Tolle Jahre nach der Karriere-Unterbrechung

Steve McNeil hat immer noch gute Kontakte zum deutschen Eishockey - auch nach Iserlohn.
Steve McNeil hat immer noch gute Kontakte zum deutschen Eishockey - auch nach Iserlohn.
Foto: IKZ

Edmonton/Iserlohn..  Er war einer der schillerndsten Spieler des Iserlohner Eishockeys und auch ein echter Typ. Und der Stürmer, der für den ECD 136 Spiele bestritt sowie 111 Treffer erzielte, hatte eine ganz besondere Eishockeygeschichte. Denn am 28. Dezember 1984 wurde Steve Mc Neils Karriere jäh unterbrochen, als er im Spiel gegen Mannheim mit der Kelle am Auge getroffen wurde.

Die Ärzte retteten, was noch zu retten war. Nach dem Verlust von 80 Prozent seiner Sehkraft auf dem Auge kämpfte er sich zurück auf die Eisfläche. Angesprochen auf seine schlimme Verletzung sagt er heute: „Ist es schon wirklich dreißig Jahre her? Ich habe versucht, dieses Ereignis zu verdrängen. Es war ein schlimmer Tag, der mein ganzes Leben verändert hat“. Und weiter: „Du bis unheimlich eingeschränkt. Ich war froh, dass ich von Krefeld, Iserlohn und Landshut die Chance bekam, als ob ich kein Handicap hätte.“

Geboren wurde Steve McNeil am 21. Januar 1962 im kanadischen Calgary. Weil sein Vater bei der US Army beschäftigt und später in Frankfurt stationiert war, meldeten ihn seine Eltern schon in jungen Jahren in der dortigen Eishockeyabteilung an. Als Eishockey-Deutscher fiel er nicht unter das Ausländerkontingent. Seine erste professionelle Spielstätte war der EHC Essen-West. „Ich konnte es zuerst gar nicht richtig begreifen, was da im Publikum abging. Ich habe mich direkt in diese tolle, verrückte Eishockeyatmosphäre verliebt.“ Die Kölner Haie wurden auf ihn aufmerksam, mit denen gewann er gleich die deutsche Meisterschaft. Nach seiner Augenverletzung wechselte McNeil nach Iserlohn. „Dort habe ich eine ganz tolle Zeit erlebt. Da war die Sache mit dem Grünen Buch und Iserlohn unten. Aber als ich dorthin kam, ging es nur bergauf, was nicht mit mir zusammenhing. Die Fans strömten ins Stadion.“ Nach 15 Spielzeiten in Deutschland beendete er seine Laufbahn.

Seit 1995 lebt er mit seiner Frau Janice und seinen Töchtern Chelsea und Jillian in der direkten Nähe von Edmonton und den Oilers. „Ich habe jede Menge tolle Erinnerungen, denn ich habe viele gute Freunde gewonnen, mit denen ich auch jetzt noch in Kontakt stehe. Die meisten kommen aus Krefeld, gefolgt von Iserlohn.“ Ab und zu trifft er auch noch ehemalige Mannschaftskameraden wie Udo Kießling oder Helmut Steiger.

Und was macht „Stevie“ heute? „Als ich aus Deutschland nach Kanada zurückgekehrt bin, habe ich noch einmal die Schulbank gedrückt und eine Ausbildung im Bereich Business Education gemacht. Alles, was ich seither getan habe, hat irgendwie mit Verkauf zu tun und mit dem Umgang mit Menschen“. Seit einigen Jahren ist er auf dem Immobilienmarkt aktiv. Und sportlich? Da muss der Ex-Profi grinsen: „Also, das meiste geschieht von der Couch aus mit dem Blick auf den Fernseher.“ Aber donnerstags trifft er sich mit ehemaligen Eishockey-Profis zu einem Match. „Es ist ein Oldtimer-Treffen.“ Aktiv spielt McNeil zudem Golf. „Es ist immer wieder eine neue Herausforderung, und es macht viel Spaß.“ Sport muss ja nicht immer so körperbetont sein wie Eishockey.“