Emotionen pur bei Ramazan Ceylan

Mit dem Sieg über Hüsten wahrte Borussia Dröschede die Aufstiegschance.
Mit dem Sieg über Hüsten wahrte Borussia Dröschede die Aufstiegschance.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Nach Abpfiff überwogen die Emotionen. Denn nach knapp 20 Jahren galt es für Ramazan Ceylan, Trainer von Borussia Dröschede, einen ersten Abschied zu nehmen. Mit dem 4:3 gegen Hüsten hatte der Coach des Fußball-Landesligisten auf der Emst seine Abschiedsvorstellung gegeben. Sein letzte Match steigt auswärts.

„Mir war klar, dass ich diese Mannschaft in dieser Konstellation hier nicht mehr wiedersehen würde“, kommentierte Ceylan seine Ergriffenheit, einige Tränen sowie die Sprachlosigkeit, denn nicht einmal ein Statement zum Spiel war ihm zunächst zu entlocken.

Mit einem Gutschein und einem Blumenstrauß für seine Frau wurde er nach dem Match offiziell verabschiedet, es folgten zahlreiche Gespräche mit Zuschauern und Vorstandsmitgliedern. Und Ceylan glaubt, bei einigen Offiziellen auch eine Spur schlechten Gewissens ausgemacht zu haben - weil man sich von Ceylan getrennt habe, zumindest aber wegen die Art und Weise. Denn darüber ist der Coach, dessen Team in diesem Jahr eine beeindruckende Aufholjagd bis in die Spitzengruppe vollzogen hat, noch immer tief enttäuscht. Die Entscheidung gegen ihn sei Anfang Dezember gefallen, aber erst im Februar habe man ihn informiert. „Wenn man eine solche Entscheidung trifft, sollte man auch die Eier haben, sie sofort mitzuteilen.“ Statt dessen sei er freundlich angelächelt worden.

Er sagt zwar: „Ich habe meinen inneren Frieden gefunden.“ Aber er sei auf einige „knatschig“, wie den sportlichen Leiter (und Arbeitskollegen) Manuel Jimenez oder seinen Nachfolger Andreas Friedberg, vor allem mit Blick auf die Personalplanungen. Ceylan: „Denn was jetzt aufgebaut wird, war so mein Ziel, ist unser Konzept gewesen.“ Die Spieler, auf die gesetzt wird, seien seine Jungs, die er schon in der C- oder B-Jugend trainiert hat. „Im Prinzip gibt es null Veränderungen.“ Außer eben jener auf der Trainerposition.

Und da kann Ceylan auf eine beachtliche Bilanz verweisen. Denn seit dem Rückrundenstart hat das Team zehn von zwölf Spielen gewonnen und nur eine Partie verloren. Dass es davor nicht rund gelaufen war, habe nicht unter seinem Einfluss gestanden, verweist er auf die zahlreichen Personalprobleme. „Es gab viele Baustellen, und ich bin nun der Leidtragende.“

Ein Leidtragender, der dennoch den ganz großen Coup vor Augen hat: Platz zwei und damit den Westfalenliga-Aufstieg. Beides liegt aber nicht mehr allein in den Händen bzw. Füßen der Borussia. Denn die Borussen benötigen am Sonntag einen Sieg beim SV Attendorn, der seit dem Dröscheder Erfolg gegen Hüsten den Klassenerhalt sicher hat, und sie brauchen Schützenhilfe ihres Ex-Coaches Alen Terzic, dessen FSV Werdohl beim Zweiten Finnentrop/Bamenohl nicht verlieren darf. „Ich habe schon am Sonntag mit Alen telefoniert. Die werden definitiv alles geben.“

In Attendorn will man sich über die Zwischenstände aus Finnentrop auf dem Laufenden halten. Und Ceylan hofft, diesmal nicht sein Team mit einer „Notlüge“ konfrontieren zu müssen. Denn zur Pause des Heimspiels gegen Hüsten, als die Borussia 1:2 hinten lag, berichtete er von einer Mescheder Führung gegen Finnentrop. Das stimmte zwar nicht, gab seiner Elf im Kampf um Platz zwei aber einen entscheidenden Schub, ebenso wie das glückliche Händchen beim Dreifachwechsel. „Die Leistung war bravourös. Und die Jungs haben richtig Bock auf den Aufstieg.“ Und sollte es nicht klappen? „Auch Platz drei ist top.“

Wie groß die Unterstützung vor Ort sein wird, ist offen. Ein Fanbus wird eingesetzt. Aber da am Sonntag auch die Frauen in Bochum-Linden um den Aufstieg in die Verbandsliga kämpfen, müssen sich Borussen-Fans entscheiden, wen sie unterstützen wollen.

„Unrund“ endete die Zeit von Trainer Peter Habermann beim Landesligisten SC Hennen. Dessen Team verlor am Sonntag mit 2:3 beim SV Wanne. Und es sollte der letzte Auftritt von Habermann gewesen sein. Denn der als Sportlicher Leiter zum VfL Schwerte wechselnde Habermann soll nach Spielende erklärt haben, am nächsten Sonntag beim letzten Saisonspiel auf eigenem Platz gegen Sodingen nicht mehr an Bord zu sein. Ob es an der Art und Weise lag, wie ihm der Klub das Ende der Zusammenarbeit dargelegt hatte? Ob er daher keine Lust auf eine offizielle Verabschiedung hat? Zu einer Antwort war der SCH-Coach am Montag nicht zu erreichen. Somit wird sein langjähriger Weggefährte Stefan Kolattke in der Alleinverantwortung stehen, um den siebten Platz zu verteidigen.