„Es hat einfach alles funktioniert, ein Sahnetag“

Kai Milewski hat den Blick längst auf das zwei Finalspiel gegen Herringen gerichtet.
Kai Milewski hat den Blick längst auf das zwei Finalspiel gegen Herringen gerichtet.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Vier Tore im ersten Play-off-Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen den amtierenden Titelträger – für Kai Milewski von der ERGI besaß dieses Duell eine ganz besondere Geschichte. Denn sein Viererpack trug maßgeblich zum erhofften Heimsieg gegen den amtierenden Rollhockey-Meister Herringen bei, der der ERGI den ersten Matchball im Meisterschaftsrennen brachte.

„Ich weiß auch nicht, was an diesem Tag los war. Es hat einfach alles funktioniert, ein Sahnetag“, blickt der Torschütze auf den Samstag und das 6:5 zurück. An Vergleichbares kann sich der Iserlohner nicht erinnern. Und dabei hat er schon eine ganze Menge erlebt.

Mit sechs Jahren begann Kai Milewski das Rollhockeyspielen. Gemeinsam mit Stefan Ziese, der später Skaterhockeyspieler bei den Samurai Iserlohn wurde, schloss er sich in ganz jungen Jahren der ERGI an und durchlief dort alle Nachwuchsteams. Dabei war Rollhockey zunächst nur eine Option. Denn beim LC Letmathe betrieb Milewski Leichtathletik. „Hochsprung habe ich total gerne gemacht.“ Zudem hatte er sich den Minikickern der SF Oestrich angeschlossen. Mit 14, 15 Jahren folgte dann aber die Weichenstellung zum Rollhockey, und die Erfolge stellten sich schnell ein. Im Nachwuchs wurde er 2004 mit der B-Jugend in Iserlohn Vizemeister und mehrfach Dritter, durchlief alle NRW-Jugend-Auswahlteams und spielte schließlich auch in der U17- und der U20-Nationalmannschaft.

Champions-League mit Barcelona war das Highlight

Gleich in seinem ersten Senioren-Jahr, noch als U20-Spieler, gehörte er 2009 zum Kader des Double-Sieger-Teams, das Meisterschaft und Pokal gewann. Fortan etablierte er sich als Stammspieler und wurde auch in die Nationalmannschaft berufen. Wie viele Länderspiele für ihn zu Buche stehen, hat er gar nicht mitgezählt, gut 30 dürften es aber inzwischen schon sein. Dazu zählen auch zwei EM-Teilnahmen und eine WM, die nächste folgt in einem Monat. Die Weltmeisterschaft in Angola vor zwei Jahren bezeichnet der 23-Jährige als ein Highlight, auch wenn der sportliche Erfolg überschaubar war. „Da hat man sich richtig als Profi gefühlt. Mit Polizeieskorte wurden wir zum Stadion begleitet, wo zehntausend Zuschauer die Spiele verfolgten.“ Aber man habe auch viel Elend gesehen.

Absoluter Höhepunkt sei der erste Champions-League-Auftritt gewesen, als es gleich gegen Barcelona ging. Der Waldstädter erinnert sich an die rappelvolle alte Hemberghalle und an das Rückspiel „vor gefühlt dreitausend Zuschauern. Zudem haben wir ein Riesenspiel abgeliefert.“ Und auch die U20-WM mit einem 4:4 gegen Portugal (und einem Milewski-Tor) sind nachhaltig in Erinnerung geblieben.

Der Student, der in den nächsten Monaten seinen Bachelor-Abschluss an der Sporthochschule Köln absolvieren wird und dann eine Karriere bei der Polizei, bevorzugt im Bereich Kriminalistik, anstrebt, beschreibt sich als Spieler, der am liebsten offensiv agiert. „Aber natürlich muss auch die Abwehrarbeit stimmen, denn jeder kleinste Fehler wird sofort bestraft, wie Herringen gezeigt hat.“ Milewski zieht einen Vergleich zum Fußball: „Ich würde mich als Strafraumstürmer bezeichnen. Nachstochern, dem Torhüter die Sicht nehmen, den zweiten Ball verwerten, ein Unruhestifter.“

So wie am Samstag gegen Herringen, also jenen Klub, der ihm im letzten Dezember ein Angebot unterbreitet hatte. „Ich sehe aber meine Zukunft in Iserlohn“, demonstriert Milewski Vereinstreue und hofft, dass er auch, sollte es mit einer Ausbildung bei der Polizei klappen, noch ausreichend Zeit für die ERGI hat.

„Wir war leider zuletzt nurdie blöden zweiten Sieger“

Momentan ist sein Blick aber nur auf das übernächste Wochenende fokussiert. Dass über Pfingsten der Betrieb ruht, kommt ihm gelegen. Denn gemeinsam mit seiner Freundin wird er seinen langjährigen Teamkollegen und guten Freund Lukas Kost in Berlin besuchen.

Und dann hofft er, dass die ERGI schon im ersten Gastspiel beim Meister den zweiten Sieg und damit den Titel einfährt, auch wenn André Costa dann gesperrt ist. „Aber das wird eine harte Nuss“, ist sich Milewski der Schwierigkeit dieser Aufgabe bewusst. „Doch ich bin guter Dinge.“ Er sieht die ERGI aktuell körperlich besser aufgestellt als Herringen. Diesmal soll jedenfalls der Titel her. „Zuletzt haben wir immer zusehen müssen, wie andere den Pokal hochgereckt haben, wir waren nur die blöden zweiten Sieger.“ Diesmal soll es anders laufen. „Aber man soll nicht erwarten, dass ich wieder vier Tore schieße.“ Wenn also dann ein andere ERGI-Spieler im Blickpunkt stehen würde, wäre das auch ganz Sinne des „Unruhestifters“ vor dem gegnerischen Tor.