Dritter Aufstieg blieb ihm verwehrt

Der Dröscheder Vorstand bei der Verabschiedung von Ramazan Ceylan.
Der Dröscheder Vorstand bei der Verabschiedung von Ramazan Ceylan.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Keine Frage: Als sich Ramazan Ceylan vor einigen Tagen beim Fußball-Landesligisten Borussia Dröschede verabschiedet hat, ging eine Ära zu Ende. Sein halbes Leben war der 39-jährige Familienvater auf der Emst aktiv, doch nachdem sein Vertrag als Trainer der ersten Mannschaft über das Saisonende hinaus nicht verlängert wurde, reifte in ihm die Entscheidung, etwas anderes zu probieren.

Die neue Herausforderung, soviel ist bekannt, heißt Bezirksliga-Neuling ASSV Letmathe. Für den gebürtigen Letmather eine Herzensangelegenheit - wie die Borussia. Auch für die Kicker aus dem Waldstadion hatte Ceylan schon gespielt. Als D-Jugendlicher kam er von der SpVg. Nachrodt, seinem Stammverein. Bernd Röttgers entdeckte sein Talent und holte ihn nach Letmathe. Den erforderlichen Fahrdienst für den jungen Fußballer übernahm er selbst. „Es waren tolle Jahre mit zwei Teilnahmen an der Endrunde der Westfalenmeisterschaft. Davon möchte ich heute gerne etwas zurückgeben“, sagt er, dem Vereinstreue immer wichtig war.

Dementsprechend überschaubar ist die Liste der Vereine, für die er bislang gespielt hat. In obiger Aufzählung fehlt nur noch der VTS Iserlohn, bei dem er seine ersten zwei Seniorenjahre absolvierte.

Es folgte eine private Zäsur mit zwei Schicksalsschlägen. Einer davon war ein schwerer Autounfall, der ihn sechs Monate außer Gefecht setzte. Den sportlichen Neuanfang wagte er bei Borussia Dröschede. Dort war der Dauerläufer im defensiven Mittelfeld, gerade unter Coach Peter Potthoff, kaum noch wegzudenken. Doch immer dann, wenn neue Trainer kamen, musste sich Ramazan Ceylan wieder neu beweisen. Keine Chance hatte er in der kurzen Episode unter Dirk Hoffmann. Danach folgte der Wechsel auf die Trainerbank als Assistent von Alen Terzic.

Erfahrung am Rande des Spielfeldes hatte der gelernte Elektriker, der in der Produktionsleitung eines Kaltbandbetriebes arbeitet, schon ab 2005 in der Jugendabteilung der Borussia gesammelt, so dass er sich nicht lange bitten ließ. Das galt auch für den Moment, als Terzic der Borussia im Winter 2013/14 den Rücken kehrte und ein neuer Hauptverantwortlicher auf der Bank gesucht wurde.

Platz drei stand am Ende der Saison zu Buche, so dass die Verantwortlichen auf der Emst nicht lange überlegten, ihr Trainerteam mit Ceylan und Dragan Petkovic weiterzuverpflichten.

Die Schattenseiten seines Amtes lernte Ramazan Ceylan in der Hinrunde der abgelaufenen Serie kennen. Da lief es nicht. Zwar war ihm das so nicht anzulasten, doch die Konsequenzen trafen ihn umso härter, als im Winter die Trennung zum Ende der Saison bekanntgegeben wurde.

Was folgte, war eine grandiose Rückrunde der ersten Mannschaft. Sie wurde das beste Team der zweiten Serie, feierte mit Ausnahme einer Niederlage und von zwei Unentschieden ausnahmslos Siege. Und so wäre Ramazan Ceylan am Ende fast noch zum Held geworden. „Zehn Minuten haben zum Aufstieg gefehlt“, resümiert der Trainer, ohne darüber wirklich verbittert zu sein.

Dazu hat er auch keinen Grund, denn seine Erfolge mit der Borussia können sich sehen lassen. 2007 stieg er als Spieler in die Westfalenliga auf, 2012 als Co-Trainer. Nur als Verantwortlicher an der Seitenlinie blieb ihm vor ein paar Tagen dieser Triumph verwehrt, weil Finnentrop das Rennen um den Aufstieg in der Schlussphase für sich entschied.

Ab sofort ist die Borussia für Ceylan jedoch Geschichte. Er möchte nun dem ASSV Letmathe helfen. Da er im Schichtdienst arbeitet, ist eine Klasse tiefer dann vielleicht auch noch etwas mehr Zeit für die Familie drin. „Da meine Tochter sportlich vielfältig aktiv ist, benötigt sie ja auch einen Fahrer“, sagt Ceylan und freut sich über die neuen Herausforderungen.