Jetzt sind gute Nerven gefragt

Jean-Pierre Schilling (l.)  kämpft mit dem SC Westfalia um den Oberliga-Verbleib.
Jean-Pierre Schilling (l.) kämpft mit dem SC Westfalia um den Oberliga-Verbleib.
Foto: FUNKE Foto Services
Dramatik pur im Abstiegskampf der Oberliga: Der hochgradig gefährdete SC Westfalia Herne muss im letzten Heimspiel ausgerechnet gegen den Spitzenreiter ran.

Jetzt kommt’s auf gute Nerven an. Denn eine oft wiederholte Prognose von SCW-Trainer Holger Wortmann wird sich aller Voraussicht nach bewahrheiten: Der Abstiegskampf der Fußball-Oberliga wird zum Marathonlauf, der erst auf den letzten Metern, sprich: am letzten Spieltag entschieden wird – es sei denn, Westfalia Herne (17. Platz/27 Punkte/ -28 Tore) schafft die Sensation und vermasselt dem designierten Meister TuS Erndtebrück am Sonntag (15 Uhr, Schloss Strünkede) mit einem Heimsieg die vorzeitige Aufstiegsfeier.

Sollten die zuletzt beim 1:3 in Hamm doch arg enttäuschenden Herner das Unmögliche schaffen und der SV Zweckel (18./26/-28) an der keineswegs leichteren Hürde in Ahlen straucheln, hätte der SC Westfalia die Katastrophensaison mit einem blauen Auge überstanden. In allen anderen Fällen käme es auf den letzten Spieltag an, an dem Zweckel den SC Roland empfängt und der SCW beim ASC 09 Dortmund antreten muss. Falls sie am Sonntag beim SC Roland leer ausgeht, muss eventuell auch die TSG Sprockhövel (16./30/-26) noch bangen, auf den einzigen Abstiegsplatz abzurutschen.

Letzteres hält Holger Wortmann sogar für ein recht wahrscheinliches Szenario. „Alle Abstiegskandidaten haben ganz schwere Spiele vor der Brust. Dass alle drei auch in der Tordifferenz ganz eng zusammen liegen, macht die Geschichte noch spannender.“

Um sich vielleicht doch aus eigener Kraft zu retten, muss die Herner Mannschaft am Sonntag über sich hinauswachsen. Denn die Gäste aus dem Siegerland sind ein schier übermächtiger Gegner. Keines ihrer letzten acht Spiele haben sie verloren, haben dabei 20 von 24 möglichen Punkten geholt und nur zwei Gegentore zugelassen. Sie besitzen die mit Abstand beste Abwehr und den zweitbesten Angriff der Liga. Mit Laurenz Wassinger (20 Tore), dem beim 5:1 im Hinspiel dreimal erfolgreichen Markus Waldrich (16), Philipp Böhmer und Tokio Nakai (je 10) stehen vier brandgefährliche Offensivkräfte in ihren Reihen – auf den SCW wartet eine maximal schwere Aufgabe.

Denn schließlich geht es auch für die Truppe von TuS-Trainer Florian Schnorrenberg um einiges. „Man kann davon ausgehen, dass sie alles reinwerfen, um sich vorzeitig den Titel zu holen. Die werden alle Hebel in Bewegung setzen und sicher auch von vielen Zuschauern begleitet“, rechnet Wortmann mit hoch motivierten Gästen. „Es ist völlig klar, wer hier Favorit ist.“

Doch die Herner werden sich ihrer Haut erwehren – so hofft es ihr Trainer jedenfalls: „Wir werden hier nichts abschenken, das verbietet sich von selbst.“ Die Fehler von Hamm hat er klar angesprochen. „In puncto Leidenschaft, Engagement und Handlungsschnelligkeit war da leider viel Luft nach oben. Ich hoffe, dass die Spieler auf diese Ansprache reagieren und diesmal alles raushauen.“ Nicht helfen können Onur Özbicerler (Zehbruch) und Manuel Bölstler, der in Hamm einen Faserriss erlitt. „ Mit Bölstler fehlt der Dreh- und Angelpunkt, der Kopf der Mannschaft. Das ist dramatisch“, so Wortmann.

Dann müssen es halt die anderen richten.

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