Marius Probst startet durch

Marius Probst jubelt über seinen Deutschen Meistertitel.
Marius Probst jubelt über seinen Deutschen Meistertitel.
Foto: Wolfgang Birkenstock
Was wir bereits wissen
Der 19-Jährige Herner wurde zum zweiten Mal deutscher U23-Meister über 1500 Meter und fährt zur U23-EM nach Tallin. Dafür gab er seine Karrierechance als Fußballer auf.

Als Teenager war Marius Probst ein vielversprechender Nachwuchsfußballer, der Junge aus Herne-Mitte spielte für SC Westfalia und den DSC Wanne-Eickel. Schalke 04 wollte ihn verpflichten. Mindestens genau so vielversprechend waren aber auch seine Leistungen in Lauf- statt Fußballschuhen für den TV Wattenscheid 01.

Zwei Deutsche Meisterschaften

Er musste sich entscheiden – und hängte die Fußballschuhe an den Nagel, setzte voll auf die Leichtathletik. „Mit 15 hat man noch nicht so viele Gedanken ans Geld. Ich habe mich in der Leichtathletik stark entwickelt, im Fußball dagegen kann man jederzeit aussortiert werden.“ Auch sein Vater habe eine Rolle gespielt: „Der war auch Leichtathlet, das hat mich beeinflusst.“

Sportlich hat der heute 19-Jährige wohl alles richtig gemacht. Im vergangenen Sommer lief er, auch für ihn selbst überraschend, über 1500 Meter zur Deutschen U23-Meisterschaft. Jetzt in Wesel ging er als Favorit an den Start – und verteidigte den Titel. Das sei etwas ganz Besonderes, so Probst: „Auch wenn ich jetzt schon ein wenig damit gerechnet habe, Deutscher Meister wird man nicht jeden Tag.“

Der Druck beim zweiten Anlauf sei aber ein anderer gewesen: „Ich wusste, dass ich Favorit bin, aber da ich die Norm für die Europameisterschaft schon vorher gelaufen war, habe ich mir keinen Stress gemacht.“ Der sei dafür von außen gekommen: „Viele haben gesagt: Als Titelverteidiger musst du zeigen, was du kannst.“

Er sei „ruhig und locker“ geblieben: „Das hat am Ende den Ausschlag gegeben.“

Und natürlich seine momentan starke Form: Zuletzt reihte er besonders auf seiner Paradestrecke über 1500 Meter eine Bestzeit an die andere. Der Lohn für sein aktuelles Leistungshoch ist die Nominierung zur U23-Europameisterschaft in Tallinn (Estland) am zweiten Juliwochenende (9. bis 12. Juli).

Seine Entwicklung erklärt er vor allem mit harter Arbeit: Wenn möglich trainiert er zwei Mal pro Tag – neben seinem Studium, Probst wird Lehrer. „Ich versuche schon, zwei Mal am Tag zu trainieren, sonst habe ich eigentlich nicht viel geändert, höchstens ein wenig meine Renntaktik.“ Für ihn als ehemaligen Fußballer ist aber auch das Teamgefühl beim TV Wattenscheid wichtig: „Es ist auch entscheidend, dass man gute Trainingspartner hat, die einen immer wieder motivieren, mit denen das Training Spaß macht.“

Die Prioritäten zwischen Sport und Studium sind dabei klar verteilt: „Ich habe versucht, mir meine Kurse so zu legen, dass ich morgens vor der Uni auf jeden Fall trainieren kann, am besten auch danach noch einmal – da kommt es auch schon einmal vor, dass ich dann nur noch wenig Nerven habe, etwas für die Uni vorzubereiten.“ Die Selbstdisziplin aber, die zahlt sich aus.

Seine Bestleistung über 1500 Meter liegt aktuell bei 3:41,90 Minuten, die U23-EM wird sein vorläufiger Karrierehöhepunkt: „Das hat noch einmal einen höheren Stellenwert als die deutsche Meisterschaft, wenn man mit den besten aus jeder Disziplin zu so einem Wettkampf reist.“ Bezüglich der Ergebnisse gibt er sich noch abwartend: „In diesem Jahr geht es erst einmal nur ums Reinschnuppern.“

Er ist noch jung, gehört zum jüngsten startberechtigten Jahrgang. In zwei Jahren könnte er noch einmal zur U23-EM: „Da will ich dann ganz vorne mit dabei sein.“

Und nach und nach ganz nach vorne laufen, übernächstes Ziel: Berlin. „Die Heim-EM 2018 in Berlin würde ich auch gerne laufen.“ Und dahinter wartet schon das Fernziel Olympia, Tokio 2020, allerdings derzeit noch ganz weit hinten im Hinterkopf. Voraussetzung dafür sei, gesund und fit zu bleiben – „nur dann kann man das alles laufen.“

Diese Großevents können ihm etwas etwas bringen, was er damals aufgegeben hat: „Mir fehlt der Fußball mittlerweile schon ein wenig, dieses Mannschaftsgefüge hat man beim Laufen natürlich kaum so. Deshalb ist es schön, bei solchen Veranstaltung im Team unterwegs zu sein.“ Wenn er das nun auch beim Laufen spürt, hat er mit seiner Entscheidung garantiert alles richtig gemacht.