Präzise, charmant und originell

„Wir gehen auf Sie zu und stellen einen persönlichen Kontakt her. Vor allem in den Zeiten des Online-Handels, von Facebook und Twitter“ – so begrüßte Christan Stiebling, Geschäftsführer von Reifen Stiebling, 30 seiner Großkunden zu einem ganz besonderen Abend: Das Herner Unternehmen mit seinen zwölf Filialen im Ruhrgebiet und am Niederrhein hatte kurz vor dem Anpfiff der Rückrunde in der Fußball-Bundesliga mit Kult-Moderator Werner Hansch und Hernes Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer zwei fußballerische Größen zu einer Talkrunde eingeladen.

Ein Leben voller Zufälle

Über zwei Stunden ging Kinhöfer mit dem 76-jährigen Hansch auf Spurensuche. Angefangen bei der Kindheit in Recklinghausen über Schule und Studium bis hin zu den ersten journalistischen Aufgaben – die Gäste hingen an den Lippen der „Stimme des Ruhrgebiets“, der den Talk wie seine Sportreportagen führte: präzise, witzig, charmant, mit originellen Sprachbildern, augenzwinkernd, aber auch mit Tiefsinn. Und er gab zu: „Mein berufliches Leben war von Zufällen geprägt.“ Seine ersten Gehversuche als Sprecher auf den Trabrennbahnen in NRW, die Legende von Schalkes Torwartikone Norbert Nigbur, die Hansch als Stadionsprecher in der Glückauf-Kampfbahn als „Mit der Startnummer 1 ...“ ankündige, der Wechsel zum Rundfunk („Meine schönste Zeit“), die Aufgaben bei diversen Fernsehanstalten – Werner Hansch ließ die Gäste an vielen Facetten seines Lebens teilhaben, ohne zu verhehlen: „Ich habe fast 1500 Fußballspiele kommentiert, der größte Teil davon war langweilig.“

Und der Fußball heute? „Er hat eine gesellschaftliche Bedeutung, die enorm gewachsen ist. Vereine und Spieler stehen unter Dauerdruck. Und das Geld der Champions League bestimmt alles. Daher glaube ich nicht, dass Traditionsvereine wie Frankfurt, Stuttgart, Berlin oder Hamburg in diesem Jahrhundert noch einmal Deutscher Meister werden können.“

„Alles andere ist Schnulli-Bulli“

Beim dritten Stiebling-Talk in einem In-Lokal in Gelsenkirchen-Buer -- bisherige Gäste waren Peter Neururer und Christoph Metzelder -- kamen Kinhöfer und Hansch natürlich an einem Thema nicht vor: Am FC Schalke 04 und an dessen ehemaligen Manager Rudi Assauer. Während Hansch die „Knappen“ sportlich auch dank der soliden Nachwuchsarbeit auf gutem Weg sieht, hat er zu dem Verein eine ganz neue Bindung. „Schalke unterstützt die ,Rudi Assauer Gemeinnützige Initiative Demenz und Gesellschaft‘, deren Beiratsvorsitzender ich bin, in vielen Dingen. Das ist keine Selbstverständlichkeit.“

Mit viel Applaus und zahlreichen Fragen der Gäste endete der kurzweilige Abend, den Christian Stiebling so zusammenfaste: „Ich bin tief beeindruckt und hatte viele Aha-Erlebnisse und Gänsehaut-Momente.“ Und spielte dann auf die unlängst erschienene Biographie von Werner Hansch an: „Das war heute alles andere als Schnulli-Bulli.“