Gleich der zweite Tag in Iserlohn bereitete Kopfschmerzen

Andre Costa (hier gegen Calenberg) ist bester Schütze der ERGI.
Andre Costa (hier gegen Calenberg) ist bester Schütze der ERGI.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Nach 34 Minuten erhielt er seine verdiente Pause und durfte sich den Rest der Partie von der Spielerbank aus ansehen. Bis dahin war Andre Costa der beste Akteur der ERG Iserlohn im Topspiel der Rollhockey-Bundesliga gegen den SC Bison Calenberg.

Er hatte beim 7:1-Triumph am Samstag am Hemberg den Ausgleich zum 1:1 vorbereitet, die Tore zum 2:1, 3:1 und 5:1 selbst erzielt und so sein Trefferkontingent auf 31 in dieser Serie erhöht. Damit ist er der Toptorjäger der Waldstädter. „Unsere Lebensversicherung“, macht Trainer Dirk Iwanowski deutlich, wie wichtig der Portugiese ist.

„Ich will immer gewinnen, alles geben und mich immer weiter verbessern“, beschreibt der 28-Jährige seine Einstellung zu seinem Sport, der in seiner portugiesischen Heimat hinter Fußball die Nummer zwei ist und dort eine ganz andere, intensivere Wahrnehmung erfährt als in Deutschland.

Aber in Deutschland ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt deutlich besser. „Und die Arbeit steht für mich an erster Stelle, erst dann kommt Rollhockey“, beschreibt Costa seine Prioritäten, nachdem er eine Weile als Soldat der Luftwaffe in Rotterdam gearbeitet und für das niederländische Team aus Valkenswaard in der deutschen Bundesliga gespielt hat. In Iserlohn arbeitet er als Elektriker in der Firma der „Rollhockey-Familie“ Iwanowski. Und deshalb sieht er seine Zukunft in der Waldstadt, hier wird auch im kommenden Monat seine portugiesische Ehefrau das erste Kind zur Welt bringen. „Aber natürlich bin ich mit dem Kopf auch immer in Portugal bei meiner Familie.“ Durch die neuen Medien sind regelmäßige Kontakte mit den Angehörigen problemlos. Eltern und Bruder kommen im nächsten Monat zu Besuch.

Costa begann als Dreijähriger mit dem Rollhockeyspielen und schaffte in Paco de Arcos den Sprung von der Jugend in den Seniorenbereich. Dieser Klub verfügt über eine sehr starke Nachwuchsabteilung, die als „Fabrik“ einen glänzenden Ruf in Portugal besitzt. Insgesamt viermal wurde er portugiesischer Nachwuchsmeister in der U15 und U17, spielte mehrfach in der Regionalauswahl Lissabon, stand einmal im Team der U20-Nationalmannschaft und wurde Dritter der Europameisterschaft.

In Iserlohn fühlt sich Andre Costa sehr wohl, wenngleich er an den Beginn seines ERGI-Engagements sehr unglückliche, weil äußerst schmerzhafte Erinnerungen hat. Denn nachdem bei einem Turnier in der Schweiz über ERGI-Spieler Jorge Fonseca erste Kontakte entstanden waren („danach habe ich sofort in Portugal die Koffer gepackt“), traf es ihn gleich am zweiten Tag in der Waldstadt wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Als die deutsche Nationalmannschaft und die ERGI an jenem 18. August 2013 am Hemberg trainierten, zischte die Kugel nach einem Schuss seines Landsmannes und neuen Teamkollegen Sergio Pereira an die Schläfe, in Dortmund musste er operiert werden.

Ansonsten sind seine Eindrücke aber positiv. Spaß bereitet ihm das Training der U17. Dort will er den Spielern vermitteln, dass sie eine sehr attraktive Sportart betreiben, und sie kontinuierlich weiter entwickeln. Im Gegenzug lernt er durch den Umgang mit dem Nachwuchs die deutsche Sprache. Das klappt bereits ganz gut, zudem unterstützen ihn, der auch etwas Englisch spricht, seine portugiesischen Teamkollegen Fonseca und Pereira. „Die Rahmenbedingungen sind hier einfach perfekt“, schwärmt Andre Costa vom Umfeld der ERG Iserlohn und sieht auch das deutsche Rollhockey auf dem Weg nach oben.

Apropos oben: Einen Titel hat er mit der ERGI noch nicht geholt. Die Zeit dafür ist also reif. Derzeit sieht es nicht schlecht aus, denn die ERGI ist punktgleich mit Meister Herringen aufgrund des besseren direkten Vergleichs Spitzenreiter - nicht zuletzt auch dank der inzwischen 31 Tore und zahlreichen Vorlagen.

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