Große Begeisterung in „Klein-Kanada“

Groß war die Begeisterung in der Deilinghofener Eissporthalle.
Groß war die Begeisterung in der Deilinghofener Eissporthalle.
Foto: IKZ

Deilinghofen..  Ein Dorf im Eishockeyfieber und Klein-Kanada im Sauerland! Die Geburtsstunde des heimischen Eishockeys schlug in Deilinghofen in den 1950er Jahren. Und jene, die diese Gründerzeit und die Jahre bis zum Umzug nach Iserlohn miterlebt haben, sind immer noch fasziniert von dem Treiben, das sich in dem kleinen Dorf oberhalb Hemers abspielte.

Ein Treiben, das eine enorme Anziehungskraft besaß, nicht nur im Dorf, sondern im Umland. Denn was dort geboten wurde, stellte etwas ganz Neues dar, war exotisch und spektakulär, und es brachte gut zehn Jahre nach Kriegsende die große weite Welt in die Region.

Die kanadischen Truppen kamen 1953 nach Deilinghofen – zunächst als Besatzer, aber schnell entstanden die ersten freundschaftlichen Kontakte. Die Kanadier richteten sich so gut wie möglich im „Fort Prince of Wales“ ein. Und dazu gehörte natürlich auch der Bau einer Eisbahn. Die war anfangs nicht überdacht, bot aber auf der Tribüne rund 1200 Zuschauern Platz.

Zunächst fanden ausschließlich Spiele zwischen Teams kanadischer Soldaten, die im Umkreis stationiert waren, statt. Gelegentlich gab es auch Duelle mit bereits existierenden Eishockey-Mannschaften aus Nordrhein-Westfalen.

Nachdem die Spiele anfangs nur von Kanadiern verfolgt werden konnten, warben die Soldaten immer häufiger um die Zuschauergunst der Deutschen – und damit weckte man auch das Interesse der Dorfjugend. Die Deilinghofener Kids waren begeistert, eiferten den Idolen mit bescheidenen Mitteln nach und irgendwann, nach zähem Ringen, durften sie ins Stadion auf das Eis. Am 8. März 1958 präsentierten sich die Jungs erstmals in einem Spiel gegen ein kanadisches Soldatenjugendteam aus Soest. 120 Zuschauer sahen eine 2:6-Niederlage der jungen Deilinghofener, die in kanadischen Trikots auflaufen durften.

Der Anfang war gemacht und leitete eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte ein, die am 28. Februar 1959 mit der Gründung des EC „Sauerland“ Deilinghofen offiziell begann. Am 26. Dezember 1970 endete die ECD-Ära im Camp des Ortes, fortan wurde die sauerländische Eishockeygeschichte ab dem 9. Januar 1971 in Iserlohn weitergeschrieben. Endgültig schloss die Deilinghofener Eishockey-Chronik im Februar 1992, als der Abbruchbagger der Eissporthalle endgültig den Garaus machte.