Ein harter Schritt, der nicht zu verhindern war

Der TTC Grüne wurde kurz vor seinem 60. Geburtstag aufgelöst.
Der TTC Grüne wurde kurz vor seinem 60. Geburtstag aufgelöst.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Die Iserlohner Sportszene ist um einen Verein ärmer. Am vergangenen Freitag endete das Kapitel „TTC Grüne“. 60 Jahre nach der Gründung des Tischtennisvereins, aber noch vor seinem 60. Geburtstag, wurde der Klub bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einstimmig zu Grabe getragen. Neun Mitglieder nahmen an der „Beerdigungsveranstaltung“, so TTC-Vorsitzender Bernd Schlünder, teil. Darunter auch die Ex-Vorsitzenden Dieter Kunen, Bernd Ostermann, Rolf Will und Josef Luppa - ein Abschied mit Wehmut.

„Es gab immer weniger Aktive“, begründet Schlünder den bitteren, aber letztlich konsequenten Schritt. In den letzten fünf Jahren waren zehn Spieler aus diversen Gründen ausgestiegen. Und die einzige noch aktive Mannschaft verfügte nur über sieben Spieler, von denen einige nicht regelmäßig mitwirken konnten. Daher wurde kurz vor Weihnachten zum Abschluss der Hinserie die 1. Herren-Mannschaft abgemeldet. Die spielte in der 2. Kreisklasse und war bis zu ihrem letzten Meisterschaftsspiel 20 Monate ungeschlagen geblieben. Der jüngste Spieler war 22 Jahre als, der Senior brachte es auf 70 „Lenze“. 46 Mitglieder gehörten dem Klub noch an, darunter als Ehrenmitglied Else Magney, die vor sechs Wochen 100 Jahre alt geworden ist.

„Der Schritt ist schon vor eineinhalb Jahren anvisiert worden“, berichtet der 57-jährige Schlünder weiter. „Es musste so sein, denn schließlich haben wir uns ja nur noch zu gemeinsamen Fahrten oder Feiern getroffen“, so der ehemalige Oberligaspieler des TTV Letmathe weiter. Seit 1998 gehört Schlünder dem TTC Grüne an, fungierte dort als Spieler, Geschäftsführer und 2. Vorsitzender, seit drei Jahren stand er an der Spitze. „Und leider bin ich nun derjenige, der diesen Schritt vollenden musste.“ Eine seiner letzten Amtshandlungen war zudem die Ehrung langjähriger Mitglieder: Gerd König und Rolf Will (60 Jahre), Josef Luppa und Dieter Kunen (50 Jahre), Harald Jürgens und Rita Böhmer (40 Jahre) sowie Peter Modrei, Bernd Buchweitz und Stefanie Schmiedler (jeweils 20 Jahre).

Noch vor zwei Jahren besaß der Klub 70 Mitglieder. Seine Blütezeit hatte er in den 1960er und 1970er Jahren, als die 1. Herren-Mannschaft in der Bezirksklasse spielte. Es gab eine Damen-Mannschaft, drei Herren-Teams, eine Jugend- und eine Schüler-Mannschaft. In fünf Spielklassen waren die Teams aktiv. Gespielt wurde zunächst in einem Raum des Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Obergrüne, aktuell war die Turnhalle der Martin-Luther-Hauptschule am Gerlingser Weg Spiel- und Trainingsstätte des TTC. Man hatte gehofft, aus dem dortigen Umfeld weitere Aktive und auch interessierte Jugendliche rekrutieren zu können - ein Trugschluss.

„Ich nehme eine Auszeit und bin ja auch noch im Betriebssport aktiv. Denn Tischtennis kann man ja auch noch im hohen Alter spielen“, blickt Bernd Schlünder nach vorne. Aber aus den Augen möchte man sich auch nach dem TTC-Aus nicht verlieren. „Ich werde unsere Mitglieder weiterhin zu Grillfeiern, Vatertagswanderungen oder Weihnachtsfeiern einladen“, verspricht er. „Wir bleiben jedenfalls in Verbindung. Wir können zumindest versuchen, das WIR aufrechtzuerhalten, denn die tragende Säule war und ist bis heute das sozial intakte, familiäre Miteinander.“