Sieben Tausendstel fehlten Olbrich

Daniel Six, Timo Brinkmann, Laura Olbrich, Tobias Ernst und Silas Gertischke starteten bei der DM.
Daniel Six, Timo Brinkmann, Laura Olbrich, Tobias Ernst und Silas Gertischke starteten bei der DM.
Foto: IKZ

Neubrandenburg..  „Natürlich war bei Laura im ersten Moment die Enttäuschung schon ziemlich groß“, wusste auch TVD-Trainer Christian Ritter, der in Neubrandenburg die Betreuung der heimischen Leichtathletik-Talente übernommen hatte, nur zu gut. Und in der Tat war diese Reaktion seines Schützlings mehr als verständlich.

Denn schließlich hatte Laura Olbrich die ganz große Überraschung bei den Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften der Leichtathleten - den im Vorfeld eher nicht zu erwartenden Finaleinzug über 200 m - nur um einen Wimpernschlag verpasst. Bei Zeitgleichheit von 24,96 Sekunden mit ihrer Konkurrentin Jasmin Wulf (Lingen) musste das Wettkampfgericht die Tausendstel Sekunden zur Entscheidungsfindung heranziehen und da lag die Niedersächsin mit 7/1000 Sekunden vorne und durfte als Glücklichere den letzten noch zu vergebenen Endlaufplatz einnehmen.

Nichtsdestotrotz blieb auch für Olbrich ein glänzender Auftritt beim Höhepunkt der Hallensaison und Platz neun mit einer neuen persönlichen Hallenbestzeit von 24,96 Sek. Damit unterbot die Athletin des TV Deilinghofen ihre bisherige Saisonbestmarke gleich um mehr als eine halbe Sekunde und blieb das erste Mal in der Halle unter der 25-Sekunden-Schallmauer. „Laura hat alles gegeben und wirklich ein tolles Rennen abgeliefert, auch wenn aufgrund einer erst vor kurzem überwundenen Hüftverletzung vielleicht hinten raus etwas die Kraft fehlte“, sparte Ritter auch nicht mit Lob für das aktuelle TVD-Aushängeschild.

Und ihre derzeit herausragende Form stellte sie dann auch am zweiten Meisterschaftstag über die kurze Sprintdistanz unter Beweis. Über 60 m qualifizierte sie sich als 16. souverän für die Zwischenläufe der schnellsten 32. Dabei kam sie trotz der sehr frühen Startzeit (10 Uhr) bereits in 7,83 Sekunden ganz nah an ihre bisherige Bestleistung (7,81 Sek.) heran. Im Zwischenlauf musste sie sich dann nicht nur hochkarätiger Konkurrenz stellen - so startete die spätere Meisterin Chantal Butzek (LC Paderborn) direkt neben ihr - sondern auch noch mit organisatorischen Pannen kämpfen. „Durch eine Annulierung eines Laufes mussten die Startlisten mehrfach geändert werden, was zu Verzögerungen führte und sicherlich für die Konzentration nicht gerade optimal war“, so Christian Ritter. Trotzdem konnte Laura Olbrich ihre Vorlaufzeit nochmals um drei Hundertstel Sekunden auf einen neuen „Hausrekord“ von 7,80 Sekunden steigern. Das bedeutete am Ende Rang vier in ihrem Lauf und Platz 16 in der Gesamtwertung. 7,70 Sek. wären hier für den Finaleinzug notwendig gewesen.

Ganz anders waren die Voraussetzungen für die 4x200 m-Staffel MJU20 der neuen Startgemeinschaft LAZ Iserlohn/TV Deilinghofen. „Hier mussten wir auf Ruben Jonas und Robert Budde vom LAZ verletzungsbedingt oder aus schulischen Gründen verzichten, die noch einen großen Anteil an der geschafften Qualifikation hatten“, nannte Christian Ritter die Gründe für ein völlig neu formiertes Staffelquartett.

Doch die beiden kurzfristig eingesprungenen Daniel Six und Timo Brinkmann schlugen sich zusammen mit den beiden etatmäßigen TVD-Sprintern Silas Gertischke und Tobias Ernst durchaus achtbar. „Auch wenn man den Beiden, die noch auf keinerlei Erfahrungen bei überregionalen Meisterschaften zurückgreifen konnten, ihre Aufgeregtheit deutlich anmerkte, haben sie ihre Sache insgesamt gut gemacht.“ Dass die Staffel im Ziel in 1:37,97 Minuten als 33. verständlicherweise deutlich über der Zeit bei den Westfälischen blieb, war in diesem Fall in der Tat zweitrangig. „Das Wichtigste war, dass sie den Staffelstab ins Ziel gebracht haben und zudem noch nicht einmal Letzte wurden. Hier ging es einfach darum, das einzigartige sportliche Erlebnis einer Deutschen Meisterschaft zu genießen“, brachte es Ritter auf den Punkt.