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Das Hobby zum Beruf gemacht

09.02.2012 | 16:47 Uhr
Das Hobby zum Beruf gemacht
Carlos Esteves, Taekwondo-Bundestrainer.

Iserlohn.(wasi)Er sagt von sich selbst, dass er ein glücklicher Mensch ist, und das verwundert nicht, schließlich hat Carlos Esteves sein Hobby zum Beruf gemacht. Der einst so erfolgreiche Taekwondo-Sportler ist seit einigen Jahren Bundestrainer und steht nun vor seinen ersten „echten“ olympischen Spielen in offizieller Funktion.

2004 begann der 51-jährige Drüpplingser sich um den nationalen Nachwuchs zu kümmern. Ständige Weiterbildung, Akribie und ein Engagement, das weit über das Normalmaß hinausgeht, brachten ihm nach der Olympiade 2008 in Peking schließlich den Zuschlag für das Amt des Damen-Bundestrainers.

„In China konnte ich als Heimtrainer von Helena Fromm ja nicht richtig eingreifen. Ich war irgendwo auf der Tribüne und Helena unter auf der Wettkampffläche. Da konnte keine Kommunikation stattfinden“, erinnert sich Esteves nur ungern an das Großereignis zurück, bei dem sein Schützling früh ausschied. Im Sommer in London ist das anders. Die mittlerweile 24-jährige Oeventroperin Helena Fromm, die aus Fördergründen für München startet, hat sich erneut für Olympia qualifiziert und kann diesmal voll auf ihren Heimtrainer zählen, weil der nun auch Bundestrainer ist.

Auf dieses Ereignis freut sich der zweifache Familienvater ungemein, denn es ist der Höhepunkt in einer an Highlights nicht gerade armen Karriere. Rund 200 Tage ist der gelernte Schreiner in Jahr von seiner Familie getrennt. Das ist für ihn zwar nicht optimal, doch er kann auf das Verständnis seiner Frau Manuela bauen, einer ehemaligen Deutschen Meisterin im Taekwondo. „Sonst wäre das alles nicht möglich“, freut sich Carlos Esteves über soviel Verständnis.

Und gerade in diesem Jahr wird die Geduld der Familie besonders strapaziert, denn im Vorfeld von Olympia ist der Mann mit den portugiesischen Wurzeln fast ständig unterwegs. Die Einkleidung der Sportler und Offiziellen im März ist da nur ein Eckpunkt. Welt- und Europameisterschaften stehen ebenfalls noch auf dem Programm. Lehrgänge und Trainingslager komplettieren die Aufgabenfülle des Bundestrainers.

Der ist nebenbei auch noch Vereinstrainer und Motor des kleinen Vereins TKD Center Iserlohn, der gerade im Gymnastikraum des Stenner-Gymnasiums eine neue Bleibe gefunden hat, die er nach langer Suche als nahezu optimal bezeichnet. Hier trainieren die jungen Talente ebenso wie die Spitzenkönner, zu denen neben Helena Fromm auch Tabea Wenken zählt, die beste deutsche U18-Kämpferin.

Trotz des riesigen Aufwandes für den Sport gibt es auch im Leben des Carlos Esteves ein Gegengewicht, und das ist die Natur. Viele Jahre lang hat er Araberhengste gezüchtet. Da die Zeit fehlt, sind es heute nur noch zwei, die er besitzt. Seine Frau ist dafür umso aktiver bei der Züchtung von Dalmatinern, und auch hierfür kann sich Esteves begeistern. „Da schöpfe ich Kraft“, sagt er und denkt daran, wie ihm Familie und Hobby auch in einer ganz dunklen Stunde geholfen haben, wieder auf die Beine zu kommen.

1998 hatte der Iserlohner einen schweren Unfall erlitten, der ihn monatelang ans Bett fesselte. Als er wieder genesen war, konnte er den Schreinerberuf nicht mehr ausüben, schulte um und arbeitete vier Jahre bei der Post. Sein Ziel blieb jedoch das des professionellen Trainers, das über den Einstieg als Honorar-Nachwuchs-Bundestrainer auch gelang.

Wenn es nun Anfang August für seinen Schützling Helena Fromm in London um olympische Ehren geht, dann ist das auch ein Leistungsnachweis für den Bundestrainer, dessen Vertragsverlängerung nach den Weltspielen ansteht. Die Herausforderung scheut der Mann, der seinen Sport lebt, aber nicht, vielmehr ist er zuversichtlich, dass an der Themse der ganz große Durchbruch gelingen kann.

Markus Wassmuth

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