Der Reiz, mit den Besten zu spielen

Roman Kaas nimmt große Mühen auf sich, um in der Bundesliga zu spielen.
Roman Kaas nimmt große Mühen auf sich, um in der Bundesliga zu spielen.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Nach Feierabend ab ins Auto und schnell zum Training. Welcher sportliche junge Mann kennt das nicht? Aber wer hat dann mindestens drei Stunden Fahrzeit vor sich, um ans Ziel zu kommen - wenn kein Stau alle Planungen über den Haufen wirft? Einer wie Roman Kaas beispielsweise. Der stammt aus dem bayrischen Ansbach, wohnt in Würzburg und spielt Rollhockey in Iserlohn, als zweiter Torhüter bei der ERGI.

Der 22-Jährige weiß natürlich, welcher Frage er sich unweigerlich stellen muss. Wieso macht man das? Zur Erläuterung, die natürlich, wie er es sagt, ziemlich viel mit Rollhockey-Verrücktheit zu tun hat, muss er etwas weiter ausholen. Daheim beim ESV Ansbach haben schon sein Großvater und sein Vater gespielt. Er selbst schnürte die Rollschuhe als Vierjähriger, zwei Jahre später stand (respektive hockte) er zwischen den Pfosten und hatte seinen Stammplatz gefunden. „Rollhockey ist mir in die Wiege gelegt worden, das ist einfach meine Sportart“, sagt Roman Kaas. Womit natürlich noch nicht die Verbindung zum Sauerland erklärt ist. Gemeinsam mit seinem Ansbacher Kollegen Bastian Goldhausen besuchte vor einigen Jahren die große Rollhockey-Welt und saß bei Weltmeisterschaften oder bei Euro-League-Spielen auf der Tribüne. Dort entstanden die Kontakte zu den ERGI-Spielern, später zu den Verantwortlichen. „Wir beide sind Fans dieses Klubs geworden und haben unsere Liebe zu Iserlohn entdeckt“. Dass aus der Fernbeziehung entschieden mehr wurde, lag an der speziellen Torhüterproblematik der ERGI in der letzten Saison. Denn Patrick Glowka und Lukas Kost absolvierten ein Auslandssemester in Spanien, was vor allem im Training zum permanenten Engpass führte. „Da entstand der Gedanke, einfach mal mitzutrainieren“, erzählt Kaas. Wobei das „einfach mal“ bei neun bis zehn Stunden Zeitaufwand an jedem Dienstag wohl zu relativieren ist. „Es war ein enormer Reiz für mich, einmal mit den Besten in Deutschland zu spielen, deshalb habe ich es gemacht.“ Dem ersten Schritt, damals noch mit seinem Ansbacher Kollegen Goldhausen, folgte der zweite, den er allein vollzog. Denn im August klopfte ERGI-Chef Ralf Henke an und bot ihm die Position des zweiten Torhüters hinter der nationalen Nummer eins Patrick Glowka an. „Ich musste es schon überschlafen, habe dann aber gerne zugesagt“, blickt Kaas zurück und räumt auch die Bedenken bei Freundin Ilona und bei seinen Eltern ein. „Für Rollhockey-Leidenschaft haben sei alle totales Verständnis, aber sie machen sich Sorgen wegen der Autofahrten“. Die verliefen bisher erstaunlicherweise stets reibungslos. Wenn er dienstags gegen 16.30 Uhr zum Training aufbrach, war er auch pünktlich um 20 Uhr in der Hemberghalle. Und gegen 2 Uhr am nächsten Morgen wieder daheim. „Mit der Zeit gewöhnt man sich daran, nach der langen Fahrt sofort voll da zu sein.“ Die Dienstagstour wiederholt sich an vielen Samstagen zu den Spielen, doch in aller Regel steht dann Nationalkeeper Glowka zwischen den Pfosten. „Das war klar. Ich mache das, um zu lernen, und um mich weiter zu entwickeln.“ Drei Bundesligaspiele hat er aber schon hinter sich, und als absolutes Highlight wertet er seinen Europacup-Einsatz mit der ERGI gegen Merignac.

Ob sein Engagement in Iserlohn die Saison überdauert, vermag Roman Kaas noch nicht zu sagen. Im Februar hat er seine Ausbildung zum Bankkaufmann abgeschlossen, danach wird der Beruf die sportlichen Interessen mehr als bisher beeinflussen. Ein Zweitspielrecht für seinen Heimatverein Ansbach hat er bereits beantragt, und diese Verbindung ist ihm enorm wichtig. „Ich hänge an diesem Verein, das ist meine zweite Familie. Und dass ich meiner Heimat mal den Rücken kehre, um im Rollhockey in der ersten Liga Fuß zu fassen, kann ich mir nicht vorstellen.“ Dann doch lieber drei Stunden Autofahrt ins Sauerland.