Knapp an der Blamage vorbei

Zweimal als Vorbereiter trat Stephan Kreuzmann (2. v. l.) beim Herner Sieg über Ratingen in Aktion.
Zweimal als Vorbereiter trat Stephan Kreuzmann (2. v. l.) beim Herner Sieg über Ratingen in Aktion.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Erst in der letzten Spielsekunde trifft Michel Ackers zum 3:2-Sieg des Herner EV gegen Ratingen.

Herner EV -
Ratinger Ice Aliens 3:2

Drittelergebnisse: 2:0, 0:2, 1:0.

Tore: 1:0 (7:39, 5-4) Svejda (Rumpel/Dreischer), 2:0 (13:47, 5-4) Rumpel (Dreischer/Kreuzmann), 2:1 (33:54), 2:2 (36:55, 4-3), 3:2 (59:59) Ackers (Dreischer/Kreuzmann).

Strafminuten: Herne 8 plus 10 (Nieberle) – Ratingen 20.

Fast wäre das alte Jahr für den HEV mit einer Blamage zu Ende gegangen. Erst in letzter Sekunde bewahrte Verteidiger Michel Ackers mit einem abgefälschten Schuss die Gysenberger gegen den krassen Außenseiter aus Ratingen am Freitag vor einem Punktverlust.

Dabei schienen diejenigen, die nach drei klaren Siegen über die Aliens auch im vierten Vergleich ein Schützenfest erwartet hatten, zunächst richtig zu liegen. Der HEV legte in Überzahl zwei Treffer vor, und weitere Tore waren gegen den stark ersatzgeschwächten Gast sicher nur eine Frage der Zeit.

Am Rand der Überheblichkeit

Dachten die 748 Zuschauer, dachten offenbar auch die HEV-Spieler, doch deren Körpersprache gefiel Trainer Frank Petrozza bereits zu diesem Zeitpunkt nicht. Seine Akteure gingen allzu locker mit der leicht herausgeschossenen Führung um, vergaben ihre weiteren Möglichkeiten sorglos, fahrlässig und inkonsequent und bewegten sich dabei vor dem Tor des guten Ratinger Goalies Bastian Jakob mitunter hart am Rand der Überheblichkeit.

Gefahr für Michel Weidekamp auf der Gegenseite schien allerdings nicht zu drohen. Ohne ihren Topscorer Jan Nekvinda und einige weitere wichtige Angreifer kamen die Gäste nur selten in Schussposition, ehe durch einen abgefälschten Schlenzer wie aus dem Nichts der Anschlusstreffer fiel. Und als der Puck nach einem Ratinger Powerplay wenig später erneut im Herner Netz zappelte, dämmerte den Anwesenden allmählich, dass dieser Eishockeyabend wohl völlig anders als erwartet verlaufen würde.

Petrozza-Predigt bringt nichts

Frank Petrozza nahm seine Mannschaft umgehend per Auszeit ins Gebet, doch die richtige Einstellung fehlte und ließ sich auch nicht mehr herbeipredigen. Nach vielen weiteren vergebenen Chancen klatschte Michel Ackers’ Verzweiflungsschuss schließlich doch noch zur Entscheidung ins lange Eck – ein Glückstreffer, den zu diesem Zeitpunkt keiner mehr erwartet hatte.

Entsprechend kritisch fiel Frank Petrozzas Analyse aus: „Wir waren nicht bereit für dieses Spiel und hatten den Sieg vielleicht nicht verdient. Es war keine gute Leistung, aber das müssen wir jetzt abhaken und uns auf Essen am nächsten Freitag konzentrieren.“ Der HEV-Coach suchte jedoch auch das Gute an diesem ziemlich misslungenen Auftritt: „Die Mannschaft befindet sich immer noch in einem Lernprozess. Und aus so einem Spiel lernt sie hoffentlich mehr als aus einem 13:0.“