Steffen Uliczka mag auch Matsche

Auf schwerem Boden nahmen allein 514 Läuferinnen und Läufer die 10 Kilometer durch den Gysenberg in Angriff.
Auf schwerem Boden nahmen allein 514 Läuferinnen und Läufer die 10 Kilometer durch den Gysenberg in Angriff.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Es war kein Wetter für Rekorde: Beim 38. Herner Silvesterlauf verfehlte Seriensieger Steffen Uliczka seine Bestzeit und Ausrichter SC Westfalia eine vierstellige Teilnehmerzahl.

Der Himmel eine dicke, neblige Suppe, alles aufweichender Dauerniesel, ein Tag zum Trübsal blasen – zum 38. Herner Silvesterlauf präsentierte sich der Gysenbergwald nicht als Winter-Wunderland, sondern im tristen November-Grau. Das kostete Starter – mit 919 Finishern wurde seit Jahren erstmals die 1000er-Marke verfehlt –, sicher auch einige Zuschauer und Umsatz, verdarb aber weder den Aktiven noch den vielen fleißigen Helfern die Laune. „Bei gutem Wetter kann jeder laufen und eine große Veranstaltung durchziehen. Wir können es auch bei schlechtem“, zog Klaus Alhorn vom ausrichtenden SC Westfalia Herne zufrieden Bilanz.

Bestätigt fühlte er sich durch etliche positive Rückmeldungen im persönlichen Gespräch wie auf der Homepage. „Vielen hat gerade das Laufen im Matsch mal richtig Spaß gemacht“, fasste der Orga-Chef zusammen. „Aus unserer Sicht ist alles perfekt gelaufen.“

Einen perfekten Lauf legte auch Steffen Uliczka (TSV Kronshagen/Kieler TB) hin, der König vom Gysenberg. Mit Startnummer 1 ging der sechsfache Sieger auf die 10km-trecke, als Erster lief er nach 31:06 Minuten durchs Ziel. Und als einer der Saubersten. Weil er immer vorweg rannte, bekam er deutlich weniger Schlammspritzer ab als die Ausdauer-Freaks, die in kleinen Pulks liefen. „Heute war die Strecke ganz anders als sonst, viel schwieriger, ein echter Crosslauf eben“, erzählte Uliczka strahlend, nachdem er seine Verfolger abgeklatscht und den 500-Euro-Scheck in Empfang genommen hatte.

Dass er bei diesen Bedingungen seine Zeit aus dem Vorjahr verfehlen würde, war für den fünffachen Deutschen Meister über 3000m Hindernis schon vorher klar, zumal er über Weihnachten krank gewesen sei. „Ich wusste nicht genau, was ich drauf habe, und bin deshalb eher verhalten angefangen“, gab er seine Renntaktik preis. „Etwa bei Kilometer vier habe ich dann Gas gegeben, um den Jungs mal auf den Zahn zu fühlen, ob sie mithalten können.“

Einer versuchte es zumindest: Eyob Solomon von der SG Wenden. Der 21-jährige Vorjahresdritte, ein Flüchtling aus Eritrea, heftete sich an Uliczkas Fersen, musste bei Kilometer fünf aber abreißen lassen und wurde später auch vom Vorjahreszweiten Karol Grunenberg (ASV Duisburg) überholt. So kam es bei den Männern zum selben Einlauf wie im Vorjahr. Hinter Uliczka kamen Grunenberg (31:21) und Solomon (31:33) auf die Plätze.

Bester Herner war auf Rang sechs der 19-jährige Marius Probst (TV Wattenscheid), der mit 33:01Minuten auch die Wertung der U20-Jugend gewann. Über Platz 13 im Gesamteinlauf und Rang zwei in der Altersklasse M30 – übrigens hinter dem gerade 30-jährigen Uliczka – durfte sich Sven Abbing vom Herner Triathlon Team 11(35:37) freuen. Schnellster Läufer des ausrichtenden SC Westfalia war Bernhard Deiß (15./36:16).

Bei der Siegerehrung der Frauen stand ebenfalls ein gern gesehener Stammgast ganz vorn: Christl Dörschel von der SG Wenden hatte mit starken 37:13 Minuten über zwei Minuten Vorsprung vor ihrer Vereinskameradin Mealat Yermane (39:46). Nur 17 Männer kamen vor der Ausnahmeläuferin ins Ziel, die 2014 jeweils mit Streckenrekord die Halbmarathons in Köln und Duisburg gewonnen hatte.

Ganz hoch hinaus geht es bald auch für eine junge Hernerin: Die 18-jährige Katrin Gruhn war in 44:55 Minuten schnellste Hernerin und darf sich nun auf eine Ballonfahrt freuen, einen der attraktiven Sonderpreise, die der SC Westfalia bei seinen großzügigen Sponsoren loseisen konnte. Auch viele Kinder, die sich vor den beiden Hauptläufen über 5 und 10 km mit Feuereifer auf ihre bis 1500 Meter langen Strecken gestürzt hatten, strahlten bei den zügig durchgeführten Siegerehrung über die geröteten Backen. „Es kam sehr gut an, dass wir so viele Preise organisieren konnten“, freute sich Klaus Alhorn mit ihnen.