Aus Notlösung entwickelte sich Meisterliches

ERGI-Trainer Dirk Iwanowski  mit dem Meisterpokal.
ERGI-Trainer Dirk Iwanowski mit dem Meisterpokal.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Mit der Meisterfeier am vergangenen Wochenende schloss Rollhockey-Bundesligist die mit dem DM-Triumph gekrönte Saison endgültig ab, „nachdem wir eine Woche lang ein Dauergrinsen im Gesicht hatten“, so Dirk Iwanowski. Für den Coach der ERG Iserlohn stellte der Gewinn der Deutschen Rollhockey-Meisterschaft einen besonderen Höhepunkt seiner sportlichen Karriere dar.

Denn als „Trainer auf Zeit“ war Iwanowski erst während der Saison für Quim Puigvert eingesprungen, der aus privaten Gründen kürzer treten musste. Doch aus dieser Interimslösung wurde dann eine Dauerlösung. Das Ergebnis ist bekannt: Deutscher Meister!

„Das ist ein absolutes Highlight, für das auch viel Zeit investiert wurde“, beschreibt der 42-Jährige den Titelgewinn als seinen Karrierehöhepunkt und stuft den Erfolg höher ein als die Deutsche Meisterschaft als Spieler. „Denn da habe ich überwiegend auf der Bank gesessen.“ Auch der Gewinn der Alt-Herren-DM mit der ERGI sei zwar ein toller Erfolg gewesen, aber der aktuelle Triumph sei bedeutender.

Als alleiniger Meistermacher möchte sich Iwanowski jedoch nicht verstanden wissen. Er lobt die Zusammenarbeit mit Co-Trainer Wolfgang Hoffmann und die Professionalität der Mannschaft, streicht immer wieder den Teamgedanken heraus. „Die Jungs haben von Anfang an voll mitgezogen, sie sind nie nachlässig geworden. Aber ich habe mich durchaus auch von den Spielern, wenn nötig, eines Besseren belehren lassen“, beschreibt der Iserlohner das gute Betriebsklima. Und das sei nicht selbstverständlich, weil es durchaus selbstbewusste Charaktere im Team gibt. „Natürlich gab es auch gelegentlich Reibereien, aber wir haben uns immer wieder zusammengerauft.“

Vom Erfolg der Mannschaft absolut überzeugt

Wichtig war für Iwanowski bei seinem Amtsantritt nach schwachem Start und einer insgesamt weniger überzeugenden Hinrunde zum einen das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Teams. „Ich habe den Jungs immer wieder gesagt, dass wir am Ende oben stehen werden, wenn wir hart arbeiten und fest daran glauben.“ Aber er hat ihnen auch angesichts seines hohen zeitlichen Aufwands unmissverständlich klar gemacht: „Wenn ich merke, dass Ihr mich nicht ernst nehmt, dann bin ich weg. Denn es gibt schließlich auch ein Leben außerhalb des Rollhockeys.“

Aber Rollhockey ohne Dirk Iwanowski? Geht das überhaupt? Wohl nicht. Als Sechsjähriger kam er mit seinem etwas älteren Bruder Thorsten zur ERGI und leitete damit eine Phase ein, die maßgeblich von der Familie Iwanowski geprägt wurde, denn auch die Eltern brachten sich sehr stark ein, Vater Detlef fungierte über viele Jahre als Vorsitzender. Sohn Dirk durchlief alle Nachwuchsteams, nahm mit der Jugend- und Junioren-Nationalmannschaft an Europameisterschaften teil, spielte lange in der ersten Mannschaft, lehnte ein zwischenzeitliches Angebot aus Dortmund ab und war schließlich auch noch bei den Alten Herren aktiv. Dort war ihm aber schließlich der sportliche Ehrgeiz zu gering, so dass Iwanowski mit 35 Jahren seine Karriere beendete, dem Klub aber weiterhin die Treue hielt, inzwischen 2. Vorsitzender ist - und jetzt auch noch Coach. „Dabei bin ich doch kein richtiger Trainer und trotzdem funktioniert es“, wundert er sich selbst ein wenig. Völlig neu war für Dirk Iwanowski, der auch kurzzeitig die Damen trainiert hatte, dieser Job allerdings nicht, denn als Chef-Coach Marc Berenbeck krankheitsbedingt aussetzen musste, bildete er mit Ex-Spieler Marc Dove ein zuverlässiges Gespann. Somit war es fast schon logisch, dass er nun für Quim Puigvert einsprang, gleichzeitig aber in seiner Eigenschaft als Vorstand seinen eigenen Nachfolger suchte - ein letztendlich hoffnungsloses Unterfangen angesichts fehlender oder nicht zu finanzierender Kandidaten. „Nach der Hälfte der Hinrunde war mir klar, dass ich bleibe. Und als dann auch noch Hoffi als Co-Trainer zusagte, hatte ich es leichter.“ Damit stand für Iwanowski aber auch fest: „Wenn ich das schon mache, setze ich mich auch voll ein!“

Und so wird es wohl auch in der kommenden Saison sein. Die wichtigste Rückendeckung hat er sich bei seiner Frau geholt, mit Simone ist er seit dem 16. Lebensjahr zusammen, sie weiß um die Rollhockey-Leidenschaft im Hause Iwanowski und unterstützt diese. Somit wird privat dem Ziel, möglichst viele Endspiele zu erreichen, nichts im Wege stehen. Aber der Dauer-Interimscoach warnt angesichts aufrüstender Konkurrenz: „Das heißt natürlich nicht, dass die neue Saison auch erneut so erfolgreich verläuft.“