Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Deutsche Eishockey-Liga

Ruhe holt sich Roosters-Coach Liebsch bei der Familie

20.02.2010 | 20:32 Uhr
Ruhe holt sich Roosters-Coach Liebsch bei der Familie

Hemer. Der Beruf des Eishockey-Trainers ist reizvoll, aber ebenso stressig und verantwortungsvoll. Also nicht immer nur Zuckerschlecken. Da bedarf es des Ausgleiches. Den holt sich Ulrich Liebsch von den Iserlohn Roosters bei seiner Familie.

Ehefrau Claudia sowie die Söhne Malvin und Milan bilden die Fixpunkte im Leben des Roosters-Coaches. Und dann ist da noch die dreieinhalbjährige „Happy”, eine liebenswerte, muntere Hündin, die sich viel gemeinsame Zeit mit „Herrchen und Frauchen” wünscht - und auch bekommt.

Vor allem von Claudia Liebsch. „Vier Stunden am Tag sind wir schon unterwegs”, so die Gattin des 43-Jährigen. Bei ausgedehnten Spaziergängen in Hemers Wäldern oder bei Inline-Touren rund um die Sorpe, kommt „Happy” zu ihrem Recht - mit großem Wohlfühlfaktor. „Denn es ist hier total schön. Ich finde die Leute hier cool, ehrlich und fair.”, schwärmt die sportive Bürokauffrau.

Die Heimat ist Bayern

Ihre und Ulis Heimat ist Bayern. Genauer: Geretsried. Im zarten Alter von fünf Jahren lernten sich die beiden dort kennen. „Ernster” wurde es aber erst mit 15, 16 Jahren. „Mit Elf fand ich Uli blöd”, grinst Claudia. Und ihr Mann nickt. Aber so schlimm kann es dann doch nicht gewesen sein. Inzwischen sind die beiden schon seit 23 Jahren verheiratet, was sie kaum glauben können. Ebensowenig, dass ihre Kinder bereits aus dem Haus sind. Milan (22) spielt Eishockey in Ravensburg, Melvin (20), der bis zum Juniorenalter aktiv war, macht eine Ausbildung bei Porsche. „Ich habe manchmal Sehnsucht nach ihnen. Aber ich bin stolz, dass sie so selbstständig sind”, gibt die Mutter Einblicke in ihre Gemütslage. Aber ebenso selbstverständlich war es, ihren Mann ins Sauerland zu begleiten.

So oft es geht, fährt sie nach Bietigheim, dem eigentlichen Familienstandort. Dort haben sie ein Haus gebaut. Auch Uli Liebsch ist bemüht, möglichst häufig im Schwäbischen zu sein. Im eigenen Haus „handwerkt” er gerne. „Fliesen legen, Küche einbauen”, nennt er Beispiele. Seine Ausbildung als Elektroinstallateur kommt ihm da entgegen.

Freiburg, Köln, dann Berlin

Dass Bietigheim der Fixpunkt geworden ist, hat mit der sportlichen Karriere zu tun, die 2001 nach drei Jahren beim dortigen Zweitligisten ausklang. Sie hatte 1984 beim TuS Geretsried begonnen, führte mit dem ersten Profivertrag fünf Serien lang nach Freiburg, vier Jahre zu den Kölner Haien und drei Jahre zu den Preußen Devils bzw. Capitals Berlin. „Aber ich war nie der Überflieger”, räumt der ehemalige Stürmer ein, trotz seiner elf Länderspiele und über 320 Erstliga-/DEL-Einsätze (56 Tore). „Meister bin ich nie geworden.” Zweimal stand er mit Köln im Finale. Jeweils gegen die DEG. Erfolglos. „Dabei hatte ich vorher ein Angebot von Düsseldorfs Trainer Hans Zach.”

In Berlin sah Liebsch keine Perspektive mehr: „Mit Dreißig in der vierten Reihe zu spielen, war mir zu blöd.” Es ging nach Bietigheim, wo er erstmals auf Michael Wolf traf. Nach drei Jahren folgte der Übergang zum Trainer. Im Nachwuchs betreute er 230 Kinder inklusive DNL-Team. „Als Jugendcoach hatte er das Leuchten in den Augen”, wusste Claudia Liebsch, dass er den richtigen Einstieg gewählt hatte. Und sie packte mit an. Denn viel Geld war im Nachwuchs nicht zu verdienen. Daher pachteten die jungen Eltern den Gastronomiebereich der Eissporthalle. Claudia Liebsch: „Wir waren oft sechzehn Stunden dort. Aber es war eine schöne Zeit, die Familie war zusammen.”

Ulrich Liebsch stieg schließlich zum Chefcoach auf - bis zu seiner Entlassung nach zwei Serien. „Bietigheim war ein Glücksfall”, blickt er auf die gut zehn Jahre zurück. Ein Glücksfall dürfte aber auch die dann folgende Offerte von Roosters-Manager Karsten Mende gewesen sein, die ihm den Sprung in die DEL vom Co-Trainer zum Bandenchef ermöglichte.

Aber Liebsch möchte noch mehr. Derzeit studiert er an der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes in Köln, ein Studium, das ihn u. a. mit Größen wie Olympiasieger Ralf Schumann (Sportschießen) oder der Degen-Vizeweltmeisterin Imke Duplitzer zusammenbringt. Liebsch peilt die Diplomtrainer-Lizenz an, den höchstmöglichen Abschluss.

Seine Zukunft sieht er in Iserlohn, einen Vertrag für die neue Saison besitzt er bereits. Und was ist, sollte es nicht mehr laufen? Liebsch weiß, dass um die Gesetze des Marktes. Aber er vertritt eine andere Philosophie und hält viel von Kontinuität: „Wenn die Qualität der Arbeit stimmt, geht es nach einen Tief wieder aufwärts.” So hofft er auf weitere Jahre im Sauerland. Und auch „Happy” wäre happy.

Michael Topp

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2615853/create

Aktuelle Fotos und Videos
21. Jedermann-Triathlon
Bildgalerie
Fotostrecke
Autogramme heiß begehrt
Bildgalerie
Fotostrecke
Roosters-Saisoneröffnung
Bildgalerie
Fotostrecke
Neuer Kunstrasenplatz in der Grüne
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Dröschede nach 2:0-Sieg auf „Wolke sieben“
Fußball
Riesenjubel bei den Fußballern von Borussia Dröschede. Zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte haben sie den Aufstieg in die Westfalenliga geschafft. Nach einem verdienten 2:0-Erfolg beim Verfolger Hohenlimburg gelang dieses Kunststück diesmal sogar schon drei Spieltage vor...
Nach dem ersten Sieg kehrt die Hoffnung zurück
Handball
Erneut standen zwei Partien in der Bundesliga-Qualifikationsrunde für die Handball-A-Jugend des HTV Sundwig/Westig auf dem Programm. Nach der nicht ganz unerwarteten Niederlage am Freitag in Hamm gelang daheim gegen Solingen/BHC endlich der erste Sieg, so dass die Hoffnung auf Platz drei und damit...