Jubelsturm nach dem Final-Krimi

Die ERG Iserlohn bejubelte in Herringen den Gewinn der deutschen Rollhockeymeisterschaft – nach einem wahren Krimi im dritten Finalspiel.
Die ERG Iserlohn bejubelte in Herringen den Gewinn der deutschen Rollhockeymeisterschaft – nach einem wahren Krimi im dritten Finalspiel.
Foto: IKZ

Hamm..  „Da ist ja fast wie am Samstag beim Fußball in Berlin.“ Harro Strucksberg, der Präsident des Rollhockey-Weltverbandes, staunte nicht schlecht, wie der neue Meister in der Herringer Glückauf-Sporthalle zu feiern gedachte. Sektfontänen und goldenes Konfetti begleiteten die Freudentänze der Iserlohner, die nur von der Siegerehrung unterbrochen wurden. Die ERGI hat es geschafft – nach einem wahren Krimi im dritten und entscheidenden Finalspiel beim Titelverteidiger, der erst im Penaltyschießen entschieden wurde. Und dabei setzten die Glowka-Brüder den fulminanten Schlusspunkt. Sebastian verwandelte den letzten Iserlohner Strafstoß, Patrick hielt den letzten der Herringer. Und danach gab es kein Halten mehr.


DM-Finale, Spiel 3: Germania Herringen - ERG Iserlohn 5:6 (4:4, 2:2) n. P. Über die Dramaturgie dieses Finales wird man noch lange sprechen. Viermal lag der amtierende Meister vorn, viermal konterte die ERGI und hätte in der Verlängerung schon alles klar machen können. Aber das hob sie sich für den nervenaufreibenden Schlussakt auf.

Es war ein völlig anderes Spiel als am Samstag, weil die Iserlohner, verstärkt durch André Costa, viel mutiger auftraten und bereit für den Kampf mit offenem Visier waren. Aber sie gerieten wieder in Rückstand, wieder durch ihren früheren Teamkollegen Liam Hages, mussten Strafstoß und Unterzahl nach blauer Karte gegen Jorge Fonseca überstehen – und kamen zurück. Kapitän Sergio Pereira ließ die große ERGI-Fangemeinde in der rappelvollen Halle erstmals jubeln.

Aber die Mannschaft leistete sich vor dem eigenen Tor einige Patzer, und alle konnte der erneut glänzend aufgelegte Patrick Glowka nicht ausbügeln. Aber auch auf das 2:1 der Germania folgte die prompte Antwort, diesmal nahm André Costa ganz genau Maß. Und um Haaresbreite hätte Fonseca den Spieß noch vor der Pause umgedreht. Es war eine rassige Partie, in der Herringen im ersten Durchgang die etwas bessere Spielanlage zeigte, in der die ERGI aber viel präsenter war als am Vortag und den absoluten Willen demonstrierte, sich diese Titelchance nicht nehmen zu lassen.

Viermal Rückstand wett gemacht: ERGI bewies Moral

Aber es gab weiterhin die kleinen Unaufmerksamkeiten, so vor dem 3.2. Darauf antwortete Jorge Fonseca mit einem tollen Schuss unter die Latte, doch der Jubel über das 3:3 war kaum verklungen, als Iserlohns Teamfoul Nummer zehn den Hausherren die Strafstoßchance bescherte. Und Schulz überwand Glowka.

13 Minuten blieben noch – würde die ERGI auch ein viertes Mal zurückschlagen? Die Mannschaft kämpfte bravourös, aber die Uhr tickte unerbittlich. Und Herringens Konter waren nicht zu verachten. Dann die 45. Minute: Carlos Nuñez nahm aus der Distanz ganz genau Maß, und die Kugel sauste an Freund und Feind vorbei in die Maschen – 4:4. Das Spektakel steuerte auf die zweimal fünfminütige Verlängerung zu, und in der hätte André Costa alles klar machen können. Denn Hages handelte sich nach dem Foul an Pereira die blaue Karte ein (52.), doch der Iserlohner setzte die Kugel vom Punkt an den Innenpfosten. Auf der Bank war man zum Jubelsturm bereit – und musste stattdessen weiter zittern, weil auch die Überzahl nichts einbrachte.

Penaltyschießen. Jetzt war Nervenstärke gefragt. „Wenn er trifft, müsste es reichen“, prognostizierte Klubchef Ralf Henke, als Sebastian Glowka zum fünften Versuch der Gäste antrat. Er traf, Bruder Patrick hielt – und die ERGI feierte ihren siebten deutschen Meistertitel!