Der lange Feiertag des Meisters

Strahlendes Trainer-Duo: Chefcoach Dirk Iwanowski (rechts) feierte zusammen mit seinem „Co“ Wolfgang Hoffmann den Meistertitel
Strahlendes Trainer-Duo: Chefcoach Dirk Iwanowski (rechts) feierte zusammen mit seinem „Co“ Wolfgang Hoffmann den Meistertitel
Foto: IKZ

Iserlohn..  Nach kurzer Nacht klang die Stimme am Tag nach dem Triumph ziemlich heiser. Doch man hörte das Glücksgefühl heraus, das dieser Meistertitel bei Dirk Iwanowski auslöste. Als Bundesligaspieler war er mit der ERG Iserlohn schon deutscher Meister, jetzt schaffte er es als Trainer.

„Die Anspannung in den letzten Wochen war enorm, jetzt ist eine große Last von uns abgefallen“, versicherte er und lobte seine Spieler – für ihren enormen Trainingsfleiß und ihren Teamgeist. Gerade weil es in der Finalserie gegen Titelverteidiger Herringen so eng war und weil die ERGI in der Saison mit Widrigkeiten zu kämpfen hatte, fiel der Jubel nach dem Sieg im Penaltyschießen besonders überschwänglich aus. Besonders gezeichnet war der Trainer selbst, ehe man die Glückauf-Sporthalle verließ, um in Oestrich weiter zu feiern. Erst wurde er einer intensiven Sektdusche unterzogen, dann ein Beutel Konfetti über seinem Kopf ausgeleert. Co-Trainer Wolfgang Hoffmann kam etwas glimpflicher davon, und auch der Rollhockey-Novize genoss diesen Titelgewinn in vollen Zügen. „Dann hat es sich ja doch gelohnt, dass ich einen Trainerlehrgang besucht haben“, meinte der frühere Fußball-Torwart und langjährige Trainer schmunzelnd. Die Schulungsmaßnahme fand im übrigen in Herringen statt, und „Hoffi“ war er einzige, der sie ohne Rollschuhe erledigte. Ob er jetzt noch Rollschuhlaufen lernt? Sein Arbeitsplatz bei der ERGI wird davon wohl nicht abhängen.

Auch die neue Serie wird das Duo Iwanowski/Hoffmann vorbereiten, doch der Meistertrainer sieht seinen Job weiterhin zeitlich befristet. „Es gibt für mich auch ein Leben außerhalb des Rollhockeys, und der Verein wird nach einer anderen Lösung suchen.“ Iwanowski versichert, dass die Arbeit mit der Mannschaft viel Spaß mache, räumt aber auch ein, dass er sie nur begrenzt weiterentwickeln könne.

Klubchef Ralf Henke sieht die Problematik ähnlich. Er ist froh, dieses Trainergespann zu haben, weiß aber auch, dass er irgendwann Ersatz für Iwanowski finden muss. Die Schwierigkeit: Geeignete deutsche Trainer sind nicht auf dem Markt, ausländische nicht finanzierbar.

Meistermannschaft bleibt nahezu unverändert

Trainer und Vorsitzender mussten mit Blick auf den nahenden Arbeitstag die Meisterfeier zeitlich limitieren, so wie einige Spieler auch. Man hätte eben schon am Samstag Meister werden müssen, doch das war nicht der Tag der Iserlohner. „Wir haben nach der Niederlage bei uns zu Hause zusammengesessen und uns auf den Sonntag eingestimmt“, erläuterte Dirk Iwanowski, der vor allem das Mitwirken des in Spiel zwei gesperrten André Costa als Schlüssel zum Erfolg wertete. „Er hat ein Riesenpensum absolviert und war am Ende total platt.“

Costa wird ebenso wie seine Mitstreiter im Herbst das Projekt Titelverteidigung angehen. Und natürlich möchte die ERGI in der kommenden Saison in der Euro-Liga endlich etwas Zählbares vorweisen. Der Kader wird zusammen bleiben, denn der einzige Neuzugang Nils Hilbertz hat ja schon sein Debüt gegeben. „Der hat wirklich eine spezielle Saison hingelegt. Er ist mit Krefeld abgestiegen und wird dann mit uns Meister“, meinte Ralf Henke, der sich allerdings nach einem neuen zweiten Torhüter umsehen muss. Roman Kaas wird die Reisetätigkeit von Würzburg nach Iserlohn einstellen und wieder heimatnah spielen. Einen Kandidaten für den Platz hinter Patrick Glowka gibt es bereits, aber am Nationaltorhüter führt kein Weg vorbei. „Er hat am Wochenende gezeigt, dass es in Deutschland keinen Besseren gibt,“ lobte Dirk Iwanowski. Für den Keeper beginnt die Sommerpause ebenso wie für Kai Milewski, Sergio Pereira und möglicherweise auch für Nils Hilbertz erst später, denn sie gehören zum Aufgebot der Nationalmannschaft, die ab 20. Juni in La Roche/Frankreich an der Weltmeisterschaft teilnimmt. Da allerdings ist die Titelchance gering.