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Rollhockey

Nach EM-Bronze Hoffen auf die Heim-WM

06.11.2012 | 18:08 Uhr
Nach EM-Bronze Hoffen auf die Heim-WM
Die Rollhockey-U20-Nationalmannschaft hatte sich auch in Iserlohn auf die EM vorbereitet.Foto: ALBEDYHL

St. Omer/Iserlohn. Die Rückschau auf eine erfolgreiche U20-Europameisterschaft der deutschen Rollhockey-Junioren ist geprägt vom Zwischenfall während des Spiels im Platz drei, als Bundestrainer Marc Berenbeck nach einem plötzlichen Herzstillstand zusammenbrach.

Die professionellen Sofortmaßnahmen waren lebensrettend. Nach zwei Tagen auf der Intensivstation von Lens wurde er am Montag mit einem Krankenwagen unter ärztlicher Aufsicht in ein Krankenhaus in Wuppertal gefahren, wo nun weitere Untersuchungen vorgenommen werden. Dass der 36-Jährige bereits durchblicken ließ, dass er nicht viel Zeit habe, weil am Wochenende der Europacupeinsatz der ERGI in der Schweiz anstehe, wertete die erleichterte deutsche Delegation als Indiz für eine schnelle Genesung. Aber in die Schweiz reist der Coach natürlich nicht.

„Wir werden jetzt Lösungen für das Training und für das Coaching finden. Er bekommt alle Zeit, die er braucht“, betonte ERGI-Chef Ralf Henke, der am Dienstag mit dem Trainer telefonierte und ihn ziemlich fit erlebte“. Henke war in Frankreich Teammanager der deutschen Mannschaft, und in dieser Funktion konnte er zufrieden Bilanz ziehen. Denn eine EM-Medaille hat es für ein deutsches Team seit vielen Jahren nicht mehr gegeben.

Die Mannschaft mit den Iserlohnern Timon Henke und Till Fischer startete mit einem 0:11 gegen den späteren Europameister Portugal in das Turnier, doch diese Partie galt mehr dem Einspielen. Es folgten ein leistungsgerechtes 3:3 nach starker Vorstellung gegen Frankreich und das 13:0 gegen die Niederlande. Danach gab es lange Gesichter beim deutschen Team, weil es wegen des schlechteren Torverhältnisses nur zu Gruppenplatz drei hinter Frankreich langte. Denn die Franzosen verloren „nur“ 2:6 gegen Portugal.

Henke: „Am Ende haben die Portugiesen mit der zweiten Garnitur gespielt, und ein deutscher Schiedsrichter gab einen sehr zweifelhaften Penalty für Frankreich. Das war ärgerlich“. Doch darüber sprach nach dem historischen 5:2-Erfolg im Viertelfinale gegen Italien niemand mehr. Bei den Italienern, die sich als klare Nummer drei in Europa sehen, kostete das den Nationaltrainer den Job. Und ein Erinnerungsfoto ist schon ein Renner bei Facebook: Der Herringer Lucas Karschau baute sich nach seinem Führungstreffer in „Balotelli-Pose“ vor dem italienischen Tor auf.

Im Halbfinale stand mit dem 1:11 zwar wieder ein deklassierende Niederlage gegen Portugal zu Buche, aber diesmal hielt die Mannschaft in der ersten Hälfte gut mit und lag nur 1:3 hinten. Als Portugal auf 5:1 erhöht hatte, schickte Berenbeck seine zweite Garnitur aufs Feld, um die Stammformation für das kleine Finale zu schonen. Das verfolgten in der Rollhockeyhalle von St. Omer auch viele deutsche Fans, die Feiertag und Brückentag zu einem Frankreich-Trip nutzten. Berenbecks Zusammenbruch, der Spielabbruch und die geteilte Bronzemedaille prägten dann das erneute Duell mit den Franzosen.

Ralf Henke wertete die Turnierwoche als vollen Erfolg und sah sich auch in der Quartierwahl bestätigt. Das deutsche Team wohnte in einem großen Ferienhaus, die optimale Verpflegung garantierte Co-Trainer Ralf Stenger, im Hauptberuf Koch, und für die Regelkunde war der mit im Haus wohnende Schiedsrichter Bernd Ulrich zuständig. „Er hat den Spielern sehr gut veranschaulicht, bei welchen Aktionen Teamfouls gepfiffen werden. Das war hilfreich“, meinte Henke.

Er hat das Turnier auch aus einem anderen Grund aufmerksam verfolgt. Denn die ERGI hat sich mit Unterstützung der Stadt für die Durchführung der U20-Weltmeisterschaft im Herbst 2013 beworben. „Am Hemberg haben wir ideale Rahmenbedingungen, und ich bin sicher, dass wir das stemmen können.“ Eine Entscheidung wird am Rande der Frauen-Weltmeisterschaft (10. bis 17. November in Recife/Brasilien) fallen. Einen wichtigen Fürsprecher haben die Iserlohner: Weltverbandspräsident Harro Strucksberg möchte die Titelkämpfe nach Deutschland holen.

Von Willy Schweer



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