Ein stiller, zuverlässiger Teamspieler

Vor dem letzten Heimspiel wurde Jochen Wulf (li.) von Lukas Fischer und seinen Teamkollegen verabschiedet.
Vor dem letzten Heimspiel wurde Jochen Wulf (li.) von Lukas Fischer und seinen Teamkollegen verabschiedet.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Er gehört zu den stillen Vertretern im Lande. Und deshalb konnte es nicht überraschen, dass auch die Verabschiedung von Jochen Wulf nach knapp 25 Jahren in der ersten Mannschaft der Handballer des TV Lössel vor dem Meisterschaftsspiel gegen die SG Attendorn/Ennest unspektakulär ausfiel, denn große Auftritte sind nicht seine Sache.

Der 43-jährige Familienvater lässt lieber Taten sprechen. Als Kreisläufer seines Vereins hat er im letzten Vierteljahrhundert ungezählte Treffer zu den Erfolgen beigetragen und als Organisator der Abwehr dafür gesorgt, dass es die Gegner stets schwer hatten.

An seinen ersten Auftritt in der ersten Mannschaft (damals noch auf Kreisebene aktiv) kann sich Jochen Wulf nicht mehr genau erinnern, wohl aber an einige Mitspieler wie Burkhard Schnepper, Martin Jüdt, Jörn Toedtmann, Michael Schulte oder Martin Gerke. Schon damals war abzusehen, dass da für Lösseler Verhältnisse etwas Großes heran reifte. Aus dieser „goldenen Generation“ ist er in der ersten Mannschaft längst der letzte noch aktive Akteur.

Nach dem Aufstieg in die Bezirksliga folgte unter Trainer Ralf Graß schließlich für den Dorfverein der Sprung in die Landesliga. „Das war sicher mein größter Erfolg, auch wenn wir danach noch zweimal in die Landesliga aufgestiegen sind“, bilanziert Jochen Wulf. Dass er nun in der ersten Mannschaft aufhört, sieht der Landschaftsgärtner dem Umstand geschuldet, dass ihm nach den Spielen mehr und mehr „die Knochen schmerzen“ und er, der eigentlich nie Raubbau mit seinem Körper betrieben hat, auch in Zukunft noch seinen Hobbys Rad- und Skifahren nachgehen will.

Doch so ganz will er dem TV Lössel nicht den Rücken kehren. Deshalb wird er noch in der zweiten Mannschaft, die in der 1. Kreisklasse spielt, ein wenig „mitzocken“. Vielleicht kommt er ja auch noch für sporadische Einsätze im Bezirksligateam infrage, denn Trainer Burkhard Schnepper spricht von einem herben Verlust. „Ich hätte ihn gerne noch dabei“, so der Coach. Und am enormen Altersgefälle in der Mannschaft hat der Ausstieg ohnehin nicht gelegen. „Es hat mir viel Spaß gemacht mit den Jungs“, macht Jochen Wulf deutlich. Seine Ratschläge wurden stets angenommen.

Allerdings weiß er auch, dass mit seinem Ausscheiden der Alterschnitt beträchtlich sinkt. Als Methusalem fühlt sich Wulf aber längst noch nicht. Vielmehr verkörpert er den heute selten gewordenen Prototypen des Vereinsmenschen, der zu seinem Klub steht. Nur einmal sei er ins Grübeln gekommen, als er 2001 ein Angebot aus Menden-Lendringsen erhalten habe. „Damals hatte sich bei uns aber gerade familiärer Zuwachs angekündigt. Da war mir das zu stressig“, erinnert sich Wulf. Andere Angebote habe es nicht gegeben, so dass sich die Frage nicht mehr stellte. Doch genau das ist es ja, was den Sportler Jochen Wulf ausmacht. Er ist kein Lautsprecher, sondern vielmehr ein stiller und vor allem zuverlässiger Arbeiter für sein Team, und das hat ihn so wertvoll gemacht.

Für den verdienten Teamkameraden gibt es noch eine Abschiedsfeier im Mannschaftskreis. Im Rahmen eines Essen wird ihm dann ein Trikot mit „seiner“ Nummer Sieben überreicht, die in der „Ersten“ nicht mehr vergeben werden soll.