Westvereine wollen Klarheit

Auch die Fans interessiert, wie es im Oberliga-eishockey weitergeht.
Auch die Fans interessiert, wie es im Oberliga-eishockey weitergeht.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Es klang richtungsweisend. Bis zur Saison 2017/18, dem Jahr der Heim-WM, sollte die gemeinsame Oberliga Nord zu neuem Leben erweckt werden – ein Konsens, den die neue DEB-Spitze im letzten Sommer mit den Landesverbänden gefunden zu haben glaubte. Wem die plötzliche Harmonie in der deutschen Eishockeylandschaft seinerzeit verdächtig vorkam, scheint jedoch wieder einmal Recht zu behalten.

Denn von Einigkeit im Bestreben, wieder eine sportlich attraktive DEB-geführte Oberliga Nord zu etablieren, ist ein gutes halbes Jahr später nicht viel übrig. Die geringe Anzahl der Oberligisten im Osten und das große Leistungsgefälle im Westen bewog den Deutschen Eishockeybund nämlich, die Einführung der neuen Liga zu forcieren und ein Jahr früher als geplant an den Start zu bringen. Bereits die nächste Saison sollte als Qualifikation dienen, je nach Anzahl der interessierten Clubs in einer oder auch in mehreren regionalen Gruppen.

Das Mitte Februar auf einer Ligentagung in Göttingen vorgestellte Konzept stieß bei vielen Vereinen auf Zustimmung. Nicht jedoch beim Landesverband NRW. Der suchte allerdings nicht den konstruktiven Dialog, sondern zog in einem vom 5. März datierten Schreiben an die Vereine vom Leder. Der DEB schüre Ängste, habe sich einmal mehr nicht an Absprachen gehalten und nutze anscheinend diverse Medien zur Stimmungsmache vor allem gegen den LEV NRW. Der werde aber wie mit dem DEB besprochen auch in der Saison 2015/16 eine Oberliga durchführen, heißt es in dem von Eishockey-Obmann Markus Schweer unterzeichneten Schriftstück.

Aufgeschreckt durch die neu aufgerissenen Gräben trafen sich die betroffenen Westvereine Mitte März zu einem Sondierungsgespräch am Gysenberg. Dabei brachten die Delegierten ihre Sorge über die Auseinandersetzung zwischen den Verbänden zum Ausdruck. „Diese Kompetenzkontroverse wird letztlich auf dem Rücken der Vereine ausgetragen. Die Zukunft des deutschen Eishockeys sowie die sportliche Entwicklung der Bereiche Nachwuchs und Senioren müssen in Konsens zum Wohle des Sportes verfolgt werden. Dieses Bestreben haben wir in den letzten Jahren bei dem amtierenden Vorstand nicht erkennen können. ... Wir fordern daher den Vorstand des LEV NRW auf, eine Arbeitssitzung mit den betroffenen Vereinen sofort für Ende März einzuberufen“, heißt es in der gemeinsam verfassten Erklärung an den LEV. Eine Antwort aus Köln blieb zunächst aus.

Daraufhin gingen die Vereine mit deutlich verschärftem Tonfall endgültig auf Gegenkurs zu ihren Verbandsoberen: „Mit Enttäuschung, aber durchaus nicht überrascht nehmen die Unterzeichner der ,Herner Erklärung’ die Ignoranz des LEV-Vorstandes zur Kenntnis“, heißt es da. Und weiter: „Sowohl die DEB-Mitgliederversammlung am 18. April als auch die notwendige Neustrukturierung der OL in Deutschland verursachen einen dringlichen Abstimmungsbedarf. Der Vorstand des LEV NRW wird daher letztmalig aufgefordert, sofort zu einer Arbeitssitzung (bis spätestens 10. April) einzuladen. Bei erneuter Missachtung dieser Forderung werden Konsequenzen nicht zu vermeiden sein. Die Zukunftssorgen der Vereine haben mittlerweile eine bedrohliche Qualität angenommen, so dass ab sofort Eishockey auch außerhalb des LEV unter dem Dach des DEB als vorstellbar empfunden wird. ... Die Präsidialen Sorge und Dieck führen den Verband nach Gutsherrenart, schüren Ängste gegen den DEB, meiden den kritischen Dialog und verschanzen sich hinter einer auf ihre Bedürfnisse angepassten Satzung. Dieser Zustand wird nicht länger akzeptiert.“