Die Mannschaftsspiele sind für den Profi ein besonderer Genuss

Marvin Netuschil hat sich beim TC Iserlohn in den Blickpunkt gespielt.
Marvin Netuschil hat sich beim TC Iserlohn in den Blickpunkt gespielt.
Foto: IKZ
Marvin Netuschil ist als Tennis-Profi auf dem Weg nach oben und nicht nur mit dem TC Iserlohn auf Erfolgskurs.

Iserlohn..  Wenn man ihn nach seinem Beruf fragt, dann lautet die korrekte Antwort „Freiberufler“. Seine Tätigkeit wird damit aber nur unzureichend umschrieben, denn Marvin Netuschil, der für den TC Iserlohn in der Regionalliga spielt, ist Tennis-Profi und hat in diesem Jahr mehr denn je auf sich aufmerksam gemacht.

Die meiste öffentliche Beachtung brachte ihm zweifelsohne der Gewinn der Westfalenmeisterschaft auf der Anlage in Gelsenkirchen-Buer, wo er seinen Trainingskollegen Daniel Masur im Finale bezwang. „Das Erreichen des Endspiels war schon mein Ziel, aber dort kommt es auf die Tagesform an“, will Marvin Netuschil seinen ersten Erfolg bei der fünften Finalteilnahme aber nicht überbewertet wissen. Das gilt sicher auch für den Sieg beim hochkarätigen Pfingstturnier in Stadtlohn, wo er es als erster Spieler überhaupt schaffte, den Titel zu verteidigen.

Mit den Punkten aus diesen Turnieren hat er es in der Deutschen Rangliste bis auf Platz 27 gebracht, doch wirklich wichtig sind ihm jene Zähler, die es für die Weltrangliste gibt, so wie am letzten Wochenende beim ATP-Turnier im belgischen Havre. Bei dieser gut dotierten Veranstaltung holte er sich den Sieg und dürfte in der neuesten Ausgabe des internationalen Rankings nun irgendwo zwischen den Plätzen 590 und 605 zu finden sein.

Nur einen Tag später war für Netuschil, der in diesen Tagen 24 Jahre alt wird, wieder Mannschaftssport angesagt, warteten doch die Teamkollegen vom TCI auf der Anlage in Aachen, um das letzte Regionalligaspiel zu absolvieren.

Für Marvin Netuschil ist dieses Kontrastprogramm alles andere als lästig. „Fünfundneunzig Prozent des Jahres ist man Einzelsportler, aber ich gehöre zu denen, die die Spiele mit der Mannschaft genießen“, macht er deutlich. Doch er ist ehrlich und räumt ein, dass die Auftritte mit dem TCI auch wichtige Einnahmen für ihn bringen. Denn ein Leben als Tennis-Profi verursacht Kosten, die er auf 60 000 bis 70 000 Euro pro Jahr beziffert. Vom Frühjahr bis Ende Oktober spielt er Turniere, vornehmlich im Ausland. Der Aufwand für Reisen, Unterbringung etc. will da erst einmal eingespielt sein.

„Wenn man unter den Top Einhundert in der Welt steht, kann man gut bis sehr gut davon leben. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg“, sagt Marvin Netuschil. Sein Vorteil sind Veränderungen im internationalen Tennis. Nach dem Jugendwahn vergangener Jahre beträgt der Altersdurchschnitt in den Top 100 heute 28,6 Jahre.

Um in den erlesenen Kreis vorzudringen, muss er sich auf möglichst vielen ATP-Turnieren durchsetzen. Die nächste Stufe für ihn sind Challenger-Turniere. „Da sind die Preisgelder höher“, so Netuschil, der auch im nächsten Jahr beim TCI spielt. Der Grund ist hierfür neben der Kameradschaft, die er herausstellt, ein praktischer, denn das Talent aus Hamm trainiert in Kamen im westfälischen Leistungszentrum. Und das ist nur möglich, wenn er auch für einen westfälischen Verein spielt. In zweiter Liga und Regionalliga gibt es da nur den TCI, so dass sich die Frage nach einem Wechsel nicht stellt. Es bleibt aber der Ehrgeiz, mit den Iserlohnern noch einmal aufzusteigen.

Aktuell muss Marvin Netuschil auf dem Weg nach oben eine kleine Pause einlegen, denn in Aachen knickte er um und dehnte sich die Bänder im Sprunggelenk. Sein Start beim nächsten ATP-Turnier in Trier ist gefährdet. Das könnte ihm unplanmäßig aber ein paar Tage im heimatlichen Hamm einbringen, wo er mit seiner Freundin Deborah lebt. Überhaupt steht die Familie bei ihm, der seit seinem vierten Lebensjahr Tennis spielt, hoch im Kurs, hat er doch noch sechs Geschwister. „Das ist mein Hobby“, antwortet Marvin Netuschil wahrheitsgemäß auf die Frage nach seiner Beschäftigung in der knapp bemessenen Freizeit.