Und täglich grüßt das Murmeltier

Einen der seltenen Gründe zum Feiern nutzten Westfalia Hernes Fußballer nach dem 5:1-Sieg in Dornberg, mit dem sie sich am letzten Spieltag der Saison 13/14 den Oberligverbleib sicherten.
Einen der seltenen Gründe zum Feiern nutzten Westfalia Hernes Fußballer nach dem 5:1-Sieg in Dornberg, mit dem sie sich am letzten Spieltag der Saison 13/14 den Oberligverbleib sicherten.
Foto: Uwe Ross

Ob am Tresen, am Frühstückstisch oder unterm Tannenbaum – Fußball ist im Lande des Weltmeisters immer ein Thema, ganz besonders bei uns im Revier, natürlich auch in Herne. Leidenschaftlich wird über Dortmunds Absturz, Schalker Inkonstanz oder Peps Super-Bayern diskutiert, aber auch über das Treiben der heimischen Clubs, obwohl die längst in die sportliche Mittelmäßigkeit abgetaucht sind. Für Erregungspotential sorgten vor allem SC Westfalia und DSC Wanne-Eickel aber auch 2014 zur Genüge.

Beispiel Westfalia. Auch im 110. Jahr ihres Bestehens kämpften die Strünkeder unverdrossen gegen Insolvenz und fußballerische Bedeutungslosigkeit. Wieder haben sie eine Saison überlebt, die Probleme aber sind am Ende des Jahres die gleichen wie zu Beginn. Rückblende: Platz 16, eine junge Truppe, der nach der Entlassung von Trainer Jörg Silberbach das komplette Gerüst von gestandenen Spielern abhanden gekommen war, so startete der SCW ins Jahr 2014. Ziemlich aussichtslos. Aber die sportliche Leitung um Uli Reimann und Trainer Hans Bruch glaubte an den SCW. Verstärkt um ein paar erfahrene Spieler, gewannen die Herner vier der fünf ersten Spiele und rückten vor bis auf Platz 13. Alles schien in Butter – bis ein 0:2 beim Spitzenreiter Bielefeld die nächste Talfahrt mit acht Niederlagen in Folge einläutete, begleitet von Unruhen im Vorstand und einer drohenden Zahlungsunfähigkeit. Entnervt bot Bruch seinen Rücktritt an – der Vorstand nahm an, als der Trainer der Raum bereits verlassen hatte. Als Nothelfer sprang Jörg Tottmann ein, und Herne schaffte am letzten Spieltag den Klassenerhalt – zum zweiten Mal in Folge.

Noch einmal sollte das nicht passieren. Also machte Westfalia wie stets in letzter Zeit einen radikalen Schnitt, holte 20 neue Spieler und mit Manuel Bölstler einen jungen Trainer. Der ging seine Aufgabe voller Enthusiasmus an – und musste nach acht sieglosen Spielen einsehen, dass der Kader falsch zusammengestellt war. Bölstler machte den Weg frei für Holger Wortmann und versucht seitdem als spielender Co-Trainer, die Karre mit aus dem Dreck zu ziehen. Doch die Kiste ist verfahren: Diesmal begrüßt Westfalia das neue Jahr sogar als Letzter, hat zehn Punkte Rückstand aufs rettende Ufer. Und erneut fehlen vier, fünf gute Oberligaspieler. Same procedure as every year, oder: Und täglich grüßt das Murmeltier – am Schloss laufen diese Filme in Dauerschleife.

Eigentlich hätte Schwarz-Gelb Blau-Weiß längst den Rang ablaufen können. Doch auch beim DSC Wanne-Eickel passte im letzten Jahr nicht alles zusammen. Mit einem nominell starken Kader verpatzte der DSC die Hinrunde der letzten Spielzeit, geriet sogar kurz in Abstiegsgefahr und war froh, dass er die Saison 2013/14 mit zwei Siegen und Platz elf abschloss.

Auch in der Mondpalastarena war danach Aufräumen angesagt. Und das erledigten die Verantwortlichen mit Bravour. Jörg Kowalski und Martin Stroetzel stellten eine Truppe zusammen, die als Team auftritt, die oft gut spielt und immer bis zum Schlusspfiff kämpft. Der Erfolg blieb nicht aus. Der DSC gewann viele Fans zurück, spielte in der Westfalenliga von Beginn an oben mit und führte die Tabelle zeitweise sogar an, bis dem etwas geschrumpften Kader am Ende der Hinrunde die Puste ausging.

Mit nur drei Punkten Rückstand auf Herbstmeister TSV Marl-Hüls wird der DSC ab März noch einmal voll angreifen. Trainer Stroetzel macht kein Hehl daraus, dass er mit dem DSC in die Oberliga will. Die Saat für eine Wachablösung im Herner Fußball wurde im Sommer 2014 gelegt. Ob sie aufgeht, wird das kommende Frühjahr zeigen.