Rückzug ist ein Schlag ins Kontor

Der TTC Kalthof zieht seine Damenmannschaft aus der Verbandsliga zurück.
Der TTC Kalthof zieht seine Damenmannschaft aus der Verbandsliga zurück.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Die Mitteilung des Vereins war knapp gehalten. Doch hinter den wenigen Sätzen zum Rückzug der Tischtennis-Damenmannschaft des TTC Kalthof aus der Verbandsliga steckt viel mehr. Nach einem Vierteljahrhundert auf hohem Niveau bis hinauf zur Regionalliga geht damit beim kleinen Verein aus dem Iserlohner Norden eine Ära zu Ende.

„Das ist definitiv ein Schlag ins Kontor“, bewertet Werner Menze, Geschäftsführer beim TTC, diese Entscheidung. Sie war unumgänglich geworden, nachdem sich Ute Hufeisen vom Spielbetrieb zurückgezogen hatte und die im Siegerland wohnende Martina Moosbrucker durchblicken ließ, dass sie aus familiären Gründen den Fahrtstress nach nunmehr 13 Jahren nicht mehr auf sich nehmen wolle.

Schließlich orientierten sich nach diesen Entscheidungen auch Jaqueline Fabrizius (Rheydt) und Jasmin Westermann (Castrop) sportlich um, so dass letztlich nur Nadine Sonnenberg und die langjährige Reservistin Monika Koch verblieben. Beide wollen auch nach dem Rückzug der Damenmannschaft beim TTC Kalthof bleiben und in Männermannschaften mitspielen. Das ist nach den Statuten des Verbandes möglich, so lange im gesamten Verein nur drei Frauen aktiv sind.

Dass es irgendwann ein Aus der Damenmannschaft geben würde, hatte Werner Menze, der zusammen mit Dirk-Werner Schmidt stets einer der Motoren im Frauenbereich war, schon länger befürchtet. „Es ist von Jahr zu Jahr schwieriger geworden. Und wir haben auch diesmal nichts unversucht gelassen“, gewährt Menze Einblicke in die Bemühungen. Für ihn ist die Entwicklung in Kalthof aber auch ein Spiegelbild der Entwicklung im deutschen Frauen-Tischtennis. Weit und breit gibt es keine höherklassig spielende Mannschaft mehr. Schon in den beiden Oberligen kooperiert der westdeutsche Verband in einer Staffel mangels Masse an Teams mit Hessen, so dass die Mannschaften schon einmal zum Auswärtsspiel nach Frankfurt reisen müssen. Junge Sportlerinnen begeistern sich kaum noch für diese Sportart.

Vor etwas mehr als 25 Jahren war das noch ganz anders. Damals verfügte der TTC mit Silke Schmidt und Nadine Sonnenberg über zwei außergewöhnliche Talente, die mit der 1987 gegründeten Kreisliga-Mannschaft so richtig durchstarteten. Als schließlich 1993 noch die ehemalige Zweitligaspielerin Ute Hufeisen hinzustieß und später ähnlich starke Kräfte wie Gaby Lux oder Jolanta Bialas in Kalthof spielten, erreichte der Verein endgültig seine Blütezeit. Über die Verbands- und Oberliga gelang 2001 schließlich der Aufstieg in die Regionalliga, in der man sich mit einer kurzen Unterbrechung insgesamt drei Spielzeiten halten konnte.

Doch letztlich zeichnete sich Mitte des letzten Jahrzehnts ab, dass das Niveau ohne den beim TTC stets verpönten, unangemessenen finanziellen Einsatz nicht dauerhaft zu halten war. Folglich wurde langsam der Rückwärtsgang eingelegt, weil es trotz entsprechender Bemühungen nicht gelang, junge Talente heranzuziehen, die die notwendige Spielstärke hätten entwickeln können.

Heute, 28 Jahre nach der Meldung der ersten Kalthofer Damenmannschaft (viele Jahre waren es sogar zwei Teams), endet dieses erfolgreiche Kapitel des kleinen Vereins mit etwa 70 Mitgliedern, die sich künftig ganz auf den Herren- (die „Erste“ spielt in der Kreisliga) und einen kleinen Nachwuchsbereich konzentrieren können.