Ein Erfolgsteam kehrt dem LTV geschlossen den Rücken

Bei der LTV-C-Jugend hängt der Haussegen schief.
Bei der LTV-C-Jugend hängt der Haussegen schief.
Foto: Michael May IKZ

Letmathe..  Keine Frage: Das Tischtuch ist zerschnitten. Die gerade in der Oberliga-Endrunde sehr erfolgreiche Handball-C-Jugend des Letmather TV ist im nicht gerade erfolgsverwöhnten Traditionsklub ein Auslaufmodell. Zum Ende der Saison wird das dann in die B-Jugend wechselnde Team nahezu komplett den Verein verlassen und sich der HSG Hohenlimburg anschließen. Das gab der Klub auf der Abteilungsversammlung bekannt.

Keine Angaben von Vereinsseite gab es darüber, dass es sich hier um einen seit vergangenen Sommer schwelenden Konflikt handelt, der im Kern zwischen Geschäftsführer Stefan Brunswicker und dem ehemaligen Trainer der Mannschaft, Thorsten Witte, entstanden ist. Witte, der das Team neun Jahre lang aufgebaut hat, fungiert seit einiger Zeit an der Seite des aktuellen Coaches Ralf Heinemann quasi als „Mädchen für alles“.

„Auf Wunsch von Witte habe ich diese Mannschaft, die großes Potenzial hat, übernommen. Eigentlich wollte ich im Nachwuchsbereich nichts mehr machen. Als man mir jedoch angeboten hat, mich nur um Training und Spiel zu kümmern und mit allen anderen Dingen nichts mehr zu tun zu haben, habe ich zugesagt“, erinnert sich Ralf Heinemann an seinen Einstieg. Bei dieser Aufgabenverteilung ist es auch bis heute geblieben, demzufolge sieht sich der erfahrene Trainer auch als Teil des Teams und trägt die Entscheidungen, die getroffen werden, mit.

Das gilt auch für den Beschluss, den Verein zum Saisonende in Richtung Hohenlimburg zu verlassen. Als Anfang September bekannt wurde, dass ein neuer Verein gesucht wird, stand das Telefon nicht mehr still. „Viele Vereine hatten Interesse, aber in Hohenlimburg stimmt nicht zuletzt wegen Sascha Simec das Gesamtpaket“, so Heinemann.

Die Frage, warum es soweit kommen musste, dass der LTV ein absolutes Aushängeschild verlieren wird, beantwortet Thorsten Witte aus seiner Sicht: „Auslöser war eine gestrichene Trainingseinheit, nachdem ich mit Stefan Brunswicker einen Disput hatte. Man kann so etwas doch nicht auf dem Rücken der Kinder austragen“, sagt er. Kurz darauf sei er vom Verein aufgefordert worden, seine nicht näher definierte Tätigkeit im Umfeld der Mannschaft zu unterlassen - für ihn ein Affront. „Ich will dem Verein nichts Böses, schon gar nicht diesen Konflikt in die Mannschaft tragen. Deshalb haben wir Anfang Dezember entschieden, uns einen neuen Verein zu suchen“, stellt Witte klar.

Er geht davon aus, dass der LTV die Angelegenheit lange Zeit unterschätzt habe. „Wir wollen leistungsorientiert trainieren, aber die Letmather sagen ja selbst, dass sie ein Breitensportverein sind. Das passt offenbar nicht zusammen“, mutmaßt Thorsten Witte.

Es kann nicht überraschen, dass man beim Letmather TV den Fall anders einschätzt. Demnach habe man dafür gesorgt, dass es eine dritte Trainingseinheit für die Mannschaft gibt. Der Verein habe auch die Kosten für den gewünschten Torwarttrainer übernommen. Umso größer ist die Enttäuschung, nicht nur bei Jugendkoordinator Jochen Müller, über den bevorstehenden Verlust der Mannschaft. „Ich sehe das als falsches Signal, wenn man Kindern in diesem Alter eine Söldner-Mentalität vermittelt.“ Er weist die Version von Witte entschieden zurück, sieht darin einen Vorwand. Dessen Entbindung von den Aufgaben sei per Vorstandsbeschluss erfolgt, weil man darauf reagieren wollte, dass Witte zeitgleich mit drei Vereinen über eine neue sportliche Heimat verhandelt habe.

Dass man bemüht sei, die Kinder weiter zu fördern, liegt für Müller auf der Hand: „Die Mannschaft kann bei uns die Saison zu Ende spielen. Wir hätten alles getan, was notwendig gewesen wäre, selbst eine vierte Trainingseinheit wäre kein Problem gewesen“, sagt der Koordinator, der zudem darauf hinweist, dass man beim LTV sehr wohl die Zeichen der Zeit erkannt habe und auf leistungsorientiertes Arbeiten setze. „Ich habe viele Gespräche geführt. Für mich ist dabei deutlich geworden, dass vor allem Thorsten Witte den Verein verlassen will“, ist Müller überzeugt.