Vom Herner TC ins Nationalteam

Als Kapitänin würde Emina Karic (l.) den Herner TC gern auch in die nächste Bundesligasaison führen.
Als Kapitänin würde Emina Karic (l.) den Herner TC gern auch in die nächste Bundesligasaison führen.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Kapitänin Emina Karic steht kurz vor ihrem ersten A-Länderspiel. Seit elf Jahren geht sie für Herne auf Korbjagd, ein zwölftes soll folgen – wenn der Etat denn steht.

Alles andere wäre eine Katastrophe, und doch ist es beileibe keine Selbstverständlichkeit: Ob der Herner TC auch in der kommenden Saison am Spielbetrieb der 1. Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) teilnimmt, ist noch unklar. „Wir basteln noch am Etat, haben noch nicht alle Partner erreicht“, erklärte HTC-Vorsitzender Wolfgang Siebert. Erst wenn das vorgesehene Budget durch feste Zusagen von alten und neuen Sponsoren weitgehend gedeckt und so das finanzielle Wagnis kalkulierbar sei, könne er die Ampel endgültig auf „grün“ stellen.

Siebert gibt sich verhalten zuversichtlich, kann er doch mit überzeugenden Argumenten aufwarten. Dazu zählen die starken Leistungen der Damen in der letzten Bundesligasaison, die sie als Zweite der Hauptrunde abschlossen, aber ebenso die großartige Entwicklung der Jugendarbeit, die sich im erstmaligen Gewinn der WNBL-Meisterschaft und etlichen Topplatzierungen weiterer Teams manifestierte.

Da ist es nur folgerichtig, dass der Verein jene Spielerin als Erste an sich binden möchte, die wie keine andere das Gesamtkonzept des HTC verkörpert und seiner Philosophie ein Gesicht gibt: Emina Karic. „Unterschrieben ist noch nichts, aber ich habe bereits zugesagt“, bestätigt die 24 Jahre junge Flügelspielerin, die dem Verein seit elf Jahren angehört und schon als 15-Jährige am ersten Erstliga-Aufstieg beteiligt war. Seitdem war sie fester Bestandteil des Piotrowski-Teams – mit einjähriger Unterbrechung, bedingt durch zwei Auslandssemester in Barcelona, wo die angehende Spanisch- und Sportlehrerin ihre Sprachkenntnisse vervollkommnete. In dieser Zeit ging sie für den spanischen Drittligisten CB Cornella auf Korbjagd.

Nach ihrer Rückkehr im Sommer 2013 war es für Emina Karic keine Frage, wo sie ihre Karriere fortsetzen würde: natürlich beim Herner TC. Hier hatte sie sich das Rüstzeug geholt, um sämtliche Jugendnationalmannschaften zu durchlaufen, hier reifte sie zur künftigen A-Nationalspielerin heran. Seit einem Jahr gehört die Recklinghäuserin dem erweiterten A-Kader an, gerade erst erreichte sie die Einladung zu einem Lehrgang im Olympia-Stützpunkt Kienbaum bei Berlin, wo Bundestrainer Bastian Wernthaler die DBB-Auswahl vom 5. bis zum 13. Juli auf die EM-Qualifikation vorbereitet.

In den Blickpunkt gerückt ist die in Bosnien-Herzegowina geborene 24-Jährige nicht nur durch konstant starke Leistungen auf dem Parkett, auch ihre neue Rolle als Spielführerin der Bundesligamannschaft hat sie mit viel Einfühlungsvermögen und sehr zur Zufriedenheit ihres Trainers Marek Piotrowski ausgefüllt. Dessen Entscheidung, das junge Eigengewächs mit der Nachfolge der langjährigen Kapitänin Minja Terzic zu betrauen, verwunderte nur auf den ersten Blick – auf den zweiten war sie nur konsequent. Und Karic zahlte das Vertrauen zurück. „Es war eine lange Saison, und wir haben sehr viel Zeit miteinander verbracht. Da war es nicht immer leicht, die Laune bei allen ganz oben zu halten“, blickt die Kapitänin zurück. „Insgesamt war es für mich aber eine sehr positive Erfahrung, weil alle anderen toll mitgezogen haben und ich vom Trainer und speziell auch von der erfahrenen Charmaine Callahan Rückhalt und Hilfe erhalten habe.“

Dass es sportlich nicht zum ganz großen Coup reichte, dass Herne beim Top Four in eigener Halle gegen Meister Wasserburg das Pokalfinale verpasste und – physisch und mental angeschlagen – anschließend im Playoff-Viertelfinale gegen Freiburg ausschied, hat die Kapitänin inzwischen verarbeitet. „Insgesamt sehe ich das Jahr dennoch positiv. Wir haben bewiesen, dass wir zu den besten Teams in Deutschland gehören.“

Und genau das ist auch ihr Anspruch an die nächste Saison. „Ich hoffe, dass wir wieder ganz oben mitspielen und einen so breiten Kader aufbauen, dass wir auch Wasserburg schlagen können. Wir waren ja schon ganz nah dran.“ Das Gerüst aus dem letzten Jahr würde sie gern erhalten, mögliche Abgänge so ersetzen, dass jede Position doppelt gut besetzt sei. „Mein Wunsch ist, dass wir wieder ein Team bekommen, das auf und neben dem Spielfeld super harmoniert. Man kann nicht von zwölf Spielerinnen erwarte, dass sich alle gleich gut verstehen. Aber mit Professionalität und Power sollten alle dabei sein.“

So wie die junge Kapitänin, die mit Leidenschaft und Ehrgeiz vorangehen wird. Wenn der Verein denn grünes Licht gibt.