Europapokal im Abstiegskampf

Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Nur gut drei Wochen nach dem Hinspiel ist Westfalia Herne am Freitagabend beim SV Lippstadt zu Gast – allerdings unter ganz anderen Vorzeichen.

„Ein bisschen wie im Europapokal mit Hin- und Rückspiel“ fühlt sich Holger Wortmann vor dem Auswärtsspiel seines SC Westfalia Herne in Lippstadt. Gut drei Wochen ist es erst her, dass der SV Lippstadt sich im Nachholspiel die Ehre am Schloss Strünkede gab, an diesem Freitagabend (Anstoß 19.30 Uhr) findet dann das „Rückspiel“ statt, wenn der Trainer Wortmann und seine Mannschaft im neuen Lippstädter Stadion am Bruchbaum zu Gast sind.

Wäre es Europapokal, hätte der SCW nach dem 0:0 Mitte April beste Chancen, durch ein Auswärtstor die nächste Runde zu erreichen. Die Realität sieht aber anders aus. Der SCW steckt mitten im Abstiegskampf, Lippstadt ist die beste Rückrundenmannschaft (24 Punkte und keine Niederlage in zehn Spielen). Auf Herner Seite haben sich seit dem letzten Aufeinandertreffen zwei wesentliche Ausgangsbedingungen geändert.

Die Serie spricht gegen Herne

Erstens: Im April blickte Herne auf eine Serie von sechs ungeschlagenen Spielen zurück, Westfalia hängte beim 0:0 das siebte dran. Auch am Freitag könnte eine Serie verlängert werden – eine Niederlage in Lippstadt wäre die fünfte SCW-Pleite in Folge. Holger Wortmann sieht das als Vorteil für Lippstadt: „Wir haben sicher nicht mehr so ein tolles Selbstvertrauen wie damals, nach sechs Spielen ohne Niederlage war die Brust deutlich breiter.“ Die war auf dem Platz klar zu sehen, der SCW lieferte sich mit der laut Wortmann „besten Mannschaft, gegen die wir im diesen Jahr Fußball gespielt haben“ einen offenen Schlagabtausch, es war ein 0:0 der grandiosen Sorte.

An dieser Leistung wurde der SCW gemessen, konnte sie zuletzt aber nicht mal mehr ansatzweise liefern. Wortmann schraubt deshalb die Erwartungen herunter: „Wir müssen zurück in die Erfolgsspur kommen. Das heißt aber nicht, dass wir da hinfahren und den Gegner klar beherrschen. Erfolg heißt, dass wir uns wieder als Einheit präsentieren, dann kommen die Punkte von alleine.“ Er bleibt ruhig, auch weil sich die Dinge seitdem dramatisch zu Gunsten des SCW gewendet haben.

Herne jetzt über dem Strich

Denn – und das ist der zweite große Unterschied zum „Hinspiel“ – Westfalia steht, trotz vier Niederlagen in Serie, nicht mehr auf einem Abstiegsplatz, dem VfB Hüls sei Dank. „Als wir im Hinspiel aufeinandertrafen, zählten nur Siege. Für die Zuschauer war es ein gutes 0:0, weil es rauf und runter ging. Es war aber nicht unsere beste Saisonleistung, weil wir nicht gewonnen haben. Für mich war das 4:3 gegen Erkenschwick das beste Spiel.“

Am Freitagabend würde Wortmann den einen Punkt aber wohl auch gerne mitnehmen. Zum einen, weil Lippstadt klarer Favorit ist, auch für Wortmann. „Mein lieber Mann, haben die eine große Qualität“, habe er nach dem letzten Aufeinandertreffen gedacht. Außerdem würde auch schon der eine Punkt im Schneckenrennen gegen den SV Zweckel durchaus helfen. Der SVZ, der sich mit Westfalia um den rettenden Platz 17 streitet, hat in den letzten vier Spielen vier Punkte geholt. Westfalia keinen einzigen, der Vorsprung ist auf zwei Punkte zusammengeschrumpft. Verliert Westfalia das Spiel in Lippstadt, könnten die Gladbecker mit einem Sieg in Neuenkirchen am Sonntag vorbeiziehen. Die Abstiegsangst ist spätestens jetzt wieder da (falls sie zwischenzeitlich überhaupt mal kurz weg war).

Um den Absturz auf Platz 18 zu verhindern, kann Wortmann voraussichtlich auf seinen ganzen Kader zurückgreifen. Wortmann: „Bis auf die üblichen Wehwehchen zum Ende einer Saison bei allen Spielern gibt es nur einen Verletzten. Bei Dennis Gumpert sind alte Knieprobleme wieder leicht aufgebrochen, da werden wir kurzfristig entscheiden müssen, ob er spielen kann.“ Der Einsatz des besten Torschützen könnte wichtig sein für Westfalia. Nicht nur im Europapokal ist ein Auswärtstor manchmal der Schlüssel zum Erfolg.