„An die eigenen Stärken glauben“

Dirk Iwanowski, hier mit Marc Dove bei seinem ersten Trainer-Intermezzo, steuert mit der ERGI auf Erfolgskurs.
Dirk Iwanowski, hier mit Marc Dove bei seinem ersten Trainer-Intermezzo, steuert mit der ERGI auf Erfolgskurs.
Foto: Josef Wronski/IKZ

Iserlohn..  Nach mühsamem Start ist Rollhockey-Bundesligist ERG Iserlohn richtig in Schwung gekommen und nach sechs Siegen in Folge Spitzenreiter. Über diese Entwicklung sprachen wir mit Trainer Dirk Iwanowski.

Frage: Im November drohte tiefes Mittelmaß, jetzt ist Platz eins erklommen. Was ist da passiert?

Iwanowski: Durch Quim Puigverts plötzlichen Ausstieg stand die Mannschaft ohne Trainer da und hing in der Luft. Ich habe mich breit schlagen lassen, weil einfach keine andere Lösung gefunden werden konnte. Magenschmerzen hatte ich damals schon. Aber entscheidend für unseren Aufschwung ist letztlich, dass wir ein tolles Team haben. Damit meine ich meinen Co-Trainer Wolfgang Hoffmann, unseren Betreuer, unsere Physiotherapeutin und viele andere im Umfeld. Und den Spielern macht es offenbar richtig Spaß.

Im letzten Jahr standen noch Quim Puigvert und Marc Berenbeck im Gespann an der Bande. Jetzt haben ein Ex-Spieler und ein Ex-Fußballtrainer das Sagen. Gab es keine Akzeptanzprobleme?

Eigentlich nicht. Wolfgang Hoffmann macht erstklassige Arbeit als Konditionstrainer, man merkt, dass die Spieler fit sind. Und er ist für die gute Laune im Kader zuständig. Ich bin ausgesprochen froh, ihn dabei zu haben.

Sie als Verantwortlicher müssen ja offenbar an den richtigen Stellschrauben gedreht haben, sonst wären die Erfolge kaum denkbar. Wo haben Sie angesetzt?

Bei der Motivation. Ich habe den Spielern klar gemacht, dass sie an die eigenen Stärken glauben müssen. Wir gehören in dieser Form schließlich zu den Besten in Deutschland. Wichtig ist aber auch, dass wir alles im Team erarbeiten. Ich liege auch nicht immer richtig und beziehe deshalb die Spieler mit ein. Das funktioniert gut. Wir müssen Rollhockey nicht neu erfinden, aber fünfzig Prozent der Leistung haben eben mit Motivation zu tun.

Wenn es so gut läuft, könnte man die Suche nach einem neuen Trainer doch eigentlich einstellen - oder?

Auf keinen Fall. Das ist nicht mein Traumjob. Aber es ist schwer, einen qualifizierten Trainer zu finden. Den gibt es eigentlich nur im Ausland. Doch dann muss es genau passen. Man stelle sich vor, wir verpflichten jemanden, der kommt mit der ganzen Familie nach Iserlohn, und es funktioniert nicht. Das will wohl überlegt sein.

Zwischen die großen Drei, Herringen, Iserlohn und Cronenberg, hat sich in dieser Saison Bison Calenberg gemischt. Eine Überraschung für Sie?

Die haben mit Milan Brandt den Toptorjäger der Liga und mit Sebastian Haas einen weiteren Klassemann. Aber entscheidend ist deren Halle. Der Boden ist extrem glatt, damit kommen alle anderen Mannschaften nicht zurecht.

Die ERGI ist Erster. Wie lautet jetzt das Saisonziel?

Wir wollen noch eine Weile erfolgreich bleiben, aber das ist eben eine Kopfsache. Viele Jungs standen in den letzten Jahren oft im Finale und haben verloren. Aber sie müssen an sich glauben. Wir hatten in der Vergangenheit viele Ausfälle und konnten selten komplett trainieren. Wenn das in der entscheidenden Phase der Saison besser wird, sind die Aussichten sicher nicht schlecht.

Ist die ERGI ein Titelkandidat?

Für die anderen Vereine sicherlich. Wir müssen mal abwarten, wie wir eine Niederlage wegstecken und sollten jetzt nicht abheben.

Ein Blick auf die neue Saison. Wie möchte der zweite Vorsitzende Dirk Iwanowski den Verein dann aufgestellt sehen?

Ich hoffe, dass unsere Trainersuche erfolgreich sein wird und dass wir noch ein, zwei Spieler hinzu bekommen. Der Kader muss breiter aufgestellt sein.

Sie waren als Spieler deutscher Meister. Wie groß ist die Chance, das auch als Trainer zu schaffen?

Es wäre ein Traum. Wir werden jedenfalls weiter intensiv arbeiten. Ich sage immer zu Hoffi: So lange die Spieler alles richtig machen, können sie uns nicht entlassen.