Jungen Menschen den Spaß am Billard vermitteln

Klubchef Karl-Heinz Venner (links) und Geschäftsführer Dieter Mularzyk überlegen, wie die Zukunft des BC Ostend gesichert werden kann
Klubchef Karl-Heinz Venner (links) und Geschäftsführer Dieter Mularzyk überlegen, wie die Zukunft des BC Ostend gesichert werden kann
Foto: IKZ

Iserlohn..  Hoch oder tief packen, links, rechts oder gar kein Effet – einem Billardspieler gehen vor seinem Stoß viele Gedanken durch den Kopf. Wenn die Kugel dann genau den Weg nimmt, den sie sollte und unterwegs auch noch die beiden weiteren Kugeln auf dem Tisch berührt, ist der Punkt erzielt und der Spieler glücklich. Den Schulterklopfern seiner Mitspieler kann er sich sicher sein. Das war so und das ist so, aber: Bleibt das auch so?

Billard, früher als Sport der Könige gerühmt, steckt in der Krise. Viele Vereine fürchten um ihre Existenz. Ganz so dramatisch beurteilen Karl-Heinz Venner und Dieter Mularzyk die Situation ihres BC Ostend Iserlohn zwar noch nicht, aber völlig sorgenfrei blicken auch sie nicht auf ihren Klub. „Es war und ist mittlerweile schon über Jahrzehnte hinweg schwierig, insbesondere Jüngere für das Karambol-Billard zu begeistern“, beschreibt Mularzyk.

Hinter Karambol stecken die Billard-Varianten, die auf Tischen ohne Löcher und mit nur drei Kugeln gespielt werden. Mit der Stoßkugel müssen die beiden weiteren Kugeln berührt werden. Das kann in der Freien Partie sofort passieren, oder die Kugel muss, bevor auch der letzte Ball berührt wird, an die Banden des Tisches gestoßen sein.

Die Karambol-Disziplin gilt als anspruchsvoll. Darin sehen die beiden führenden Köpfe des BC Ostend ein weiteres Problem. „Wenn ein Jugendlicher beim Pool-Billard einen Ball versenkt, dann freut er sich. Bei uns sieht man ja auf den ersten Blick nichts. Man braucht zudem Geduld, vielen dauert es zu lange, bis sie Fortschritte bei sich selbst erkennen“, sagt Venner, der Vorsitzende des BC. Die Folge: Nur noch wenige junge Menschen schauen mal bei den Vereinen vorbei, noch weniger bleiben. Und die, die dem Verein die Treue halten, werden immer älter. Die Zahl der Ostend-Mitglieder hat sich inzwischen bei zwölf eingependelt. Unweigerlich blicken Venner und Mularzyk zurück. Zwischen 1968 und 1980 hätte sie nahezu konstant bei 50 Mitgliedern gelegen. Von solchen Dimensionen ist aktuell keine Rede. Das Thema Nachwuchsgewinnung und Nachwuchsförderung ist aber ständig aktuell. Mularzyk: „Wir müssen alle erdenklichen Mittel ausschöpfen.“ In Schulen sind sie schon gewesen, zum Kreissportbund und zum Sportbüro der Stadt bestehen Kontakte – bislang ohne nachhaltigen Erfolg. Jetzt wollen sie beim Integrationsrat für ihren Sport werben. Ausländer gelten im Billard immer noch als die große Ausnahme, auch Frauen sind nur selten mit dem Queue zu sehen. Hier könnte die jüngere Vergangenheit Fluch und Segen gleichzeitig gewesen sein. Denn am Billard nagt der Status des Kneipensports. Karl-Heinz Venner: „Früher standen die Tische in Gaststätten. Da kam man rein, hat zugeguckt und irgendwann mitgespielt. Und wir sind dabei geblieben, weil es Spaß gemacht hat.“

Heute spielen viele Klubs im eigenen Vereinsheim, der BC Ostend hat 1985 eine Zwischenlösung für sich entdeckt. Er spielt seitdem in seinem eigenen Reich, das allerdings an das Gasthaus „Zur Sonne“ an der Elisabethstraße, Ecke Hövelstraße angeschlossen ist. Niemand spielt mit dem Gedanken, diesen Status zu ändern. „Die Wirtin ist froh wie es ist und wir sind froh“, sagt Venner. Aber wenn das ein- oder andere jüngere Gesicht dauerhaft zum BC Ostend stoßen würde, dann wären die Mitglieder sogar richtig glücklich.