Fußball-Fortbildung unter dem Hallendach

Auch die Turnierleitung um Heinz Kleyer (2.v.r.) musste oftmals sehr aufmerksam hinschauen, um die Auslegung der neuen Regeln nachvollziehen zu können.
Auch die Turnierleitung um Heinz Kleyer (2.v.r.) musste oftmals sehr aufmerksam hinschauen, um die Auslegung der neuen Regeln nachvollziehen zu können.
Foto: FUNKE Foto Services

Das Sodinger Gall-Turnier ist vorüber, die Aufarbeitung kann beginnen. Und mit der Wachablösung des Hallenfußballs, der nunmehr nach Futsal-Regeln ausgetragen wird, gibt es eine ganze Menge aufzuarbeiten. Das 26. Turnier des SV Sodingen war so etwas wie die wohl größte Fußball-Fortbildungsveranstaltung, die Herne je erlebt haben dürfte. Wir blicken auf eine Handvoll Szenen zurück, die (unfreiwillig) als Lehrstücke dienten.

Grätschverbot: Das Untersagen von Grätschen wurde weitestgehend positiv aufgefasst, viele Fouls sind durch dieses Verbot von vornherein verhindert. „Damit können wir gut leben“, erklärte auch Turnierleiter Heinz Kleyer vom SV Sodingen. Probleme bereitet lediglich die Ausnahme des Torhüters, der in seinem Strafraum zur Grätsche ansetzen darf – nicht jedoch außerhalb. Pascal Heuser (SV Sodingen) etwa konnte von Glück sagen, dass sein Herausrutschen im Halbfinale aus dem Sechs-Meter-Raum nicht von einer erlaubten zu einer unerlaubten Grätsche verkam. Zumindest im Auge des Schiedsrichters, der den Roten Karton in diesem Fall stecken ließ, den man für ein gleiches Vergehen in der Vorrunde noch gezeigt bekam. Kleyers Lösungsvorschlag: „Da muss man wohl für die Torhüter rutschfeste Hosen erfinden.“

Vier-Sekunden-Regel: Zur Verhinderung von Zeitschinderei ebenfalls eine durchaus gute Idee. Freistöße, Eckbälle, Einkicks und so weiter müssen innerhalb von vier Sekunden erfolgen, andernfalls wechselt der Ballbesitz. Der Schiedsrichter zeigt den Ablauf deutlich mit ausgestrecktem Arm an: Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger, Pfiff. Schmerzliche Erfahrung damit gab es für Dominik Ratsch im Tor des SV Wanne 11. Sein Abwurf im Finale dauerte zu lange, die Folge: Freistoß an der Strafraumkante. Der FC Marokko traf zum 2:2-Ausgleich, bog anschließend selbst auf die Siegerstraße ein und gewann das Turnier.

Futsal-Ball: Bis zu acht Zentimeter kleiner im Durchmesser, beinahe nur noch handballgroß und irgendwie „platt“. Für einige Kicker bedeutete die neue Kugel offenbar Neuland, sie kamen fast gar nicht damit zurecht. Entgegen kam der Ball den technisch ohnehin versierten Kickern, die es lieben, den Gegner mit dem Ball unter der Sohle schwindelig zu spielen. Ein Verspringen ist kaum noch möglich. Lieben lernen werden ihn dennoch wohl nicht alle, vielleicht ist es aber auch nur eine Übungsfrage.

Torwertung: Beendete das akustische Signal des Zeitnehmers bislang konsequent die Spielzeit und damit das Spiel, so ist nunmehr das Ergebnis eines vor dem Signal abgegebenen Torschusses abzuwarten. Gelernt haben dürfte dies vor allem Schlussmann Jabber Khaloua vom FC Marokko, der im Halbfinale gegen den SC Westfalia Herne einen 32-Meter-Schuss von Torben Reimann lässig gegen die Brust tropfen lassen wollte, da mitten in die Flugbahn die Halbzeitsirene schallte. Die Kugel aber suchte sich von der Brust des Marokkaners noch den Weg ins Tor. Das 2:2 zählte, am Ende ermöglichte dieser Treffer dem SCW ein Neunmeterschießen – dort jedoch ohne Erfolg.

Nach dem Turnier ist vor dem Turnier

Fazit: Am Ende des 2015-er Turniers gingen Aktive wie Zuschauer mit vielen Eindrücken und ziemlich gemischten Gefühlen nach Hause. Schiedsrichter und Veranstalterteam müssen ebenfalls einiges sacken lassen. Ein bisschen bange wird den Sodingern, wenn auch alle weiteren Futsalregeln eingeführt werden. „Dann müssen wir auf Handballtore spielen“, blickt Heinz Kleyer voraus. „Und wenn man uns die Bande nimmt, dann wird das schon böse. Dann brauchen wir zum Beispiel einen zweiten Schiedsrichter, was auch die Kosten nach oben treibt.“ Die Futsal-Fortbildung geht also weiter, 2016.