Die Stagnation im Niemandsland

Der FC Iserlohn stagnierte in seiner zweiten Westfalenliga-Saison.
Der FC Iserlohn stagnierte in seiner zweiten Westfalenliga-Saison.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Rang acht am Ende der Saison 2013/2014 war für den FC Iserlohn ein passabler Einstieg in die Westfalenliga. Doch von dieser Position aus sollte es deutlich aufwärts gehen. Es ging auch aufwärts in der abgelaufenen Spielzeit, jedoch minimal: Drei Punkte mehr auf dem Konto, ein Platz besser im Endklassement, aber satte 20 Zähler Rückstand zur Spitze. Mit erheblichem Mehraufwand trat der lokale Marktführer auf der Stelle.

Der Saisonverlauf

Mit aufgerüstetem Kader und großen Erwartungen waren die Iserlohner gestartet, und die Auftaktphase konnte sich sehen lassen. Die Serie von sechs ungeschlagen überstandenen Spielen begann daheim mit dem 2:2 zum Saisonstart gegen den späteren Meister TSV Marl-Hüls, und beim 5:1 gegen Horst-Emscher und beim 4:0 in Heven bewies der FC die ihm zugeschriebenen Offensivqualitäten. In Runde sieben gab es am Hemberg mit dem 1:2 gegen Westfalia Wickede die erste Niederlage, der aber drei Siege in Serie folgten. Doch dann schlitterte der FC in sein erstes Tief: Heimpleite gegen Hassel, Saison-Tiefpunkt beim 0:5 in Hordel, glücklicher Sieg beim Schlusslicht Hombruch, Heimpleite gegen Erndtebrück II.

Zum Hinrundenfinale zeigten die Iserlohner beim 2:1 in Wanne-Eickel dann aber, wozu sie fähig sind. Es folgte das 2:3 bei Spitzenreiter Marl-Hüls (nach 2:0-Führung). Ein Sieg in diesem Spiel, und der Rückstand auf den Aufsteiger hätte nur zwei Punkte betragen. Aber es wurden acht – zu viel, um sich für die Zeit nach der Winterpause noch eine Titelchance ausrechnen zu dürfen. Der Kader wurde umgebaut, aber nicht besser. Denn Dominik Lipki und Damian Jeger, die sich wegen interner Querelen bzw. beruflicher Veränderung verabschiedeten, besaßen mehr Qualität als ihre Nachfolger.

Wie schon ein Jahr zuvor hatte der FC bereits im ersten Teil der Serie mit großen Verletzungsproblemen zu kämpfen. Vom Stammpersonal erwischte es Pierre Szymaniak und Sebastian Lötters am schlimmsten, und Topstürmer Lukas Lenz bestritt nach fünf Kurzeinsätzen sein erstes Spiel über 90 Minuten erst in Runde zwölf.

Dennoch fiel die erste Saisonhälfte des FC noch gut im Vergleich zur zweiten aus. Von einem kleinen Zwischenhoch mit vier ungeschlagen bestrittenen Partien abgesehen gab es ein permanentes Auf und Ab. Dieses Hoch wurde im übrigen mit dem 2:0 beim damaligen Spitzenreiter Westfalia Wickede eingeleitet – ein Erfolg, der trotz des Fehlens von fünf Stammkräften gelang. Aber Lichtblicke wie dieser blieben rar, der FC pendelte sich im Niemandsland der Tabelle ein und musste in den letzten Wochen der Saison auch mit einem bescheidenen Zuschauerzuspruch leben. Das überraschte nicht, denn von dieser Serie hatten sich alle Beteiligten mehr versprochen.

Stärken und Schwächen

Das spielerische Potenzial des FC gehört eigentlich zum besten, was diese Liga zu bieten hat. Dass es eher selten dargeboten wurde, lag im wesentlichen daran, dass entscheidenden Protagonisten verletzt fehlten. Die Mannschaft startete nominell mit einer starken Achse in die Serie – von Torhüter Daniel Dreesen über Innenverteidiger Malte Weusthof, Damian Jeger auf der Sechs, Pierre Szymaniak am Regiepult bis zu Lukas Lenz in der Spitze. Doch gemeinsam auf dem Platz standen sie nie. Und nach Jegers Ausscheiden war das verbliebene Quartett nur ganz am Ende gegen Hombruch und in Erndtebrück in der Startformation notiert.

Bei der Durchsicht des Kaders war schon vor dem ersten Spieltag klar, dass die Offensive zum Prunkstück werden könnte. Ob Stürmer oder offensive Mittelfeldspieler: Was der FC anbot, war hohes Westfalenliganiveau. Nur die freie Auswahl hatte Trainer Christian Hampel praktisch nie. Verletzungspausen und daraus resultierende Formschwächen in der folgenden Aufbauphase beraubten den FC seiner stärksten Waffe. Und dass mit Denis Rödel, Ayoub Alaiz, Vincenzo Burgio und Kingsley Nweke aus unterschiedlichen Gründen gleich vier Akteure weit hinter den Erwartungen zurück blieben, konnte nicht ohne Folgen bleiben.

Schwachpunkte des Kaders resultierten aus der Personalplanung im Vorfeld. Es fehlte die passende Balance, man hätte auf einen Offensivspieler zugunsten eines Defensivakteurs mit Allroundqualitäten verzichten können. In den hinteren Reihen war der FC quantitativ und qualitativ zu dünn besetzt. Ein weiterer Planungsfehler unterlief auf der Torhüterposition: Ersatzmann Fischer kam verletzungsbedingt kaum für einen Einsatz in Frage, und aus dem Nachwuchs konnte niemand aufrücken, weil beide A-Junioren-Torhüter dem Jungjahrgang angehörten. Deutlich wurde das Dilemma, als in Hordel Tim Schattling nach Daniel Dreesens verletzungsbedingtem Ausscheiden zwischen die Pfosten musste. Und auch im folgenden Spiel in Hombruch musste eine Notlösung gefunden werden.

Die vielen Ausfälle können als wesentlicher Grund für viele Misserfolge angeführt werden. Aber die fehlende Leistungskonstanz hatte auch etwas mit der Einstellung zu tun. Weshalb gewinnt eine Rumpf-elf mit 2:0 beim Tabellenführer Wickede, und weshalb schafft es ein besser besetzter Kader eine Woche später nicht, ein mittelmäßiges Team wie Kirchhörde zu schlagen?

Wie schon ein Jahr zuvor wies der FC eine unbefriedigende Heimbilanz auf: 24 Punkte am Hemberg, gegenüber 25 in der Fremde. Eine spielstarke Mannschaft braucht eben den passenden Untergrund, um ihre Qualitäten wirklich zu entfalten. Am Nordhang wird das immer schwieriger.