Über den Nachwuchs zum Erfolg

Wohin führt der Weg des FC Iserlohn? Klubchef Jens Breer schreibt zwar die Oberliga nicht ab, um jeden Preis will er aber nicht den Aufstieg anpeilen.
Wohin führt der Weg des FC Iserlohn? Klubchef Jens Breer schreibt zwar die Oberliga nicht ab, um jeden Preis will er aber nicht den Aufstieg anpeilen.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Als er vor knapp drei Jahren antrat, warnte er vor überzogenen Erwartungen und mahnte Geduld sowie nachhaltiges Arbeiten an. So gesehen ist sich Jens Breer, der Vorsitzende des FC Iserlohn, stets treu geblieben. Und er stellt deshalb die Weichen gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen anders, als es in der Öffentlichkeit allgemein erwartet wird.

Der aktuelle Westfalenliga-Sechste, der ohne die eklatanten Verletzungsprobleme wohl schon in der laufenden Saison ein heißer Titelkandidat wäre, plant keinen Kraftakt, keinen Generalangriff auf die Oberliga im nächsten Jahr. Vielmehr ruft Breer ein Orientierungsjahr aus, das mit einem reduzierten Budget für die erste Mannschaft bestritten werden soll. Der FC und Sparen: Dass das für viele Außenstehende nicht recht zusammenpasst, ist den Verantwortlichen bewusst. Der von den Unternehmern Edelhoff, Kirchhoff und Pütter angeschobene Fusionsverein muss seit seiner Gründung vor drei Jahren damit leben, dass man ihm ziemlich unbegrenzt finanzielle Möglichkeiten nachsagt. „Das war nie der Fall, und wir werden auch in Zukunft den Erfolg nicht erkaufen“, versichert Breer. Der 51-Jährige skizziert einen anderen Ansatz. „Wir wollen den Verein von innen heraus entwickeln und werden mehr als bisher auf die Jugend setzen.“ Und weiter: „Wenn wir immer mehr Qualität in unsere Nachwuchsarbeit stecken und hier wirklich der führende Verein in Südwestfalen sind, dann wird sich das automatisch für die erste Mannschaft auszahlen.“ Breer verweist auf das Beispiel NOMA Iserlohn Kangaroos. „Die Basketballer haben dank systematischer Aufbauarbeit mit vielen eigenen Leuten jetzt diesen tollen Erfolg.“

Der Klubchef denkt in längeren Zyklen und ist noch längst nicht damit fertig, die Basis zu festigen, auf der ein dauerhaft erfolgreicher Verein stehen kann. Aktuell arbeitet man eng mit der BiTS zusammen. Studenten haben Befragungen durchgeführt, wie der FC in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Immer wieder kam dabei zum Ausdruck, wie wichtig gute Jugendarbeit aber auch die Berücksichtigung des Breitensports ist. Unabhängig von diesen Ergebnissen ist die Verbesserung der Außendarstellung des Vereins ein zentrales Anliegen.

Noch längst nicht abgeschlossen ist der Prozess, leistungsfördernde Strukturen im Fusionsverein zu etablieren. „Das Oestrich- und TuS-Denken zu überwinden, dauert länger, als mancher geglaubt hat“, räumt Breer ein. Ihn überrascht es nicht, er hatte immer betont, dass dieses Projekt Zeit brauche. Er will in Zukunft eine noch engere Zusammenarbeit von Nachwuchs und Senioren erreichen und kann sich einen Partnerverein vor Ort vorstellen, um die missliche Situation zu entschärfen, dass es bei einer zweiten Mannschaft in der B-Liga keinen echten Unterbau gibt.

Nur ungern widmet sich der Klubchef dem Thema Oberligaaufstieg, und mehr als ein „vielleicht können wir in der übernächsten Saison angreifen“ lässt er sich nicht entlocken. Er sieht derzeit dringlichere Aufgaben. Das Thema Hemberg soll auf die Tagesordnung, denn Hauptnutzer FC hat im Hauptstadion der Stadt wenig zu sagen. Breer wünscht sich eine zusätzliche kleine Spielfläche auf dem Nordhanggelände und hofft, dass der zweite FC-Standort, das Willi-Vieler-Stadion in Oestrich, 2016 mit einem neuen Kunstrasenbelag versehen werden kann. Unerlässlich zur Weiterentwicklung des Vereins sind auch Fortschritte beim Sponsoring. Der Vorsitzende spricht von einer „kleinen, stetigen Entwicklung nach vorn“, die keinesfalls abreißen dürfe. Dass es aktuell keinen Trikotsponsor gibt, nimmt er gelassen hin. „Der Preis muss stimmen, und zur neuen Saison sieht das anders aus.“

Der schaut er mit Blick auf die erste Mannschaft ungeachtet der beschlossenen Einsparungen gar nicht so pessimistisch entgegen. „Wer sagt denn, dass die Qualität massiv leiden muss? Ich möchte, dass wir eine Charaktermannschaft entwickeln, die sich das Publikum gern anschaut“. Aber erfolgreiche Arbeit im FC definiert Jens Breer eben nicht über den Tabellenstand der Ersten. Strukturen schaffen, Nachwuchs entwickeln und den Verein in der Breite gut aufstellen. Das sind seine zentrale Anliegen. Über einen Aufstieg wird dann später geredet.