Enttäuschung über den Auftritt der DFB-Elf

Auch bei den heimischen Experten rief das Abschneiden der deutschen Elf bei der WM wenig Begeisterung hervor.
Auch bei den heimischen Experten rief das Abschneiden der deutschen Elf bei der WM wenig Begeisterung hervor.
Foto: dpa

Iserlohn..  Mit dem 5:2-Sieg der USA über Japan endete in der Nacht von Sonntag auf Montag die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Kanada. Die US-Girls haben sich mit dem dritten Erfolg nach 1991 und 1999 zum Rekordweltmeister gekürt. Die deutsche Mannschaft musste sich im Spiel um Platz drei dagegen England geschlagen geben und wurde am Ende Vierter.

Bei den Trainern und sportlichen Leitern der heimischen Frauenfußballszene wurde der Auftritt der Neid-Elf nicht unbedingt positiv bewertet. „Die Frauen können definitiv besser spielen. Das Passspiel war nicht so toll, die Bewegung ohne Ball fehlte, und das Zusammenspiel war nicht gut“, analysierte Annika Oßendoth, Trainerin beim Bezirksligisten ASSV Letmathe. „Sie wirkten ein bisschen müde und überspielt.

„Mir ist es immer wichtig, dass eine Mannschaft fit ist, den Eindruck hatte ich bei der deutschen Mannschaft nicht“, haderte Volker Alameddine, Trainer beim Landesligisten Borussia Dröschede, mit der Leistung der DFB-Auswahl. Allerdings hob er hervor: „Wenn man in ein Halbfinale einer WM kommt, dann kann man ja nicht ganz so schlecht sein. Der vierte Platz ist unter dem Strich immer noch gut.“

Arnold Humpert, langjähriger Abteilungsleiter beim TSV Ihmert, sieht das Abschneiden der deutschen Frauen ganz nüchtern. „Es hätte ein bisschen mehr sein können, aber wenn man die Spiele gesehen hat, dann ist klar, dass nicht mehr drin war. Die anderen Mannschaften waren stärker.“ Ähnlich sieht es Andreas Lieder, sportlicher Leiter beim FC Iserlohn: „Gegen die Amerikanerinnen war es ein verdientes Ausscheiden. Die waren körperlich robuster.“

Marvin Weischer, Trainer der B-Juniorinnen des FCI, die in der kommenden Saison in der Bundesliga starten, sah vor allem in den Duellen mit Frankreich und den USA Defizite: „Das Niveau, das die Französinnen und Amerikanerinnen gezeigt haben, war sehr ansehnlich. Man sollte sich hinterfragen, wie es sein kann, dass man den Französinnen technisch so unterlegen war. Die haben die Deutschen in der ersten Hälfte an die Wand gespielt.“

Ernüchternd war für alle Vertreter der heimischen Vereine die allgemeine Resonanz. Während ein Männerturnier enorme Aufmerksamkeit auf sich zieht, waren in den vergangenen Wochen kaum Hinweise auf die Frauen-WM zu sehen. „Es ist ein Auf und Ab. Bei der WM 2011 in Deutschland wurde ausführlich berichtet und Werbung gemacht, allerdings sind die deutschen Frauen dort früh ausgeschieden. Es ist nur ein kleiner Kreis der sich für Frauen-Fußball interessiert“, so Alameddine, der allerdings auch die Rahmenbedingungen bei der WM kritisiert. „Es ist ein Unding, dass die Frauen auf Kunstrasen spielen mussten. Und auch, dass die Mannschaften im gleichen Hotel untergebracht wurden. Zudem waren die Anstoßzeiten nicht sehr zuschauerfreundlich. Um zehn Uhr abends habe ich mir die Spiele angeschaut, aber für ein Fußballspiel um ein Uhr nachts bleibt keiner wach.“

In die gleiche Kerbe schlägt auch ASSV-Trainerin Oßendoth: „Ich habe nur ein paar Spiele gesehen. Die Resonanz war ja auch insgesamt eher mittelmäßig. Die Stadien waren halb voll, was ich sehr schade finde.“ Beim FC Iserlohn verfolgte man dagegen intensiver die Spiele in Kanada. Bei der Mannschaftsfahrt schaute man gemeinsam das Achtelfinalspiel gegen Schweden, und dank der Ferien konnten die Juniorinnen auch die weiteren Spiele, trotz der Zeitverschiebung, anschauen.

Hoffen für die Zukunft

Uneinigkeit herrscht dagegen, ob eine solche WM Auswirkungen für die Vereine an der Basis haben wird. Arnold Humpert erwartet keinen positiven Effekt: „Es wird sich nichts ändern. 2011 wurde viel gemacht und es hat nichts gebracht. Es ist eine Randsportart. Aber das ist auch in Ordnung.“ Andreas Lieder hofft dagegen auf einen Aufschwung. „Im gesamten westfälischen Fußball geht die Anzahl der Mädchenmannschaften zurück, daher können wir nur hoffen, dass diese WM einen Schub gibt. Ich glaube, dass es durch das Abschneiden der deutschen Elf schwer wird. Wären sie Weltmeister geworden, hätte es einen größeren positiven Effekt gegeben. Dass zum Ende auch noch Grabenkämpfe zwischen den Trainern stattfinden, verhindert ein positives Fazit.“