Remis lässt nur die Gäste jubeln

Diskutieren halt nicht: Schiedsrichter Visse blieb bei seiner Strafstoßentscheidung.
Diskutieren halt nicht: Schiedsrichter Visse blieb bei seiner Strafstoßentscheidung.
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Der SC Westfalia Herne trotzte dem Meister aus Erndtebrück ein Unentschieden ab. Schilling und Zaskoku trafen beim 2:2.

SC Westfalia Herne -
TuS Erndtebrück 2:2

Tore: 1:0 (3.) Schilling, 1:1 (36., FE) Wassinger, 2:1 (52.) Zaskoku, 2:2 (67.) Wassinger.

SCW: Carpentier - Kosien, Kilic, Luvuezo, Mützel - Zaskoku, Weßendorf - Schilling (84. Kaya), Özbicerler (89. Stratmann), Gumpert (88. Horneffer) - Aktas.

TuS: Bäcker - Tuysuz, Wasem, Bednorz, Lima Ribeiro - Kadiata, Ziegler, Böhmer (84. Runkel), Nakai (59. Schattner) - Wassinger, Waldrich (56. Schilamow).

Schiedsrichter: Florian Visse (Hörstel).

Zuschauer: 495.

Wohl nur selten war die Gefühlslage nach einem Unentschieden bei den beteiligten Mannschaften so unterschiedlich. Erndtebrück jubelte nach dem gestrigen 2:2 im Stadion am Schloss Strünkede lautstark, ließ Sektkorken knallen, feierte den Aufstieg in die Regionalliga und – zu 99,9 Prozent – die Meisterschaft und den damit verbundenen Startplatz in der Hauptrunde des DFB-Pokals.

Die Spieler in Blau und Weiß hingegen klatschten sich nur ab, nahmen fast mit hängenden Köpfen die Glückwünsche für eine großartige Leistung entgegen. Der SC Westfalia hatte den haushohen Favoriten am Rande einer Niederlage, aber letztlich brachte dieser eine Punkt die Herner nicht viel weiter. Die Entscheidung, wer weiterhin in der Oberliga spielen darf, wird erst am letzten Spieltag im Fernduell zwischen den Strünkedern und dem SV Zweckel entschieden.

Fragwürdiger Strafstoß

Die Partie zwischen dem Spitzenreiter und dem Tabellenvorletzten nahm sofort Fahrt auf, gleich mit einem gefährlichen Vorstoß der Gäste und einer Ecke. Aber postwendend antworteten die Herner. Onur Özbicerler, der seinen gebrochenen Zeh wieder einmal ignorierte, spielte ein weiten Pass in den Lauf von Jean-Pierre Schilling, und der schloss flach zur Führung ab – nicht einmal 180 Sekunden waren gespielt, und der Außenseiter führte 1:0.

Aber fortan war nicht mehr zu erkennen, wer an der Spitze thront und wer im Keller ums Überleben kämpft. Erwartungsgemäß zeigte Erndtebrück die bessere Spielanlage, kombinierte sicher und kam häufig gefährlich vor den Strafraum der Platzherren; aber Herne hielt mit diszipliniertem Abwehrverhalten, Zweikampfstärke und blitzschnellen Kontern dagegen. So wie in der 35. Minute, als Herne sich am eigenen Sechzehner den Ball erkämpfte und Semih Aktas sich zum 80-Meter-Solo aufmachte. Am Ende dieses Sprints reichte es aber nicht mehr zum präzisen Abschluss.

Direkt im Gegenzug dann der Aufreger des Spiels, der die Gemüter auch nach dem Schlusspfiff noch erhitzte. Christian Luvuezo und Laurenz Wassinger nahmen beide im Herner Strafraum Hände und Arme zu Hilfe, doch dann hob der Erndtebrücker Goalgetter spektakulär ab. Schiri Florian Visse blies in seine Pfeife, alles Reklamieren der Herner half nichts, Wassinger selbst verwandelte den fragwürdigen Strafstoß zum 1:1.

Aber die Schützlinge von Holger Wortmann ließen sich nicht beeindrucken, konterten weiter mutig und wären fast ein weiteres Mal durch Schilling (40.) belohnt worden.

Erndtebrück wirkte verunsichert, das merkte man auch drei Minuten nach Wiederbeginn, als Thomas Ziegler mit einem Rückpass fast seinen Torhüter Timo Bäcker bezwungen hätte. Herne ließ im Tempo nicht nach und wurde in der 52. Minute durch einen Freistoß belohnt, den Kapitän Fatlum Zaskoku aus 22 Metern über die Mauer zur erneuten Führung in die Maschen setzte. Dennis Gumpert hätte noch einen drauf setzen können, doch gleich zwei Erndtebrücker warfen sich in den Schuss des flinken Außenspielers und klärten zur Ecke (66.). Im direkten Gegenzug schlug dann erneut Wassinger zu, nachdem die SCW-Abwehr einen Freistoß fast von der Torauslinie nicht klären konnte. Die letzten beiden Chancen gehörten wieder Herne, aber Sebastian Mützel scheiterte zweimal (78./87.) an Bäcker.