Roosters drehen spektakulär das Spiel gegen Krefeld
13.02.2010 | 00:18 Uhr 2010-02-13T00:18:00+0100
Iserlohn. Nach 44 Minuten hätte wohl kaum noch jemand auch nur einen Cent auf die Iserlohn Roosters gesetzt. Gegen Krefeld lagen sie schier hoffnungslos mit 0:3 hinten. Doch 19 Sekunden vor Ende gelang Robert Hock der Ausgleich, Jeff Giuliano machte im Penaltyschießen alles klar.
Iserlohn Roosters - Krefeld Pinguine 4:3 n. P. (0:1, 0:2, 3:0). Nach elf vergeblichen Anläufen in der „Verlängerung” der Verlängerung, darunter sechs Paraden von Danny aus den Birken, überwand der Iserlohner Scott Langkow. Danach herrschte kollektiver Jubel, nachdem nicht einmal zwanzig Minuten zuvor den Sauerländern Pfiffe, vereinzelt sogar blanker Hass entgegengebracht worden waren.
Denn über weite Strecken hatten die Blau-Weißen maßlos enttäuscht. Das Fehlen von Michael Wolf, der sich in Vancouver auf das olympische Eishockey-Turnier vorbereitet, mochte ein Grund sein. Aber was sollten die Krefelder sagen? Sie traten ohne acht Stammakteure an, fünf Kontingentspieler fehlten. Doch sie trafen auf einen Gegner, der ihnen durch katastrophale, folgenschwere Fehler den Weg ebnete.
Die entscheidende Vorarbeit
So auch beim 0:1. Mark Ardelan, durch eine kurz zuvor erlittene Knieblessur stark gehandicapt, leistete zur Krefelder Führung die entscheidende Vorarbeit. Denn als die Sauerländer ein Powerplay aufziehen wollte, verlor Ardelan an der offensiven blauen Linie die Scheibe und konnte dem davon eilenden Roland Verwey nicht folgen.
Eine völlig unnötige Zehn-Minuten-Strafe gegen Christian Hommel schränkte dann den personellen Spielraum weiter ein, der Stürmer fand sich nach Ablauf der Sperre im vierten Block wieder, während sich Kris Sparre an der Seite der recht harmlosen Robert Hock und Mads Christensen gut in Szene setzte.
Weitere Iserlohner Fehler
Das zweite Drittel brachte keine Qualitätssteigerung, sondern weitere Iserlohner Fehler. Bei IEC-Überzahl konnte Jon Insana bei seinem Comeback den schnellen Daniel Pietta nur regelwidrig stoppen, der Überzahlvorteil war dahin, sofern dieser gestern überhaupt einer war. Aber danach flackerte für kurze Zeit so etwas wie Offensivdrang auf. Doch in diese Phase hinein folgte die eiskalte Dusche. Und wieder war Ardelan daran beteiligt. Er konnte Pietta bei seinem Angriff nur begleiten, aber nicht stoppen konnte (32.). Das 0:2 versetzte den IEC in eine Schockstarre. Krefeld setzte nach und kam nur wenig später sogar zum 0:3. Getreu dem Motto „Hacke, Spitze, eins, zwei, drei“ spielten sich die Gäste die Scheibe zu, Boris Blank setzte den finalen Schuss (44.). Trainer Ulrich Liebsch nahm eine Auszeit, die Fans nutzten diese Unterbrechung zum Pfeifkonzert. Und die Pfiffe wären wohl lauter geworden, wenn Payers Schuss nicht an die Latte, sondern ins Gehäuse gegangen wäre (36.).
Hoffnung keimte auf
Auch der Auftakt des Schlussdrittels verlief wenig verheißungsvoll. Und so war es einer Einzelaktion des quirligen Kris Sparre zu verdanken, dass noch einmal Hoffnung aufkeimte, als er nach energischem Vorstoß verkürzte (45.). Sollte doch noch etwas gehen? Roy hatte jedenfalls wenig später das 2:3 auf dem Schläger (46.). Dann bot sich eine Überzahlchance (50.). Und die nutzte Jon Insana mit einem Schlagschuss. Nun herrschte nach langer Tristesse endlich auch Stimmung in der „Bude“. Iserlohn drängte auf den Ausgleich. Die Riesenchance bot sich Roy, aber Langkow klärte mit einem Klassereflex (56.). Im Gegenzug hielt aus den Birken mit toller Parade gegen Verwey sein Team im Match. Und dann brachte schließlich Hock 19 Sekunden vor Ende die Scheibe über die Linie - wie auch immer. Und als nach dem Videobeweis die „3” auf aufleuchtete, war die Aufholjagd endgültig vom Erfolg gekrönt, der Giulianos Sahnehäubchen folgte.
Iserlohn Roosters: aus den Birken - Wilford, Ardelan; Danielsmeier, Insana; Langwieder, Veideman - Ready, Hancock, Roy; Giuliano, Swanson, D. Sparre; Hommel, Hock, Christensen; Rupprich, K. Sparre
Krefeld Pinguine: Langkow - Kozhevnikov, Fahey; Schopper, Akdag; Grönvall, Cespiva - Blank, Pietta, Globke; Verwey, Stephens, Endraß; Huebscher, Payer, Riefers
Schiedsrichter: Brill (Zweibrücken)/Jablukov (Berlin) - Strafen: Iserlohn 8 + 10 (Hommel) - Krefeld 10. - Zuschauer: 4060
Tore: 0:1 (14:20) Vervey (4-5), 0:2 (31:17) Pietta (Schopper, Akdag), 0:3 (33:44) Blank (Pietta, Globke), 1:3 (44:41) K. Sparre (Christensen, Wilford), 2:3 (52:13) Insana (Veideman, Hock/5-4), 3:3 (59:41) Hock (Veideman, Ready/6-5) - Penaltyschießen: Hock vorbei, Blank an TW; Hancock an TW, Stephens an TW; Swanson an TW, Pietta an TW; Stephens an TW, Christensen an TW; Verwey an TW, K. Sparre vorbei; Blank an TW, Giuliano 1:0
Ulrich Liebsch (Iserlohn): „Wir sind so gestartet, wie wir uns das vorgenommen hatten. Bis zu unserer Überzahl verlief alles nach Plan. Das Gegentor war ein Nackenschlag, danach fehlte das Selbstbewusstsein. Aber wir haben im letzten Drittel Moral bewiesen und sind dann für unseren Einsatz belohnt worden. Mark Ardelan wollte trotz seiner Verletzung weiterspielen.”
Rick Addduono (Krefeld): „Dieses Spiel ist schwierig zu analysieren. Denn über fünfzig Minuten ist es fast perfekt verlaufen. Danach aber wussten wir, dass es schwer werden würde. Iserlohn hat gut gearbeitet, hart gekämpft und ist zurückgekommen. Insgesamt bin ich zufrieden, denn es standen uns ja nur fünfzehn Spieler zur Verfügung.”
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