Sven Abbing krönt sich zum Europameister

Sven Abbing vom Herner Triathlon-Team 11 auf der Laufstrecke
Sven Abbing vom Herner Triathlon-Team 11 auf der Laufstrecke
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Kalle Dietz flippte am Telefon fast aus. „Das ist irre, das ist Wahnsinn. Ich habe eine Sensation mitzuteilen“, sprudelte es aus dem Pressesprecher des Herner Triathlon Team 11 (HTT 11) heraus. „Unser Sven hat sich nicht nur für Hawaii qualifiziert, er ist Europameister. Europameister in seiner Altersklasse“, war Dietz hin und weg.

Seit dem frühen Morgen hatte der HTT-Sprecher in seinem Urlaubsort im Wendland per Live-Ticker und Fernsehschirm die Ironman European Championship 2015 in Frankfurt verfolgt, hatte exakt Sven Abbings Zwischenzeiten notiert, seine Infos ständig mit Vereinskameraden ausgetauscht und auch mit Abbings Frau Katharina gechattet, die an der Strecke mitfieberte. Um am Ende den bislang größten Erfolg eines Herner Triathleten in die Welt hinaus zu tragen: Sven Abbing, ein waschechter Wanne-Eickeler, ist Europameister der Altersklasse 30 auf der Langdistanz und wird den HTT 11 nun auch im Oktober beim berühmten Ironman auf Hawaii vertreten.

Um die Ausdauerfreaks nicht zu lange in der mörderischen Hitze zu braten, hatte der Veranstalter den Start in die frühen Morgenstunden vorverlegt. Zunächst sprangen rund 100 Profis, darunter die absoluten Topstars der Szene, ins Wasser des Langener Waldsees, wo der spätere Sieger Jan Frodeno gleich ein Rekordtempo anschlug. Zehn Minuten später schickte der Starter die erste große Gruppe der knapp 3000 „Age Grouper“ auf die strapaziöse Reise – jene Athleten also, die nicht als Profis starten und deshalb auch in Altersklassen gewertet werden. Mittendrin auch Sven Abbing, der Eisenmann aus Wanne-Eickel.

Nach gut einer Stunde, exakt waren es 43 Sekunden mehr, hatte Abbing die 3,8 km geschafft und wieder festen Boden unter den Füßen. Als 24. seiner Altersklasse schnappte er sich sein Rad und war sofort in seinem Element. Einen Kontrahenten nach dem anderen sammelte er ein, spulte die 180 km lange Strecke wie ein Uhrwerk ab und war nach einer Fahrzeit von 4:49:36 Stunden im Ziel. Damit fuhr er einen Schnitt von knapp unter 40 km/h und die achtbeste Radzeit aller Starter, die Vollprofis eingeschlossen. Für einen lupenreinen Amateur eine unglaubliche Leistung.

Mittlerweile fieberte wohl der ganze Triathlonverein bei der HR3-Übertragung oder am Liveticker mit und drückte seinem Sven die Daumen. Mit Erfolg. Abbing hatte sich für den abschließenden Marathon noch genug Körner übrig gelassen, legte bei fast 40 Grad ein irre hohes Tempo vor und rückte Position um Position nach vorne. Was der zähe Polizeibeamte nur ahnen konnte, fanden seine Teamkollegen vor dem Computer heraus: Irgendwann lag kein Amateur der Altersklasse 30 mehr vor Abbing, der Herner lag auf Europameisterkurs.

Sofort ging die SMS an seine Frau Katharina, die ihren Helden mit dieser Info zusätzlich pushte. Und der verstand, ließ nicht locker und setzte sich auch noch von einem Belgier ab, der ihm lange an den Hacken hing. Dann, endlich, nach einer Laufzeit von 3:14:38 Stunden war es geschafft: Abbing war nach einer Gesamtzeit von 9:09:28 h im Ziel, war damit 16. des Gesamteinlaufs und ließ mehr als 80 Prozent aller Profis hinter sich. Und er war Europameister der AK 30.

„Bei diesen Temperaturen war jede Disziplin extrem hart. Nun geht’s wieder nach Hawaii, diesmal sogar als Europameister. Vielen Dank an meine Vereinskollegen, die viele Trainingseinheiten mit mir absolviert haben“, sagte der überglückliche Abbing im Ziel. HTT-Vorsitzender Fuad Rugovac kündigte für das Saisonende bereits eine Riesenfete an, und Kalle Dietz musste sich wieder andere Urlaubsfreuden suchen. „Bei 40 Grad von morgens Sechs bis nachmittags um 16 Uhr am Fernseher zu sitzen, ist schon verrückt. Aber genau so lässt sich Svens Leistung erklären: Einfach verrückt.“