„Wir lassen nicht die Köpfe hängen“

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Was wir bereits wissen
Marek Piotrowski, Trainer der Frauenbasketball-Bundesligamannschaft des Herner TC zieht trotz des frühen Play-Off-Aus im Interview ein positives Fazit.

Die Wunden sind geleckt, das überraschend schnelle Saisonende ist verarbeitet und analysiert. Zwei Wochen nach dem Viertelfinal-Aus gegen Freiburg zieht Marek Piotrowski, der Trainer der Herner Bundesliga-Basketballerinnen, im Gespräch mit WAZ-Redakteur Wolfgang Volmer seine persönliche Bilanz der Spielzeit, die der Herner TC als Hauptrunden-Zweiter offiziell mit Platz fünf abschloss.

Herr Piotrowski, an diesem Freitag steigt in der Badria-Halle das erste Spiel der Finalserie um die Deutsche Meisterschaft. Zu Gast in Wasserburg ist der TV Saarlouis. Welche Gefühle löst das in Ihnen aus.

Piotrowski: Gemischte. Sehr gemischte Gefühle. Nach dem Verlauf der Liga hatten viele erwartet, dass Herne der direkte Konkurrent von Wasserburg werden könnte. Leider ist es anders gekommen, und deshalb guckt man schon traurig auf die ganze Geschichte. Und natürlich suchen wir Gründe, warum wir nicht da sind und warum wir in der ersten Play-Off-Runde gegen Freiburg ausgeschieden sind. Gegen Saarlouis haben wir einmal verloren und einmal knapp gewonnen, das ist auch eine sehr starke Mannschaft, die Werbung für den deutschen Damenbasketball machen kann. Aber in guter Verfassung wären wir auch ein guter Konkurrent für Wasserburg gewesen.

Woran hat es gelegen, dass Ihre Mannschaft in den Spielen, wo es wirklich drauf ankam, nicht mehr in bester Verfassung war?

Wir haben die ganze Saison von der Breite der Mannschaft profitiert. Wir waren breit aufgestellt, aber wir haben auch unsere Eckpfeiler gehabt mit Davis auf der Eins und Wright auf der Fünf. Das waren unsere Orientierungspunkte, um sie haben wir das Team gebaut. Leider haben wir beim Final Four in Herne und gegen Freiburg nicht die Präsenz unter dem Brett gehabt. Wir wollten keine Ausreden suchen. Aber wir hatten schon Probleme. Davis fiel vier Wochen aus, hat dann mit einer Schiene gespielt, vor allem aber hatten wir nicht mehr die Präsenz von Teya Wright unter dem Brett wie in der Liga. Teya war gesundheitlich angeschlagen, hatte Probleme mit Ellbogen und Knie. Freiburg hat uns aus meiner Sicht unter dem Brett geschlagen.

Letztlich hat der HTC die Saison als Fünfter beendet. Muss man das nach Platz drei im Vorjahr als Rückschritt werten?

Nein, auch wenn das einige Experten vielleicht so sehen. Wir waren in der Liga Zweiter, das heißt: Herne gehört zu den stärkeren Mannschaften der Liga. Play-Offs sind auch etwas Glücksache, wo Tagesform oder Verletzungen entscheiden können. Wir haben da sicher nicht die richtige Phase erwischt, hatten auch vorher im Final Four zwei schwere Spiele. Im Ganzen aber muss man die Saison positiv betrachten. Wir haben uns weiter entwickelt, haben bis zu den Play-Offs sehr attraktiven Basketball gespielt. Man hat immer mehr Zuschauer in der Halle gesehen, die Leute waren sehr zufrieden. Auch nach dem Ausscheiden gab es sehr viele positive Reaktionen von Menschen, die wussten, dass wir selber mehr erreichen wollten. Es gab trotzdem viele Dankeschön-Worte für die schöne Zeit, die wir hier über sechs, sieben Monate den Zuschauern angeboten haben, auch für das Final Four hier in Herne. Das war eine richtig tolle Sache, toll organisiert, schöner Basketball, ein klasse Event, mit dem wir für uns und die Stadt Herne Werbung gemacht haben. Wir brauchen uns bestimmt nicht zu schämen für das, was wir in dieser Saison geleistet haben.

Ihr Fazit ist also ein positives?

Ja, ein positives. Wir haben eine junge Mannschaft, gerade unsere deutschen Spielerinnen sind noch in der Entwicklung. Karic, Amojo und Müller sind jetzt für die A-Nationalmannschaft vorgesehen, das macht uns schon stolz. Klar, wir sind im Viertelfinale ausgeschieden. Aber wir werden jetzt nicht die Köpfe hängen lassen. Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg und hoffen, dass wir nächstes Jahr vielleicht noch ein bisschen weiter kommen.

Gab es noch so etwas wie einen gemeinsamen Saisonabschluss?

Ja, wir waren zusammen essen. Wir haben dieses Jahr ein sehr gutes Miteinander gehabt, die Spielerinnen waren auf einem Nenner, es gab keine Querelen, es war schön, diese Mannschaft von außen zu coachen. Was ich eben noch vergessen habe: Dass wir unsere hohen Ziele nicht erreicht haben, lag auch daran, dass mit Charmaine Callahan eine erfahrene deutsche Spielerin fast die ganze Saison ausgefallen ist. Sie hätte in den wichtigen Spiele Verantwortung übernehmen und die Jungen führen können. Am Ende hat uns auch so eine Spielerin gefehlt.