Dank des Rücktritts vom Rücktritt zum Rekord
21.02.2012 | 17:04 Uhr 2012-02-21T17:04:00+0100
Iserlohn. (MT)Am Freitag stellt er einen neuen Iserlohner Rekord auf, der vermutlich für die Ewigkeit Gültigkeit haben dürfte: Collin Danielsmeier bestreitet in Mannheim dann das 589. Spiel für einen Iserlohner Eishockey-Klub und entthront damit ECD-Urgestein Dieter Brüggemann.
„Das habe ich eigentlich gar nicht verfolgt“, zeigt sich Danielsmeier selbst von dieser Bestmarke überrascht. „Aber da ich ja nicht so viele Rekorde habe, nehme ich diesen gerne mit“, streicht er die Bedeutung heraus. Wenngleich der Bestwert sicherlich nicht das Highlight in seiner bisherigen Karriere war. „Die Meisterschaft mit Köln steht schon sehr weit vorne“, streicht Danielsmeier die Saison 2001/2002 heraus. Denn einen Titeltriumph können nicht einmal Spieler aufweisen, die seit Jahren zu den Topkräften in Deutschland gehören. Seine Teamkollegen Robert Hock und Michael Wolf können ein Lied davon singen. „Auch die elf Einsätze in der A-Nationalmannschaft waren super“, nennt der zweifache Vater weitere Spitzen seiner Karriere.
Dass diese nach seinem Rücktritt nach der letzten Serie eine Fortsetzung erfahren hat, kam für den 31-Jährigen überraschend. „Das war nicht geplant.“ Doch wegen schwacher Leistungen und Personalproblemen machte es bei IEC-Manager Karsten Mende „klick“. Er griff zum Telefon und schlug Danielsmeier das Comeback vor. „Da war ich schon überrascht“, beschreibt der Verteidiger seine erste Reaktion, „schließlich habe ich nicht zu Hause gesessen und auf den Anruf gewartet.“
Denn Danielsmeier hat sich längst ein anderes berufliches Standbein verschafft. Er kümmert sich um versicherungstechnische Belange von Ärzten, eine zeitintensive Tätigkeit. „Aber da habe ich kurz in meinen Terminkalender geschaut und einmal mittrainiert.“ Und dann ging alles ganz fix. Gepaart mit der Liebe zu seinem Klub, gab es physisch praktisch keine Probleme, obwohl er sich nur freitags beim Fußball in Dortmund und mehrfach mit den Alt-Herren auf dem Eis fitgehalten hatte. „Natürlich hatte ich mich etwas gehen lassen und auch gerne mal wieder eine Currywurst gegessen. Aber ich war in guter körperlicher Verfassung und erstaunlich schnell wieder dran.“ Die Frage, ob ein derartiger, zudem erfolgreicher Seiteneinstieg nicht jegliche Saisonvorbereitung karikiere, wurde ihm danach zigmal gestellt. „Das war aber nur möglich, weil ich in den letzten Jahren fleißig war“, verweist der 487-fache DEL-Spieler auf seine gute Substanz. Die ist inzwischen so gut, dass Trainer Doug Mason ihn nach dem letzten Wochenende fast schon zum besten Spieler kürte, obwohl die „10“ wegen diverser Seminare nur am Freitag und Samstag die Übungseinheiten bestreiten konnte. „Ich bin aber froh. dass ich jetzt wieder regelmäßig trainieren kann.“
Den Roosters in einer Notsituation zu helfen, war für ihn eine Herzensangelegenheit. Und möglicherweise ist der fehlende Druck für ihn sogar leistungsfördernd. „Vielleicht, denn es geht nicht um meine Zukunft. Die ist auch ohne Eishockey geregelt.“ Bleibt es also bei diesem Intermezzo? „Der Aufwand ist wirklich sehr hoch, und die Familie muss kürzer treten. Mehr als bis zum Ende dieser Saison ist nicht geplant. Gedanken werde ich mir später machen.“
Aber so richtig klingt das nicht nach Abschied. Könnte er sich sogar noch einen Vereinswechsel vorstellen. „Zu 99,9 Prozent nein! Dann müsste schon ein Angebot von 120000 Euro oder so kommen.“ Somit ist er nur auf diese Saison fokussiert. „Wir befinden uns sportlich auf dem richtigen Weg. Und ich möchte noch ganz, ganz lange weiterspielen. Die Chance haben wir.“ Er könnte also sogar die „600er“ Marke knacken. Dann wären die Roosters aber ganz weit vorn, wohl auch zur Freude von Wolf und Hock. Unvorstellbar? Aktuell sicherlich. Aber wer hätte schon ein solches Comeback Danielsmeiers für möglich gehalten?!
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