Westfalia vom Glück verlassen

Bünyamin Karagülmez (am Ball) musste sich mt dem SC Westfalia seinen früherern Kollegen aus Hüls mit 1:2 geschlagen geben.
Bünyamin Karagülmez (am Ball) musste sich mt dem SC Westfalia seinen früherern Kollegen aus Hüls mit 1:2 geschlagen geben.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach drei Minuten lag Westfalia Herne gegen Hüls bereits zurück und war in Unterzahl. So war die 1:2-Niederlage am Ende nicht zu verhindern.

SC Westfalia Herne -
VfB Hüls 1:2

Tore. 0:1 (4.) Onucka (Handelfmeter), 0:2 (37.) Schröter, 1:2 (48.) Mützel.

SCW: Carpentier - Kosien, Luvuezo, Kilic, Mützel - Karagülmez (46. Özbicerler), Zaskoku - Aktas, Ferati (66. Kaya), Gumpert - Inal (76. Stratmann).

VfB: Hester - Koch, Capakli, Flossbach, Grams - Gökyar - Onucka (73. Dönmez), Klaas, Bertram, Sardini (70. Yigit) - Schröter (90. Berge).

SR: Marco Goldmann (Warendorf).

Zuschauer: 300.

Rote Karte: Kilic (SCW/3., Handspiel).

Sie sind körperlich fit, kämpfen wie die Teufel, haben Mut, Moral und durchaus auch fußballerische Qualitäten, die Jungs, die den SC Westfalia Herne in den kommenden Monaten vor dem Abstieg aus der Oberliga retten sollen. Ob all’ das jedoch zum Ziel führt, ist nach dem ärgerlichen 1:2 zum Rückrundenauftakt gegen Hüls fraglicher denn je.

Auf eines nämlich wird der SCW auf Dauer nicht verzichten können: Aufs Glück. Das fehlte den Strünkedern aber gegen die keineswegs besseren Kicker vom Hülser Badeweiher. Noch hatten sich beide Teams nicht richtig sortiert, da war die Partie für die Westfalia schon so gut wie verloren. Jusuf Kilic hatte sich nach einem Stellungsfehler in der SCW-Abwehr in den Schuss des Ex-Herners Marc Schröter geworfen. Zwar konnte er den Einschlag nicht verhindern, doch Schiedsrichter Marco Goldmann erkannte den Treffer nicht an, sondern zeigte Rot und auf den Punkt: Marco Onucka schickte Torwart Carpentier ins falsche Eck und machte die Dreifachbestrafung eines gut gemeinten Rettungsversuchs perfekt – fragwürdig und aus Herner Sicht eine Katastrophe.

„Damit war unser Konzept sofort über den Haufen geworfen“, ärgerte sich SCW-Trainer Holger Wortmann. Dennoch verzichtete er trotzig auf eine Komplettierung der Viererkette, sondern ging volles Risiko: Christian Luvuezo blieb allein im Abwehrzentrum, oft zehn, zwölf Meter entfernt von den Außenverteidigern und den beiden Sechsern – eine Strategie, die leicht ins Auge hätte gehen können, zumal Tim Kosien und Sebastian Mützel nach Ballgewinn ebenfalls oft den Vorwärtsgang einlegten.

Gumpert verfehlt knapp

Doch die Hülser schafften es zunächst nicht, die Räume zu nutzen und ein zweites Tor nachzulegen. Zweimal lag sogar der Ausgleich in der Luft: Fatmir Ferati verfehlte mit einem Freistoß das Ziel (15.), und auch Dennis Gumperts Schuss aus halblinker Position strich knapp am Pfosten vorbei (24.). Die Lektion in Sachen Effektivität ließ nicht lange auf sich warten. Als bei einem langen, diagonal geschlagenen Freistoß die Zuordnung nicht stimmte, erhöhte der freistehende Schröter auf 0:2 (37.). Alles schien sich gegen den SCW verschworen zu haben.

Entmutigen ließen sich die Herner aber nie. Mit aller Kraft stemmten sie sich gegen ihr Schicksal, hauten sich in die Zweikämpfe, suchten in Unterzahl den Weg nach vorn – und wurden kurz nach Wiederanpfiff belohnt. Eine Flanke des eingewechselten Onur Özbicerler sprang Daniel Bertram beim Klärungsversuch auf holprigem Boden unglücklich an die Hand, und erneut kannte Goldmann keine Gnade: Sebastian Mützel jagte den Elfmeter mithilfe des Innenpfostens zum 1:2 ins Netz.

Jetzt war auch das Publikum da. „Herner geben niemals auf“, schallte es von der Tribüne – genau der richtige Ansporn für die Blau-Weißen, die weiter Vollgas gaben. Aber obwohl Fatlum Zaskoku unermüdlich ankurbelte, blieben klare Chancen aus. So wurden in der Schlussphase die Räume für Konter immer größer. Dönmez und Schröter hatten das 1:3 auf dem Fuß, vergaben aber gegen Carpentier, so dass erst der Abpfiff dem Herner Anrennen ein Ende setzte. Für Wortmann war es dennoch ein guter Anfang: „Die Mannschaft hat fantastisch gekämpft und eine überragende Laufleistung gebracht“, lobte der Trainer. „Dann fangen wir eben in Sprockhövel mit der Aufholjagd an.“