario Scuderi mit Pierre-Emerick Aubameyang
Dario Scuderi mit Pierre-Emerick Aubameyang
Foto: IKZ

Hemer..  Viele Jugendliche träumen von einer Karriere als Profi-Fußballer, aber nur für wenige geht dieser Traum in Erfüllung. Das weiß Dario Scuderi. Der Hemeraner lebt trotzdem diesen Traum. Er ist 17 Jahre jung, spielt in der U17 von Borussia Dortmund und steht mit dem BVB am Sonntag im württembergischen Großaspach im Finale um die Deutsche Meisterschaft. Gegner ist der VfB Stuttgart.

Dass die Dortmunder so weit gekommen sind, ist auch das Verdienst des Hemeraners. Er avancierte am vergangenen Sonntag beim 2:1-Erfolg im Halbfinal-Rückspiel bei RB Leipzig zum Matchwinner. Trainer Hannes Wolf wechselte Scuderi nach der Pause ein. „Jetzt brauchen wir dich“, gab er ihm mit auf den Weg, denn Leipzig lag vor 3000 Zuschauern in der WM-Arena in Führung und war das bessere Team. Gesagt, getan. Mit einem Doppelpack schoss der 17-Jährige den BVB ins Finale. „Das war ein tolles Gefühl, aber es ist vorbei“, richtet der Schüler den Blick schon wieder auf das nächste Spiel.

Angefangen mit dem Fußball-ABC hat Scuderi im Alter von sechs Jahren beim SC Tornado Westig. Nach zweijährigem Intermezzo bei den Sportfreunden Oestrich und der Rückkehr zu seinem Stammverein sichtete der BVB den Westfalenauswahlspieler und holte das Talent vor sechs Jahren nach Dortmund. Seitdem vollzog der Deutsch-Italiener eine imposante Entwicklung. Er kann alle offensiven Positionen spielen, fühlt sich aber genauso wohl auf der rechten oder linken Verteidigerseite. Auf seine Stärken angesprochen, nennt Scuderi seine Schnelligkeit, seine gute Technik und das Dribbling. Gibt es da eigentlich noch Schwächen? „Ich muss meinen linken Fuß verbessern“, verrät der Schüler, der in Iserlohn am Berufskolleg des Märkischen Kreises für seine Mittlere Reife büffelt.

Der Nachwuchs-Fußballer wirkt im Gespräch geradezu schüchtern, gleichzeitig auch enorm selbstbewusst, zumal er bereits auf eine bemerkenswerte Laufbahn zurückblicken kann, hat quasi von Hemer aus die Fußballwelt erobert. In Italien ist er unter den 500 größten Talenten gelistet. Folgerichtig verwundert es nicht, dass vor drei Jahren der italienische Fußballverband erstmals seit endloser Zeit einen in Deutschland lebenden Nachwuchsfußballer für das Nationalteam nominiert hatte. Acht Länderspiele, unter anderem gegen Belgien, USA, Mazedonien und Kroatien, bestritt der gebürtige Hemeraner bislang im Trikot der Azzurri, es werden wohl weitere hinzukommen.

Unauslöschlich bleibt für ihn obendrein die Teilnahme vor zwei Jahren am „Manchester United Premier Cup“. In England trafen die weltbesten Jugendteams aufeinander. Der BVB schied zwar in der Gruppenphase aus, „aber überhaupt dabei zu sein, das war ein wahnsinniges Erlebnis.“ Gleiches gilt für internationale Turniere in St. Petersburg, auf Teneriffa oder in der Karibik.

Inzwischen kommen immer mehr Angebote. Inter Mailand und Juventus Turin locken mit ihrem Fußballinternat. „Die haben ihre Augen überall“, weiß Scuderi nicht, wie sein Name in den Notizblöcken der weltweit agierenden Talentspäher aufgetaucht ist. „Darüber mache ich mir auch keine Gedanken. Mich interessiert nur, wie ich besser werden kann und nicht die Meinung anderer über mich“, verfolgt der 17-Jährige strikt sein einziges Ziel. Er möchte irgendwann wie sein großes Vorbild Neymar in der Champions-League spielen.

Hoffnung und Kraft geben ihm sein Glauben an Gott („Ich bete in der Kabine vor jedem Spiel“) und die unbegrenzte Unterstützung seiner Fußball-verrückten Familie. Die besten Perspektiven sieht der 17-Jährige als eingefleischter BVB-Fan natürlich derzeit in Dortmund, wo er ausgestattet mit einem Zwei-Jahres-Vertrag künftig in der U19 spielt. Einen Plan B, falls die Profi-Karriere als Illusion endet, gibt es beim ihm (noch) nicht: „Ich konzentriere mich nur auf Fußball.“ Vielleicht kommt Dario Scuderi seinem großen Traum am kommenden Sonntag mit dem Gewinn des Deutschen Meistertitels wieder ein großes Stück näher.