Ruhnert mahnt und will antreiben

Der FC Iserlohn kommt nicht vom Fleck – das bereitet Oliver Ruhnert Sorgen.
Der FC Iserlohn kommt nicht vom Fleck – das bereitet Oliver Ruhnert Sorgen.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Das Pfingstwochenende sorgte auf seiner Fußball-Stressskala für ein neues Jahreshoch. Denn wenn beim FC Schalke 04 der Trainer der Profis gehen muss und der Manager auf der Kippe steht, ist der Direktor Nachwuchs in die internen Prozesse eingebunden und zum Dauerkonferieren gezwungen. Dementsprechend viel hatte Oliver Ruhnert um die Ohren, aber er konnte aus seiner Abteilung zumindest eine echte königsblaue Erfolgsmeldung zur Aufhellung der turbulenten Tage beisteuern: Den deutschen Meistertitel der A-Junioren, errungen am Pfingstmontag durch das 3:1 über die TSG Hoffenheim.

Der 43-Jährige hat sich auf Schalke längst einen bemerkenswerten Stellenwert erarbeitet. Sein bis 2016 laufendes Arbeitspapier möchten die Klubverantwortlichen gern verlängern, aber Ruhnert will abwarten. „Ich muss erst wissen, wie es an den Schaltstellen bei den Profis weitergeht.“ Einer wie er hat viele lukrative Angebote vorliegen, doch aus Schalke zieht es ihn nichts weg. Was auch an seinen Iserlohner Verpflichtungen liegt – in der Kommunalpolitik wie beim FC. Vor dem A-Junioren-Finale in Wattenscheid schaute er noch am Hemberg beim Westfalenligaspiel des FC vorbei. Der Klub liegt ihm am Herzen, er ist seit 1989 dabei, trainiert die C-Junioren – und er ist unzufrieden mit dem Status quo. „Das Ziel der Fusion war es, einen Verein zu etablieren, der auf Topniveau spielen kann. Westfalenliga-Mittelmaß kann man auch mit eigenen Leuten schaffen.“

„Nach dem Übergangsjahr muss die Offensive kommen“

Ruhnert gibt zu bedenken, dass die vor drei Jahren spürbare Aufbruchstimmung schnell verflogen ist und dass die echten Ziele fehlen. „Der Verein muss sagen, was er kann und nicht betonen, was alles nicht geht.“ Sponsoren, so seine Einschätzung, hätten kein Interesse daran, Mittelmaß zu fördern, und deshalb wünscht er sich nach dem geplanten Übergangsjahr der „Ersten“ in der Westfalenliga eine klar formulierte Offensive für die Saison 2016/2017. „Wer wirklich nachhaltige Jugendarbeit anbieten will, braucht eine Oberligamannschaft. Sonst kann man die großen Talente aus den eigenen Reihen irgendwann nicht halten.“ Beim Thema Nachwuchs ist Ruhnert in seinem Element, in Westfalen ist er die Koryphäe schlechthin, und er plädiert beim FC für die stärkere Betonung des Leistungsbereichs. „Wir machen zu viel Breitensport und brauchen keine vier oder fünf Mannschaften in einer Altersstufe. Wenn der FC hier zurückschrauben würde, käme das auch den kleineren Vereinen in der Nachbarschaft zugute.“

Drei Jahre nach der Fusion wünscht er sich zudem die endgültige Überwindung des Oestrich-TuS-Denkens. „Die Verantwortlichen müssen sagen, wo sie hin wollen. Das passt sicher nicht allen Mitgliedern, aber damit muss man leben.“ Nach seinem Geschmack müsste der Verein die sportliche Verantwortung für die erste Mannschaft und den Leistungsbereich im Nachwuchs einer hauptamtlichen Kraft zuweisen. „Hier muss professioneller gearbeitet werden, um voranzukommen. Iserlohn verschenkt zu viele Möglichkeiten,“ sagt Ruhnert, für den die Regionalliga ein Fernziel wäre, das der FC verfolgen sollte.

Er selbst würde gern mehr dazu beitragen, doch sein Zeitbudget lässt ihm kaum noch Spielraum. „Aber ich bin immer ansprechbar und kann beratend tätig sein, wenn man das will.“ Auch wenn er sich nicht scheut, den Finger in die Wunde zu legen und Schwachpunkte zu benennen, so bescheinigt er den Vereinsverantwortlichen doch, sich viel Mühe zu geben. „Aber man sollte Schwerpunkte anders setzen. Denn ich sehe die Gefahr, dass sich Sponsoren verabschieden und dieser FC sein großes Potenzial nicht nutzt.“