Meinolf Schlotmann unterwegs in heikler Mission
18.02.2010 | 16:55 Uhr 2010-02-18T16:55:00+0100
Iserlohn. Er ist unterwegs in heikler Mission, in einer Region dieser Erde, von der trotz 300 000 Toten seit 2003 nur wenige Menschen hierzulande Notiz genommen haben.
Meinolf Schlotmann, Leiter der Polizeiinspektion Nord in Iserlohn und Vorsitzender der Handballer des Letmather TV, versieht seinen Dienst seit einem halben Jahr in der sudanesischen Provinz Darfour.
Im afrikanischen Land, das siebenmal so groß wie die Bundesrepublik ist, leitet der 45-jährige, dreifache Familienvater eine Gruppe von 320 Kollegen aus aller Welt im Rahmen der UNAMID-Mission der Vereinten Nationen, die dazu beitragen will, den brüchigen Frieden zu stabilisieren. In insgesamt sechs Vertriebenen-Camps der Bürgerkriegs-Region Darfour, die so groß wie Frankreich ist, kümmert er sich mit seinen Kollegen um Ausbildung, Beratung und Beobachtung. Insgesamt leben dort 2,7 Millionen Menschen, die ihre Heimat in den Kriegswirren verloren haben. „Wir führen beispielsweise Personen, die einer Straftat bezichtigt werden, örtlichen Behörden zu, haben aber selbst keine Befugnisse”, beschreibt Schlotmann einen Teil seiner Aufgabe, bei der ihn auch fünf deutsche Polizisten unterstützen.
In der Stadt El Fasher lebt er mit seiner Einheit in einem streng abgeschotteten Camp. 5,5-Quadratmeter in einem halben Wohncontainer bilden seine Privatsphäre. Um ihn herum gibt es vor allem Sand, Staub, Wind und Temperaturen um 35 Grad. Als größte Gefahr schätzt Schlotmann gesundheitliche Probleme ein. Vor seinem ersten Aufenthalt im Sudan gab es deshalb eine Reihe von Impfungen. Doch der Letmather ist nicht naiv und weiß auch um andere Gefährdungen in einen Gebiet, in dem viele verschiedene Rebellengruppen ihr Süppchen kochen. Um nicht unnötig Probleme heraufzubeschwören, verlässt ab sieben Uhr abends niemand mehr das Camp.
Dann steht für den begeisterten Handballer, der es sich beim letzten Heimaturlaub nicht nehmen ließ, bei der Handball-Europameisterschaft in Österreich zwei Spieltage live zu verfolgen, die Kontaktpflege mit der Familie daheim auf dem Programm. Per E-mail oder Telefon kann aber auch Vereinsarbeit im fernen Afrika erledigt werden.
„Man muss schon sehr flexibel sein. Aber das ist ja auch das, was wir unseren Kindern vorleben wollen”, entgegnet Schlotmann der unumgänglichen Frage, wie denn die Familie zu seinen Auslandeinsätzen steht. Der Sudan ist schließlich nicht seine erste derartige Station, vor einiger Zeit schob er für längere Zeit im Kosovo Dienst.
Über die neuesten Meldungen in seinem Verein hält ihn vor allem Tochter Pia auf dem Laufenden, und wenn er zu seinen seltenen, höchstens zweiwöchigen Heimaturlauben in Letmathe weilt, dann läuft der Alltag normal weiter, sei es als C-Jugend-Trainer (hier spielt sein Sohn Lorenz) oder auch als Abteilungsleiter (wie auf der Jahreshauptversammlung Ende Januar).
Mit der Entwicklung beim LTV ist Meinolf Schlotmann durchweg zufrieden. Dass die erste Mannschaft nur einen Punkt vom Saisonziel „einstelliger Platz” entfernt ist, wertet er ebenso positiv wie den ungeheuren Zulauf im Nachwuchsbereich.
Nach den kurzen Heimat-Intermezzos geht es dann aber wieder mit dem Flieger nach Khartoum, die Hauptstadt des Sudan, wo er vor dem Weiterflug stets übernachtet. Von dort aus sind es dann noch einmal mit eigens von der UN angemieteten Jets eineinhalb Stunden bis El Fasher. Das Ende der Mission ist für den 5. August terminiert. Dann wird Urlaub gemacht, bevor er wieder an seinen heimatlichen Schreibtisch zurückkehrt.
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