„Viele Hände, schnelles Ende“

Die Arbeiten am neuen Kunstrasenplatz in Börnig gehen zügig voran.
Die Arbeiten am neuen Kunstrasenplatz in Börnig gehen zügig voran.
Foto: FUNKE Foto Services

Genau drei Wochen lang rattern die Baumaschinen nun schon über die Fußballplätze an der Schadeburg- und der Wilhelmstraße. Die Herner Pilotprojekte, in denen die Fußballvereine VfB Börnig und Sportfreunde Wanne als Bauträger auftreten, kommen gut voran. Beinahe im Gleichschritt. Alles Ungewisse, das finanzielle Risiko, die vielen Pläne sind längst in den Hintergrund getreten. Vielmehr wird in diesen Tagen angepackt. Mitglieder und Freunde beider Vereine arbeiten buchstäblich an deren Zukunft.

Ich besuche in dieser Woche den VfB-Platz. Vorsitzender Hans-Jürgen Reitzig präsentiert dort das „neue Schmuckkästchen“ des Vereins. Sechs große Baumaschinen stehen parat, ein Bauarbeiter walzt in der Mittagszeit den Unterbelag auf dem Platz, drei fleißige Vereins-Jungs pflastern im Hintergrund einen Weg. Ein Gemeinschaftsprojekt eben.

Seminar: Bauen in Eigenregie

Reitzig ist sichtlich angetan, was sich in den letzten Wochen bereits getan hat. „Viele Hände, schnelles Ende“, so seine aktuelle Spieltaktik. Sie geht auf. Gut 250 Quadratmeter Umrandung sind bereits in Eigenarbeit verpflastert worden, die Tribünenwände und Barrieren gestrichen, die Stufen gekärchert. Dass dieser Neubau nachhaltig sein wird, davon ist der Vorsitzende überzeugt. Und zwar nicht nur weil er Fußballer, vor allem Jugendliche anlocken wird. „Wo ich bei dreißig Grad auf Knien rübergerutscht bin, darauf passe ich doch ganz anders auf, als wenn mir das einfach hingelegt wird“, so der VfB-Chef.

Manchmal muss er sich dennoch offenbar selbst zwicken, um die Vorgänge dieser Tage zu glauben. „Ich hätte ehrlich nicht gedacht, noch zu erleben, während ich hier was zu sagen habe, dass hier Kunstrasen entsteht.“ Es mutete zunächst wirklich ein wenig wahnsinnig an. 2013 war es, als A-Liga-Trainer Volker Hanebeck anregte, in Schalke an einem Seminar teilzunehmen. Thema: Kunstrasen bauen in Eigenregie. Zufällig kam Markus Rohmann von den Wanner Sportfreunden gleichzeitig auf dieselbe Idee. Man traf sich und schmiedete fortan die manchmal verrückt scheinende Allianz. Nun sind Börnig und Wanne vielleicht Vorreiter auf diesem Gebiet.

Auch bei der Stadt betrat man Neuland, wagte es aber, das Duo-Projekt zu begleiten. „Im Ergebnis gibt es, glaube ich, nur Gewinner“, meint Reitzig. Jeweils 100 000 Euro müssen beide Vereine als Beitrag selbst stemmen. Die Mitglieder, die einer Beitragserhöhung zustimmten, die Spieler, die fortan nicht mehr gegen Geld spielen, alle müssen die gewaltige Herausforderung gemeinsam stemmen. Reitzig: „Ist doch klar, das Geld kommt ja nicht vom Himmel gefallen.“

Eine neue Lkw-Ladung mit Feinbelag wird auf den Platz gekippt. Die Pflasterer gönnen sich eine Pause und Hans-Jürgen Reitzig sieht nochmal nach dem rechten. Anfang August soll die Eröffnungsparty steigen. Aber dafür hat der VfB-Vorsitzende derzeit überhaupt noch keinen Kopf. Es ist noch einiges zu tun. Auch an der Wilhelmstraße, wo ich in den nächsten Tagen vorbeischauen und von dort berichten werde.